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Gedankenreise

Wenn Gedanken auf die Reise gehen, entsteht manches Gereimte und auch Ungereimte.



Montag, 23. April 2012

Traumberufe

Von mirabelle48, 17:27



Als meine Enkel noch nicht in die Schule gingen, hielten sie es für das Größte, Busfahrer zu werden. Das taten sie auch deutlich im morgens vollbesetzten Omnibus kund, wenn ich sie in den Kindergarten brachte. Auch die Meinung des Fahrers, dass das nun so gar kein Traumberuf sei, ließen sie nicht gelten. Sie wollten Busfahrer werden, basta.

Mich haben als Kind immer die Schaffner und Schaffnerinnen, die es damals in den Straßenbahnen noch gab,  schwer beeindruckt. Dafür gab es mehrere Gründe: Sie trugen Uniformen, die mir gefielen, sie knipsten mit ihrer Lochzange die Fahrkarten und nicht zuletzt durften sie immer an der Leine ziehen, worauf dann für den Fahrer das Signal ertönte, dass er weiterfahren konnte. Also speziell das fand ich einfach super und somit war mein Berufsziel ganz klar: Ich wollte Schaffnerin werden.

Aber ich erkannte damals schon, wenn man etwas können will, dann muss man üben. Leider hatten wir keine Straßenbahn in unserer Familie, wo ich für meinen Traumberuf hätte üben können., wer hat schon sowas?

Da galt es, kreativ zu sein, denn schon damals galt für mich: Geht nicht, gibt es nicht.

Also wurde dann unsere Badewanne zur Straßenbahn umfunktioniert und die darüber gespannte Wäscheleine wurde zur Signalleine, wie ich sie aus der Straßenbahn kannte. Dass ich weder eine Uniform noch eine Lochzange hatte, war nicht so wichtig, Hauptsache, ich konnte Signal geben.

Und ob nun Wäsche auf der Leine hing oder nicht, empfand ich als unerheblich, die Leine leider nicht, denn es passierte, dass durch mein heftiges Ziehen sowohl die Leine mit der darauf befindlichen Wäsche sowie der Haken, an dem sie in der Wand befestigt war, in die Badewanne fiel.

Die fleißige Schaffnerin setzte sich unsanft und äußerst schmerzhaft auf den Hosenboden und brüllte.

Zu allem Überfluss hatte meine Mutter für mein vorberufliches Training nun so gar kein Verständnis, im Gegenteil, die hoffnungsvolle Nachwuchsschaffnerin bekam auf den ohnehin schon schmerzenden Popo noch kräftig einen drauf.

Was Wunder, dass die BoGeStra (Bochum-Gelsenkirchener-Straßenbahnen AG) auf meine spätere Mitarbeit verzichten musste und meine so hoffnungsvoll geplante Karriere bereits bevor sie begann, jäh und schmählich endete.

Meine Berufswünsche änderten sich mit der Zeit noch einige  Male, die meiner Enkel übrigens auch. Sie sind z. Zt. dabei, sich auf ihre spätere Tätigkeit als Profifußballer vorzubereiten.

Und sie haben das Glück, dass sowohl ihre Eltern als auch ihre Oma dafür volles Verständnis haben.

Donnerstag, 12. April 2012

Frisch aus der "Presse"

Von mirabelle48, 18:43
Heute vormittag erblickte mein neuestes Buch das Licht der (epubli)Welt.
Es enthält so ziemlich alles, was in den letzten eineinhalb Jahren meinen Gedanken entsprungen ist, allerdings ausschließlich Gereimtes.
Wer schauen möchte kann es hier tun:

www.epubli.de/shop/buch/Hab-meinen-Reim-gemacht-Sibylle-Engel-9783844221374/14778

Freitag, 06. April 2012

Ostereier

Von mirabelle48, 13:56



Herr und Frau Hase

sitzen  im Grase,

rümpfen die Nase.

Sie warten auf Eier

für die Osterfeier

vom Bauern, Herrn Meier.

 

Doch der hat längst schon festgestellt,

dass Osterhasen zahln kein Geld.

Und darum färbt er selber heuer

auch alle seine Ostereier

und gibt sie dann mit viel Gewinn

knallbunt zum  Supermarkt nun hin.

 

Was schert ihn denn auch das Geschrei,

der Kinder um das Osterei,

und was nun macht der Osterhase?

Ihm ist nur wichtig seine Kasse.

 

Und unser  Hasenehepaar

ganz plötzlich arbeitslos nun war.

Jetzt geht es ihm wie vielen hier,

muss fortan leben von Hartz IV.

Sonntag, 01. April 2012

Wer wird Millionär?

Von mirabelle48, 13:38

1 Million kann man doch gut gebrauchen, oder?

Meine Schwiegertochter und ich, ja ich oute uns hier mal, waren eine Zeit lang sehr große Fans der Sendung Wer wird Millionär. Da wir damals noch alle zusammen wohnten, haben sie und ich meistens auch gemeinsam diese Sendung gesehen und immer fleißig mit geraten.
Und Günter Jauch hätten wir auch ganz gern mal persönlich getroffen.
Mein Sohn nahm es gelassen, wenn seine 2 Weiber wieder vor der Flimmerkiste hockten und über die dämlichen Kandidaten lästerten, die mal wieder zu blöd waren, die richtige Antwort zu sagen. Er meinte, Geld könnten wir gut gebrauchen und wir sollten uns doch mal bewerben. Recht hatte er, und so haben wir das auch beide gemacht.

Meine Schwiegertochter war sehr aufgeregt und harrte der Dinge, die natürlich nicht passierten, weil die Wahrscheinlichkeit doch sehr gering war, wirklich in diese Sendung zu kommen.

Eines Morgens klingelte unser Telefon, ich ging ran und meine Schwiegertochter konnte neben mir stehend verfolgen, was ich sagte: Was, RTL ? Wirklich, kein Scherz? Ja natürlich komme ich zum Casting. Wen ich als Begleitperson mitbringe? Meine Schwiegertochter. Wann? Nächste Woche Montag? Ja, natürlich geht das. Danke schön.
Und ich legte auf.

Zunächst guckte sie ganz ungläubig, dann führte sie einen Freudentanz auf. Du nimmst mich wirklich mit? Super, ich freu mich riesig.
Und dann: Geht ja gar nicht, nächste Woche hab ich Spätdienst, ich krieg bestimmt kein frei, es sind doch 2 Kolleginnen krank, ach, so ein Mist. Schade, wäre so schön gewesen. 


Ja, dann ruf doch deine Wohnbereichsleitung an, und frag sie, sagte ich, vielleicht geht es ja doch. Das tat sie sofort, und sie sprudelte förmlich ihre Bitte am Telefon heraus.
Und während sie noch verhandelte, kam mein Sohn aus dem Bad mit dem Handy in der Hand

Und er und ich riefen laut APRIL, APRIL…

Er hatte nämlich unsere Nummer gewählt und mein so genanntes Gespräch mit RTL war natürlich ein Fake.

Ich muss sie bei Gelegenheit mal fragen, ob sie mir inzwischen verziehen hat, denn lange hat sie es mir nachgetragen.
Bei Herrn Jauch waren wir übrigens immer noch nicht. Aber ich bin immer noch ein Fan dieser Sendung.

Montag, 26. März 2012

Gelb und grau

Von mirabelle48, 16:23


Ich möchte frei sein, dachte sich

Kanarienvogel Klaus.

Nur ist der Käfig hinderlich,

ich komme da nicht raus.

 

Ich möchte nicht mein Leben lang

allein im Käfig singen,

viel lieber mit meinem Gesang

auch Andren Freude bringen.

 

Als sich die Chance bot, flog Klaus

voll Hoffnung und gespannt

schnell in die weite Welt hinaus

wie er es lang geplant.

 

Inmitten einer Spatzenschar

sang Klaus nun seine Lieder,

doch neideten sie dem Kanar

Gesang und auch Gefieder.

 

Schnell hatten sie ihn schon umringt

und hackten auf ihn ein.

Wer statt zu tschilpen Lieder singt,

kann unser Freund nicht sein.

 

Und dann auch noch solch gelbe Federn,

statt graue, so wie wir.

Gehässig hörte man sie zetern,

mach dich bloß fort von hier.

 

Doch eine Spätzin in der Schar

war völlig frei von Neid,

genoss das Lied von dem Kanar,

und auch sein Federkleid.

 

Gemeinsam flogen sie davon,

und fanden einen Platz,

wo gerne hörte man den Ton

von Klaus und seinem Spatz.

 


Sonntag, 18. März 2012

Oh, diese Stimme

Von mirabelle48, 12:24

Dass Stimmen, gerade auch Telefonstimmen, bestimmte Vorstellungen auslösen, hat bestimmt jeder von uns schon mal erlebt.

Nein, nicht die Telefonstimmen der Callcenter-Agents, die lösen bei mir gar nichts aus, allenfalls den Reflex zum Auflegen.
Ich meine in diesem speziellen Fall auch nicht die Telefonstimmen mancher Internetbekanntschaften, die ich die Ehre hatte, schon zu hören. Oder doch, die schon eher, da kommt frau schon mal ins Grübeln…

Während meiner Berufstätigkeit musste ich halt viel telefonieren. Meistens waren es Gespräche, die kurz und sachlich waren.

Und dann plötzlich in diesem Stimmeneinerlei eine männliche Stimme, die mich aufhorchen ließ. Ein neuer Kollege, der in einer anderen Einrichtung unseres Trägers arbeitete, wollte sich per Rundruf wenigstens telefonisch vorstellen, da wir in Zukunft häufiger miteinander zu tun haben würden.
Klar war er in unserer monatlich erscheinenden innerbetrieblichen Infoschrift schon angekündigt worden, aber so etwas liest frau, nimmt es zur Kenntnis und dann ist es auch schon wieder weg.

Jetzt also dieser Anruf. Diese Stimme….Wie soll ich sagen, also tief, sanft, trotzdem kraftvoll, einfach angenehm. Ich horchte auf und das Gespräch dauerte auch einige Zeit, frau hat ja so ihre Strategien, nicht wahr???

Ich machte mir eine genaue Vorstellung davon, wie er aussah: Natürlich, groß, dunkelhaarig, wahrscheinlich hatte er braune Augen? Oder reizvoll wäre natürlich auch der Kontrast, vielleicht doch zu den dunklen Haaren blaue Augen, schlank … bei dieser Stimme musste er ein außergewöhnliches männliches Exemplar sein.

Es folgen noch viele Telefonate und immer mehr verfestigte sich mein Eindruck. Humor hatte er auch noch und sein Lachen nahm mich noch mehr für ihn ein. Kurz, ich erlaubte den ersten Schmetterlingen, in meinem Bauch zu fliegen. Bald ertappte ich mich dabei, dass ich einen Anlass suchte, um ihn „dienstlich“ anzurufen  und die Gespräche auch nach Möglichkeit ausdehnte.

Und ich freute mich riesig, als er sagte, dass wir uns ja in Kürze auf der Dienstbesprechung in der Zentrale persönlich begegnen würden. Eigentlich hasste ich diese endlosen Sitzungen, die eine relativ kurze Tagesordnung hatten, sich aber trotzdem wie Gummi in die Länge zögen, weil dann unter dem Punkt „Verschiedenes“  die endlosen Diskussionen erst richtig los gingen, Ende offen….

Diesmal schlief ich in der Nacht vorher schon schlecht, schließlich würde ich „ihn“ endlich kennen lernen. Und dann die Frage aller Fragen, was zieht frau an? Fast wäre ich noch zu spät gekommen, weil ich mich mehrmals umgezogen hatte, bis ich endlich mit mir zufrieden war.

Und dann war ich endlich da. Unser Geschäftsführer war gerade im Gespräch mit einer Kollegin und einem mir nicht bekannten Herrn und ich hörte wie er sagte, Frau A. darf ich Ihnen Ihren neuen Kollegen, Herrn M. vorstellen ?
Ich ging drei Schritte zurück und musste mich erst mal sammeln, der Herr neben ihm sollte wirklich  „er“ sein? Einen halben Kopf kleiner als ich, Halbglatze, sehr übergewichtig, aber diese Stimme als er zu der Kollegin sagte: Freut mich sehr, Sie endlich persönlich kennen zu lernen…

Bild: eigene CD 37.000 Cliparts

Samstag, 10. März 2012

Kennst du ihn?

Von mirabelle48, 11:01



Wie oft hatte sie diese Frage gehört.
Oh ja, und ob sie ihn kannte. Begleitete er sie doch, seit sie denken konnte. Das erste Mal machte sie Bekanntschaft mit ihm, als sie damals beim Rodeln total die Zeit vergaß, mit den anderen Kindern draußen blieb, obwohl es schon längst dunkel war und die Straßenlaternen lange Zeit schon brannten. Nach und nach wurden es immer weniger Kinder, die noch draußen waren, aber sie bemerkte es kaum. Zitternd vor Kälte ging sie dann irgendwann heim, 2 Stunden später als vereinbart. Empfangen wurde sie mit der Frage:

Kennst du ihn?

Und dann lernte sie ihn kennen. Wehren war zwecklos, die Mutter und er waren stärker. Es tat weh, sie verstand es kaum, warum sie so hart bestraft wurde. Sie hatte doch nur die Zeit vergessen.
Intensiver noch machte sie Bekanntschaft mit ihm, als sie beim Nachfüllen des Schulfüllers aus Versehen das Tintenfass umstieß. Entsetzt starrte sie auf den immer größer werdenden See in königsblau, der sich auf ihrem neuen Kleid bildete, das sie trotz Verbotes an diesem Tag zur Schule angezogen hatte, weil sie es ihren Freundinnen stolz hatte zeigen wollen. Und nun bei ihren Hausaufgaben dieses Missgeschick. Das würde Ärger geben, ihre Mutter würde fragen:

Kennst du ihn?

Schnell zog sie das Kleid aus und versteckte es. Aber natürlich fand es ihre Mutter einige Tage später und bemerkte die Tinte. Und das war das erste Mal, dass sie log. Nein sie wisse nicht, wie das Kleid dorthin gekommen sei, nein den Fleck könne sie sich nicht erklären. Ihre Mutter sah sie wütend an und schon kam die erwartete Frage:

Kennst du ihn?

Dann tanzte er auf ihrem Rücken, der Schmerz war fast unerträglich, sie schrie, und je mehr sie schrie, desto wilder wurde er in Mutters Hand. Bis ihr Schreien in ein erschöpftes Wimmern überging.
Und tagelang schlief sie nur auf dem Bauch. Vom Sportunterricht wurde sie befreit, Mutter schrieb eine Entschuldigung, dass sie wegen Unpässlichkeit nicht teilnehmen solle.

Oh ja, sie kannte ihn.

Aber er und sie, sie arrangierten sich. Sie kannten sich mit der Zeit immer besser, immer häufiger log sie, je mehr sie log, umso öfter hörte sie die Frage:

Kennst du ihn?

Ihn, der eigentlich dazu gedacht war, im Hof die Teppiche zu klopfen, Wolken von Staub aus ihnen heraus zu schlagen. Ihn, der immer dann, wenn er nicht gebraucht wurde, ganz unschuldig in der Besenkammer am Haken hing. Ihn, der immer noch da war, obwohl es mittlerweile einen Staubsauger gab und er für die Teppiche nicht mehr benutzt wurde. Ihn, diesen kunstvoll geflochtenen Gegenstand, ihn, den sie fürchtete und hasste. Ihn, der die Kraft und die Macht besaß, die Wahrheit aus ihr herauszuprügeln.

Sie tat einen Schwur und sie hielt ihn: Niemals würde sie ein Kind fragen:

Kennst du ihn ?


Donnerstag, 08. März 2012

Wie Samt und Seide

Von mirabelle48, 21:47

Es war weiß Gott keine Liebe auf den ersten Blick,  noch nicht einmal Sympathie.  


Vor über vierzig Jahren, als ich sie zum ersten Mal sah, war es eher eine mehr oder weniger erzwungene Zweckgemeinschaft auf Probe. Nicht freiwillig lernte ich sie kennen,  es war die Notwendigkeit, Arbeit zu finden, die mich veranlasste, mich überhaupt mit ihr zu befassen.

Man nannte und nennt sie die Samt- und Seidenstadt, mein erster Eindruck hatte aber so gar nichts Samtiges oder Seidiges, er erinnerte mich eher an hartes, ungebleichtes Leinen, nützlich, strapazierfähig und grob strukturiert.  

Es brauchte eine lange Zeit, bis ich meinen „Weichspüler“ entdeckte, der den groben Stoff  für mich „hautverträglich“ machte. Und das waren die Menschen, die hier lebten. Zwar hatten wir anfangs erhebliche Verständigungsprobleme, denn wenn „Einheimische“  krieewelsch sprachen, verstand ich nur Bahnhof. Doch nach und nach lernte ich verstehen, wenn auch leider bis heute nicht sprechen, auch wenn mein „hochdeutsch“ mittlerweile eine eindeutige niederrheinische Klangfärbung hat.

Wir gewöhnten uns aneinander, die Stadt und ich, ich lernte sie sympathisch finden und mit der Zeit sogar lieben. Mein Sohn wurde in dieser Stadt geboren und wuchs hier auf, meine Enkel wurden in dem Krankenhaus geboren, das mir damals Arbeit und Brot gab und in dem ich fast 20 Jahre arbeitete, bis ich mich beruflich umorientierte. Und ich nahm es gerne in Kauf, jeden Tag morgens und abends 50 km zu fahren, um meinen Lebensmittelpunkt hier zu behalten. In der Stadt mit dem vielen Grün, einem der längsten Radwegenetze, den vielen Kultur- und Freizeitangeboten und nicht zuletzt mit Bewohnern so vieler unterschiedlicher Herkunft und Kulturen.

Die Stadt ist zu meiner ganz persönlichen Samt- und Seidenstadt geworden, sie hüllt mich weich ein wie Samt und ist mir kostbar wie Seide.

Wer jetzt etwas zur Geschichte und den Besonderheiten dieser meiner Stadt in diesem Text vermisst, das alles kann man, wenn man möchte, sehr detailliert hier nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Krefeld.

 

Bild: Wikipedia

Freitag, 02. März 2012

Mit allen Sinnen

Von mirabelle48, 10:46

Wenn deine Augen wahrhaft sehen,

die rosa Brille abgelegt,

ihn nicht durch ein Podest erhöhen

und trotzdem er dein Herz bewegt,

 

wenn, was er sagt, dein Ohr erreicht,

obwohl er meist in Prosa spricht,

gewünschter Poesie nicht gleicht,

und dennoch klingt wie ein Gedicht,

 

wenn mancher seiner Küsse schmeckt

nach Eintopf statt nach Haute cuisine

und hast dabei für dich entdeckt,

so hin und wieder magst du ihn,

 

wenn heut sein ganz spezieller Duft,

der dir einst schien exorbitant,

ganz einfach nur noch gute Luft,

schlicht angenehm und wohl bekannt,

 

wenn deine Haut an seiner Haut

nicht mehr verbrennt durch heiße Glut,

doch wärmend, zärtlich und vertraut,

du spürst, die Nähe tut dir gut,

 

dann das „Verliebt sein“ langsam schwindet,

und ganz erstaunt wirst du erkennen,

was euch nun weiterhin verbindet

ist, was die Menschen LIEBE nennen.


Sonntag, 26. Februar 2012

Frühlingsgefühle

Von mirabelle48, 15:49

Wenn der Schnee ist weg geschmolzen.

Kinder wieder draußen bolzen.

Primel, Krokus und Narzissen

Trau´n sich langsam aus den Wiesen,

dann erwachen, sagen viele

Auch in uns Frühlingsgefühle.

 

In dem Mann erwacht Begehren,

möchte eine Maid  betören.

Jung und schön, mit glatter Haut

Das ist´s, was er gerne schaut.

Balzend wie ein Auerhahn

Macht er sich an eine ran,

die, an Jahren kommt es hin,

könnte sein die Enkelin.

 

Geht verwegen auf sie zu,

schnell ist er vom Sie beim Du.

Mogelt rasch, trotz Altersspeck

Eben mal 10 Jahre weg,

Kriegt sie rum. Doch welch Malheur,

schafft, was er gewollt   nicht mehr

und muss schließlich dann erkennen,

wollen darf man, aber können?

 

Doch auch Frau beginnt zu träumen

Wenn das Grün wächst auf den Bäumen.

Möchte länger nicht allein sein

Denkt sich auch so manches Weiblein

Spürt mit erster Frühlingssonne

In sich sprießen die Hormone.

 

Kritisch schaut sie auf die Waage,

nun entsteht die Kleiderfrage.

Creme und Farbe ins Gesicht

Lob zu ihr der Spiegel spricht.

Wenn dann die Frisur noch sitzt

Wagemut im Auge blitzt

Geht  beschwingt sie in das Städtchen

Fühlt sich wie ein junges Mädchen

 

Sieht ihn,  findet ihn sehr nett

Lächelt ihn dann an kokett

Und so kommt was kommen muss,

bald schon folgt der erste Kuss.

Frau schwebt nun auf Wolke sieben.

Wo ist ihr Verstand geblieben?

Sieht sich schon an seiner Seite,

immerdar und nicht nur heute.

Macht sich leider doch nicht klar,

dass es nur der Frühling war,

 

Träumte schon von lebenslänglich,

doch der Frühling ist vergänglich.

Und die  Moral von der Geschicht:

Oft hält der Rest des Jahres nicht,

was dir  der Frühling vorgegaukelt.

Schon viele hat er schwer verschaukelt.



Mittwoch, 22. Februar 2012

Heut war mir...

Von mirabelle48, 12:24

Heut war mir, als hätt’  ich den Frühling gerochen,

ein winziges Teil vom  berauschenden  Duft

ist mir in die schnuppernde Nase gekrochen,

ja wahrlich, der Frühling liegt heut in der Luft.

 

Heut war mir, als hätt’ ich den Frühling erblickt.

Es tanzt über vorsichtig knospendes Grün

voll Übermut, Freude und sichtlich vergnügt

ein goldener Sonnenstrahl fröhlich dahin.

 

Heut war mir, als könnte ich den Frühling hören,

manch Vögelein zwitscherte mir eine Weise.

Ergriffen ließ ich vom Gesang mich betören.

Ich lauschte den Klängen und wurde ganz leise.

 

Heut war mir, als hätt’ ich den Frühling gefühlt.

Ein Blick zum Kalender jedoch macht mir klar:

Der Winter hat nur mit ihm fangen gespielt

und siegte. Es ist doch erst Februar.

 

 


Sonntag, 19. Februar 2012

Eene meene miste...

Von mirabelle48, 13:58


Eene meene meck,

Herr Wulff, der ist jetzt weg.

Drum sucht man auf die Schnelle

was Neues für die Stelle.

 

Eene meene muh,

was sagt das Volk dazu?

Das bleibe lieber stumm,

ist doch eh viel zu dumm.

 

Eene meene mick,

das nennt man Politik,

wenn sie sich nun beraten

zu einem Kandidaten.

 

Eene meene miste

wer soll nun auf die Piste?

Ich schlage vor für’s Publikum

Horst Schlämmer und die Uschi Blum.

 


Bild: Sibylle E.

Donnerstag, 16. Februar 2012

Weiberfastnachtsgedanken

Von mirabelle48, 18:37


Gereimte Büttenreden haben im Karneval Tradition.

Also hab ich es auch mal probiert und punktuell etwas auf’s Korn genommen.

Allen Jecken ein fröhliches Helau und Alaaf und wunderschöne "Tolle Tage",  allen Nichtjecken eine gute Fluchtmöglichkeit 

 

 

Wer gerne nimmt, der muss auch geben,

so ist das nun einmal im Leben.

Doch einer, der das wohl nicht kennt,

ist heute Bundespräsident.

Er nahm Kredite oder Reisen,

sehr gerne an zu „Freundschafts“preisen,

und selbstverständlich gab er nie,

mal irgendwas zurück an sie.

„Das Ganze war doch stets legal“,

sagt er das ein ums andre Mal.

Doch ein Geschmäckle  bleibt  dabei,

behaupte ich mal frank und frei.

 

Als uns ward beschert der Euro,

ahnten wir schon, das wird teuro.

Dachten wir einst in Millionen

sind es heute schon Billionen.

Dass ein Ende ist in Sicht,

glaubt doch selbst der Dümmste nicht.

Auf Staatspleiten spekulieren

kann doch nur ins Chaos führen,

und so kommen dann ins Wanken

durch die Gier auch große Banken.

Wenn ich mir das so beseh,

kommt mir folgende Idee:

Jagt sie fort, die Bänkernullen,

statt das Volk stets einzulullen.

 

Sind einst die beiden Veronesen

das größte Liebespaar gewesen,

so sind es seit vergangnem Jahr

Herr Sarkosy und Angela.

Doch bei den beiden hat der Mann

nur selten noch die Hosen an.

Was Angie sagt, das wird gemacht,

auch wenn so mancher drüber lacht.

Doch eines wüsst ich gern genauer,

wird nicht Herr Sauer langsam sauer?

 

Kollektiv weint die Nation,

Gottschalk machte sich davon,

ZDF und Wetten dass…?

machten ihm wohl nicht mehr Spaß.

Thomas, lass dir von mir sagen,

konnt’ dich auch kaum noch ertragen,

nur durch manche gute Wetten,

war die Sendung noch zu retten.

Wem du immer noch erträglich

schaut nun ARD fast täglich,

doch ich glaub, das Quotenrennen

wirst du nicht gewinnen können.

 

Was Gottschalk kann, das kann ich auch,

das sagte sich auch Günter Jauch.

Statt Stern-TV bei RTL

Talkt er an Anne Willes Stell.

Nicht immer hat mich intressiert,

was dort an Meinung vorgeführt,

doch manchmal möcht ich schon erleben,

was so die Gäste von sich geben.

Und eines hoffe ich schon sehr,

es bleibe „Wer wird Millionär“.

 

Und im Mai der Song-Contest

war ein Riesenmedienfest.

Weil im Vorjahr Lena siegte,

sie erneut den Auftrag kriegte.

Dieses Mal es nicht gelang,

viel zu schwach war der Gesang.

Der Pokal ging nach Baku

Meine Meinung ist dazu:

Gott sei Dank hat’s nicht geklappt

hätten sonst noch mal berappt

mit schwerverdientem Steuergeld

diese „größte Schow der Welt“.

 

Wenn mal ein Prinz ein Mädchen freit,

und das zur besten Sendezeit,

dann sind auf den TV-Kanälen

die Rührungstränen nicht zu zählen.

Das „Ja“ spricht sich zwar in Sekunden,

doch übertragen wird für Stunden

bis endlich folgt zum guten Schluss

der heiß ersehnte Hochzeitskuss.

Auch wenn er nur kurz hingehaucht,

das ist Romantik, die man braucht.

 


Montag, 13. Februar 2012

Welch ein Scheißtag

Von mirabelle48, 13:11

Es war einfach überfällig. Eigentlich hätte dieses Ereignis schon vor 2 Jahren wieder mal sein sollen, aber es ist eben so, dass ich auch zu den kleinen Feiglingen gehöre, was ich nicht weiß, das beunruhigt mich nicht sonderlich.

Es war wirklich überfällig.

Natürlich weiß ich, dass man bei einer chronischen entzündlichen Veränderung der Darmschleimhaut alle 12  Monate eine Spiegelung machen sollte. Schon berufsbedingt weiß ich das. Ich weiß aber auch aus Erfahrung, wie unangenehm die Vorbereitung auf so ein Ereignis ist.

Ich zögerte also den  längst fälligen Zeitpunkt immer weiter hinaus, aber nun war es unumstößlich, der Termin stand fest und das Unglück nahm seinen Lauf.

Der Tag vor der Untersuchung beginnt mit dem Gedanken daran, dass dieses Frühstück nun die letzte feste Nahrung ist, die man bis zur Befriedigung des neugierig in das Verdauungsorgan schauenden Halbgottes in weiß zu sich nehmen darf.

Gegen Mittag nur noch ein Süppchen, wie soll ein erwachsener Mensch davon nur satt werden?

Merkwürdig, ich bin doch eigentlich sehr vernünftig, warum schleiche ich eigentlich ständig um den Kühlschrank herum, wie eine Katze um den heißen Brei?

Hab ich im Tiefkühlfach nicht noch die erst kürzlich besorgten Schnitzel? Daraus könnte ich mir ein leckeres Jägerschnitzel machen, Pommes frites zum Aufbacken sind auch noch da, herrje ich werde bis morgen Mittag bestimmt verhungert sein. Niemand wird es wirklich bemerken, wenn mein ausgemergelter lebloser Körper vor dem Kühlschrank meiner Küche liegt. Keiner wird sich wundern, wenn ich nicht ans Telefon gehe, habe ich doch allen Verwandten und Freunden mitgeteilt, dass ich mich auf meine Untersuchung vorbereite und mir dann bestimmt nicht der Sinn auf Telefonate ist.

Also trinke ich todesmutig mit Verachtung den Abführtrunk. Es ist ein anderer las der, den ich sonst bekam. Schmeckt auch nicht ganz so eklig, klar auch die Pharmazie hat sich in den letzten Jahren wohl weiter entwickelt.

Herrlich, war ja gar nicht so schlimm. Ich schütte weisungsgemäß literweise Wasser und Tee in mich hinein, renne alle naslang aufs Klo, ok, die Nieren sind offensichtlich in Ordnung.

Aber wann wirkt denn endlich das Zeugs, das mein Verdauungsorgan reinigen soll? Die Wirkung ist nicht wirklich ein durchschlagender Erfolg.

Es wird Zeit, schlafen zu gehen, schließlich muss ich morgen früh um 5.00 Uhr die nächste Ladung trinken. Leider hatte das Zeugs bis jetzt nur eine stark eingeschränkte Wirkung.

Dann werd ich wohl heute Nacht ständig rennen müssen?

Nichts da, ich schlafe bis 4.30 Uhr wie ein Murmeltier, dann werde ich, vermutlich durch das laute Knurren meines Magens wach. Also rühre ich den nächsten Drink an und trinke. Wenigstens lässt das Hungergefühl für einen kurzen Augenblick nach. Ich schütte also wieder 2 l  Wasser in mich hinein und kann tatsächlich endlich einiges loswerden, allerdings noch weit entfernt von der geforderten Farbe.

Um 9.40 ist mein Termin. „Welche Farbe hat ihr Stuhl?“ fragt die freundliche junge Arzthelferin und sie meint bestimmt nicht meine Küchenstühle, dann hätte ich „blau“ antworten müssen. Also nenne ich ihr die andere Farbe, die mit „B“ anfängt, nämlich braun.

„Hm,“ sagt sie, „dann muss ich mal Herrn Doktor U. fragen, was wir da machen können“.

Die werden doch wohl nicht die ganze Aktion jetzt stoppen? Alles für die Katz? Völlig umsonst gehungert?

Ich bekomme einen neuen Drink, diesmal 1 Liter einer äußerst übel schmeckenden Flüssigkeit, die mir fast den Magen umdreht. Dafür bekomme ich zur Belohnung anschließend wieder 2 Liter Wasser. Ein Blick zur Uhr: Es ist mittlerweile 11.30 Uhr, das, was mein Ausscheidungsorgan so hergibt ist immer noch weit entfernt von klar und blassgelb bis weiß. Dafür werden die Frequenzen immer häufiger.

„Wenn Sie noch einen Liter trinken, dann geht’s schneller“, sagt die nette Assistentin des Halbgottes in weiß. Noch mehr trinken? Himmel, Gesäß und Nähgarn, ich hab Hunger, ich komme mir schon langsam vor wie ein gefüllter Swimmingpool. Und ich werde auch gleich wieder flitzen müssen.Der Weg von dieser Kabine, in der ich schlucke wie ein Wüstenwanderer kurz vor dem Verdursten, bis zur Toilette ist weit.

„Hier bitte, nehmen Sie eine große Inkontinenzeinlage, damit Ihnen auf dem Weg zur Toilette kein Malheur passiert,“ sagt sie mitfühlend und will mir beim Anlegen derselben helfen.

Und just in diesem Moment tut alles, was ich bis dahin in mich reinschütten musste, seine plötzliche und von mir nicht zu beeinflussende Wirkung. Um Punkt 12.00 Uhr erfolgt der Super-GAU, die Kabine steht von jetzt auf gleich unter….nein nicht unter Wasser, sondern na ja, man kann es sich ja denken, bräunlich gesprenkelt. Ach ja, ich vergaß, nicht nur die Kabine, auch meine Schuhe, Socken und meine Beine. „Scheiße“, entfährt es mir.

Im Vorraum der Toilette kann ich mich notdürftig  reinigen und ich beschließe, mich keinen Millimeter mehr vom Klo weg zu bewegen, bis das, was oben reinkam, unten klar wieder rauskommt.

Um 13.00 Uhr ist es dann endlich soweit. Die eigentliche Untersuchung kann beginnen. Nach 10 Minuten ist alles vorbei.

Befund bleibt noch abzuwarten, aber gab es da nicht zu meiner aktiven Zeit als Krankenschwester den Spruch: „Wer in der Scheiße wühlt, hat Glück“??

Manchmal glaube ich an solche Sprichwörter. Vor allen Dingen an einem solchen Scheißtag.

 

Foto: Jens Goetzke / Pixelio.de

Freitag, 10. Februar 2012

Hilfsangebote

Von mirabelle48, 11:19

Manche Menschen (vorwiegend die Herren der Schöpfung) behaupten ja, Frauen betrachten sich bei trauter Zweisamkeit im Schlafzimmer angelegentlich die Decken und Wände und stellen dann fest, dass sie dringend eines neuen Anstrichs bedürfen. Ich tu das gelegentlich auch, allerdings wegen des Fehlens eines männlichen Pendants nicht in trauter Zweisamkeit, sondern ohne jedes schlechte Gewissen allein.

Ich stellte also fest: Meine Wohnung braucht dringend neue Farbe. Ideal wäre ja eine professionell durchgeführte Renovierung, doch das Wissen um meinen Kontostand fegt diese Überlegung sofort wieder vom Tisch, ich meine natürlich von der Bettdecke.
Aber wozu hat man unter vielen Entbehrungen dafür gesorgt, dass der kleine Hosenmatz ein kräftiger erwachsener Mann wird, der handwerklich auch eigentlich ganz begabt ist?
Und der zudem immer und für alles seine Hilfe angeboten hat?
Also rufe ich meinen Sohn an und bitte ihn, die Streicharbeiten zu übernehmen.
„Na klar, kein Problem, kannst ja schon mal alles besorgen, sobald ich Zeit habe, streiche ich dir die Wohnung. Könnten wir eigentlich Samstag machen“

Wenn ich mir etwas vornehme, wird nicht lange gefackelt. Ich begebe mich in den Baumarkt, und packe alles, was man so zum Malern braucht in den Wagen. Und natürlich lieber ein bisschen mehr, als zu wenig. Also alles ist bereit.
Am Donnerstag erkundige ich mich vorsichtig, wie es denn so um das Zeitkontingent des Herrn Sohnes bestellt ist, wann er denn am Samstag anfangen will, und ich habe vorsichtshalber schon mal die Schränke ausgeräumt, damit wir dann zügig arbeiten können. Frau überlegt ja, was zu tun ist.

 „ Oh, das tut mir leid, kommendes Wochenende, geht ja gar nicht, ich wollte dich auch gerade anrufen“, und es folgt eine lange Erläuterung, warum nicht, und dass er ja ganz vergessen hatte, dass…
„Aber nächste Woche Freitag könnte ich anfangen, ich habe da nämlich frei.“

Gut, denke ich, ist ja nicht so schlimm, dann werde ich eben eine Woche aus gepackten Kisten leben, es gibt größere Katastrophen auf der Welt. Am Donnerstag kommt der Anruf: „Mum, es geht doch morgen nicht, ich muss jetzt doch arbeiten und wenn wir es nächste Woche machen, dann hätte ich auch noch einen Freund zum Helfen, und dann ginge es viel schneller, bitte sei nicht böse.“
Böse? Nein, ich bin doch nicht böse. Ich bin entzückt. Ich finde es geradezu verlockend eine weitere Woche über Kisten zu stolpern und im Chaos zu leben. Es erheitert mich geradezu.
Und weil ich gerade so gut gelaunt bin, fange ich einfach mal an. Und siehe da, es klappt.

Am Sonntagabend bin ich mit Schlaf- und Wohnzimmer fertig. Auch mit mir, aber ich habe neue Farbe an den Decken und den Wänden und selbst die Schränke sind wieder eingeräumt.

Am Montag Nachmittag ruft mein Sohn an, man ahnt es schon...:-)


Bild: Rainer Sturm / Pixelio.de