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Gedankenreise

Wenn Gedanken auf die Reise gehen, entsteht manches Gereimte und auch Ungereimte.



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Montag, 07. Mai 2012

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Von mirabelle48, 13:37

Ein Mensch, sechs Tage vor der Wahl

durchlebt manche Gewissensqual.

Der Mensch, in diesem Falle Frau,

bedenkt mal alles ganz genau.

 

Die Roten wählt sie besser nicht,

rot steht ihr gar nicht zu Gesicht.

Womöglich also gelb und blau,

weil diese Farben stehn der Frau?

 

Nein, lieber nicht, denkt sie methodisch,

gelb-blau ist längst schon nicht mehr modisch.

Und grün ist auch nicht so der Hit,

da wählt sie ja das Rot gleich mit.

 

Obwohl sie schwarz sonst gar nicht mag,

macht sie ihr Kreuz am Muttertag

zur Ehr der „Muddi“ in Berlin,

dann dennoch bei den Schwarzen hin.

 

Ihr glaubt nicht, dass die Frau so wählt?

Zu Recht, hier wurde Stuss erzählt.

Obwohl… so manches Wahlergebnis

ist schon ein „farbiges“ Erlebnis 

Donnerstag, 12. April 2012

Frisch aus der "Presse"

Von mirabelle48, 18:43
Heute vormittag erblickte mein neuestes Buch das Licht der (epubli)Welt.
Es enthält so ziemlich alles, was in den letzten eineinhalb Jahren meinen Gedanken entsprungen ist, allerdings ausschließlich Gereimtes.
Wer schauen möchte kann es hier tun:

www.epubli.de/shop/buch/Hab-meinen-Reim-gemacht-Sibylle-Engel-9783844221374/14778

Sonntag, 19. Februar 2012

Eene meene miste...

Von mirabelle48, 13:58


Eene meene meck,

Herr Wulff, der ist jetzt weg.

Drum sucht man auf die Schnelle

was Neues für die Stelle.

 

Eene meene muh,

was sagt das Volk dazu?

Das bleibe lieber stumm,

ist doch eh viel zu dumm.

 

Eene meene mick,

das nennt man Politik,

wenn sie sich nun beraten

zu einem Kandidaten.

 

Eene meene miste

wer soll nun auf die Piste?

Ich schlage vor für’s Publikum

Horst Schlämmer und die Uschi Blum.

 


Bild: Sibylle E.

Donnerstag, 16. Februar 2012

Weiberfastnachtsgedanken

Von mirabelle48, 18:37


Gereimte Büttenreden haben im Karneval Tradition.

Also hab ich es auch mal probiert und punktuell etwas auf’s Korn genommen.

Allen Jecken ein fröhliches Helau und Alaaf und wunderschöne "Tolle Tage",  allen Nichtjecken eine gute Fluchtmöglichkeit 

 

 

Wer gerne nimmt, der muss auch geben,

so ist das nun einmal im Leben.

Doch einer, der das wohl nicht kennt,

ist heute Bundespräsident.

Er nahm Kredite oder Reisen,

sehr gerne an zu „Freundschafts“preisen,

und selbstverständlich gab er nie,

mal irgendwas zurück an sie.

„Das Ganze war doch stets legal“,

sagt er das ein ums andre Mal.

Doch ein Geschmäckle  bleibt  dabei,

behaupte ich mal frank und frei.

 

Als uns ward beschert der Euro,

ahnten wir schon, das wird teuro.

Dachten wir einst in Millionen

sind es heute schon Billionen.

Dass ein Ende ist in Sicht,

glaubt doch selbst der Dümmste nicht.

Auf Staatspleiten spekulieren

kann doch nur ins Chaos führen,

und so kommen dann ins Wanken

durch die Gier auch große Banken.

Wenn ich mir das so beseh,

kommt mir folgende Idee:

Jagt sie fort, die Bänkernullen,

statt das Volk stets einzulullen.

 

Sind einst die beiden Veronesen

das größte Liebespaar gewesen,

so sind es seit vergangnem Jahr

Herr Sarkosy und Angela.

Doch bei den beiden hat der Mann

nur selten noch die Hosen an.

Was Angie sagt, das wird gemacht,

auch wenn so mancher drüber lacht.

Doch eines wüsst ich gern genauer,

wird nicht Herr Sauer langsam sauer?

 

Kollektiv weint die Nation,

Gottschalk machte sich davon,

ZDF und Wetten dass…?

machten ihm wohl nicht mehr Spaß.

Thomas, lass dir von mir sagen,

konnt’ dich auch kaum noch ertragen,

nur durch manche gute Wetten,

war die Sendung noch zu retten.

Wem du immer noch erträglich

schaut nun ARD fast täglich,

doch ich glaub, das Quotenrennen

wirst du nicht gewinnen können.

 

Was Gottschalk kann, das kann ich auch,

das sagte sich auch Günter Jauch.

Statt Stern-TV bei RTL

Talkt er an Anne Willes Stell.

Nicht immer hat mich intressiert,

was dort an Meinung vorgeführt,

doch manchmal möcht ich schon erleben,

was so die Gäste von sich geben.

Und eines hoffe ich schon sehr,

es bleibe „Wer wird Millionär“.

 

Und im Mai der Song-Contest

war ein Riesenmedienfest.

Weil im Vorjahr Lena siegte,

sie erneut den Auftrag kriegte.

Dieses Mal es nicht gelang,

viel zu schwach war der Gesang.

Der Pokal ging nach Baku

Meine Meinung ist dazu:

Gott sei Dank hat’s nicht geklappt

hätten sonst noch mal berappt

mit schwerverdientem Steuergeld

diese „größte Schow der Welt“.

 

Wenn mal ein Prinz ein Mädchen freit,

und das zur besten Sendezeit,

dann sind auf den TV-Kanälen

die Rührungstränen nicht zu zählen.

Das „Ja“ spricht sich zwar in Sekunden,

doch übertragen wird für Stunden

bis endlich folgt zum guten Schluss

der heiß ersehnte Hochzeitskuss.

Auch wenn er nur kurz hingehaucht,

das ist Romantik, die man braucht.

 


Samstag, 04. Februar 2012

Wiedersehen macht Freude

Von mirabelle48, 16:36

Wie lange war es her, dass Friederike ihn das letzte Mal gesehen hatte?

Sie überlegte, zehn Jahre ungefähr musste es jetzt her sein, dass er das letzte Mal vor ihr stand. Keine guten Erinnerungen hatte sie an ihn. Sie war damals ein zehnjähriges Mädchen mit Zöpfen und voller Angst vor seinen bissigen Worten sowie den schmerzhaften Schlägen mit dem Lineal in die Handflächen.


Er der allmächtige Klassenlehrer, Herr S., der Friederike und den anderen Kindern  furchtbare Angst einflößte, auch den Jungs, denn sie bekamen seine Strafen mit dem Rohrstock in den Kniekehlen zu spüren.


Friederike war in der vierten Klasse der Volksschule und seit er von ihren Eltern wusste, dass sie im neuen Schuljahr die Realschule besuchen würde, war sie erst recht „unten durch“.
Gemocht hatte er Kinder, deren Eltern in der Papageiensiedlung wohnten, noch nie. Es war ein Viertel der Stadt, das Mitte der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts erbaut und  vorwiegend von den vielen Flüchtlingen und Aussiedlern bewohnt wurde. Den Namen hatte es bekommen, weil die Häuser in bunten Pastellfarben gestrichen waren.  


Außer Friederike wohnten auch noch Gudrun, Elsbeth und Rudolf dort  und wann immer es ungeklärte Kinderstreiche in der Schule gab, etwas zu Bruch ging oder gar etwas fehlte, dann konnte es nach seiner Meinung nur einer von ihnen sein, denn denen war schließlich alles zu zutrauen.
Und er ließ auch keinen Zweifel daran, dass er es unerträglich fand, wenn Mädchen zu einer weiter führenden Schule wechselten, die sollten gefälligst die Volksschule beenden und später heiraten und Kinder kriegen.
Alles andere war verschwendete Energie, basta.


Und von diesen Kindern aus der Papageiensiedlung hatte nun ausgerechnet Friederike die Aufnahmeprüfung für die Realschule bestanden.
Und das, obwohl sie doch nicht rechnen konnte und es seiner Meinung nach auch niemals lernen würde. Mädchen im Allgemeinen und Friederike im Besonderen  waren eben viel zu blöd. Zugegeben, Mathe war nie ihr  Lieblingsfach gewesen, aber sie fühlte sich überhaupt nicht blöd.
Dann kam der letzte Tag in seiner Klasse, die Zeugnisse wurden ausgegeben. In Mathe hatte sie erwartungsgemäß ein ausreichend bekommen.
Hämisch grinsend mit den Worten: „Es ist dir doch klar, dass die 4 sehr wohlwollend war, eigentlich hättest du eine 5 verdient, aber ich weiß ja, wer so dumm ist wie du, wird reumütig an diese Schule zurückkehren“ gab er Friederike das Zeugnisheft.
Und sie, die sich immer geduckt hatte, nahm all ihren Mut zusammen und wagte trotz der aufsteigenden Tränen zu antworten:
„Nein, an diese Schule niemals, und wenn ich Tag und Nacht lernen muss“.
Verblüfft blieb er stumm, und dieses verblüffte Gesicht, das hatte sie in Erinnerung behalten.


Und jetzt stand er also plötzlich vor ihr, hier im Finanzamt ihrer Stadt, wo sie seit einiger Zeit als Verwaltungsangestellte arbeitete. Und wie der Zufall es wollte, gehörte er zu ihrem Bereich. Sie erkannte ihn sofort.
Viele Steuerpflichtige bezahlten damals noch direkt an der Finanzkasse, so auch er, ihre Vermögenssteuer. Friederike  empfand es als äußerst komisch, dass ausgerechnet sie, die doch so blöd war und nicht rechnen konnte, ihm jetzt den Kassenbeleg ausfüllen musste, mit dem er dann am Kassenschalter zahlen konnte.
Er hatte sie nicht erkannt, sie sagte daher sehr freundlich lächelnd: “Wenn Sie bitte genau prüfen wollen Herr S., kann ja sein, dass ich nicht nur zu blöd zum Rechnen bin, sondern auch  zu dumm, die richtigen Zahlen abzuschreiben.“

Er stutzte, und sein verblüfftes Gesicht, als es ihm dämmerte, war fast identisch mit dem von vor zehn Jahren.

Bild: Gerhard Altmann / pixelio.de

Dienstag, 10. Januar 2012

Woher ? Wohin?

Von mirabelle48, 08:48

Kalt ist es. In den letzten Tagen hat es geschneit. Wie ein schwarzes Band schlängelt sich der schmale frei geschaufelte Gehweg durch das Weiß. Ein Band, so schmal, dass kaum zwei Menschen nebeneinander darauf Platz haben.

Der Blick der alten Frau ist auf das Band gerichtet, irgendwann muss es doch zu Ende sein, denkt sie, und dann bin ich zu Hause, in meiner Wohnung, dort ist es warm und gemütlich.

Menschen kommen ihr entgegen, schlängeln sich an ihr vorbei.

Die alte Frau wird müde, wie lange mag sie schon gelaufen sein? Sie weiß es nicht. Sie möchte sich setzen, nur ein wenig verschnaufen, ehe sie ihren Weg fortsetzt.

Sie erreicht einen kleinen Platz. Dort steht eine Bank. Sie setzt sich. Zitternd vor Kälte steckt sie die Hände in die Taschen ihrer Strickjacke.

„Ich hätte doch den warmen Wintermantel anziehen sollen“, denkt sie, „und auch wenn ich mal eben nur vor die Haustür gehen will, sollte ich das nicht in Hausschuhen tun“.

Die Kälte kriecht an ihr empor.

„Es wird Zeit, dass ich nach Hause komme, ich muss weiter“ überlegt sie. „Aber in welche Richtung muss ich nun gehen? Aus welcher Richtung bin ich hierher gekommen?“ Es fällt ihr nicht ein, nur, dass sie weiter muss.

„Kann ich Ihnen helfen?“ spricht sie ein Mann an. Jung ist er, viel jünger als sie. Und eine Uniform trägt er. Obwohl er freundlich lächelt, hat sie Angst. So schüttelt sie abwehrend den Kopf.

„Sie sind ja völlig durchgefroren, kommen Sie, ich bringe Sie erstmal ins Warme.“ Und es gelingt ihm, sie zu überzeugen, ihn zu begleiten. In der Nähe steht ein Auto, aus dem jetzt eine junge Frau aussteigt, die ebenfalls Uniform trägt.

Nett sieht sie aus, denkt die alte Frau, und sie lächelt mir zu. Ich werde einsteigen.

„Wenn Sie uns sagen, wie sie heißen und wo Sie wohnen, bringen wir Sie nach Hause“, sagt die freundliche junge Frau.

Die alte Frau will antworten, doch sie weiß nur ihren Namen.

„Wo ich wohne? Dort, wo ich schon seit über 60 Jahren wohne. Wie die Straße heißt? Das habe ich vergessen…“

 

 

Foto: Geralt/Pixelio.de

Dienstag, 20. Dezember 2011

Es gibt sie

Von mirabelle48, 11:43



Es gibt sie

Menschen, die die Vorweihnachtszeit besinnlich und voll Vorfreude auf Weihnachten begehen.

 

Es gibt sie

Menschen, die von Herzen schenken,  die das ohne „Stress“ sondern mit Freude tun.

  

Es gibt sie,

Menschen, die das Kostbarste verschenken, das jeder von uns hat: Zeit.

 

Es gibt sie

Menschen, die sich von Zynikern und Spöttern nicht beeinflussen lassen.

 

Es gibt sie

Menschen, die Traditionen bewahren und weiter geben, auch wenn man sie dafür belächelt.

 

Es gibt sie 

Menschen, die nicht laut beklagen, wie schlecht die Welt ist, sondern ihren eigenen Garten bestellen.

Dir sind sie noch nicht begegnet? Dann gehörst du vielleicht noch nicht oder nicht mehr dazu.

Doch es gibt sie, sie sind die schweigende Mehrheit und das lässt mich hoffen.



Bild: B.S.

Dienstag, 06. Dezember 2011

Einladung

Von mirabelle48, 13:42


Weihnachtszeit

nicht mehr weit.

Oft auch Zeit der Einsamkeit

 

Lad dich ein,

du sagst nein,

willst lieber alleine sein.

 

Denkst vorerst,

dass du störst,

weil du nicht dazu gehörst.

 

Hör mir zu

grade du,

du gehörst schon lang dazu.

 

Öffne dir

weit die Tür

hab dich auch am Fest gern hier.

 

Ankunft Christ

und du bist

hier, auch wenn ein Tränchen fließt.


Für B.S.

Bild: eigenes

Samstag, 03. Dezember 2011

Barbarazweige

Von mirabelle48, 08:20

                                                                      

Martin kaut auf seinem Bleistift und überlegt, was er dem Weihnachtsmann nun schreiben soll. Bisher steht auf dem großen Blatt nur mit ungelenker Schrift eines Erstklässlers:

LIBER WEINACHTSMAN !

Sonntag war der 1. Advent gewesen und als sie die erste Kerze auf dem Adventkranz anzündete, hatte Mama gesagt, dass er  in diesem Jahr seinen Wunschzettel doch schon selbst schreiben kann, er hat doch Wünsche zu Weihnachten, oder?

Klar hat er die, ganz viele sogar, eine Carrarabahn wünscht er sich, einen neuen Lederfußball, eine Torwartausrüstung, schließlich spielt er seit dem Sommer im Verein.

Und ein neues Fahrrad, weil doch das, was er zum Geburtstag von Papa bekommen hat, geklaut worden ist.

Das letzte Geschenk, das Papa ihm gemacht hat, zu seinem 7. Geburtstag im August. Als Papa noch da war. Papa, der heute, am 4. Dezember  Geburtstag hat. Martin hat ihm ein Bild gemalt, mit bunten Blumen und einer Sonne drauf und ganz groß ein paar Zweige mit gelben Blüten.

Mama hatte solche Zweige heute morgen wie immer  im Garten geschnitten und in die Vase gestellt. „Das sind Barbarazweige“, hatte sie ihm erklärt, „auch wenn sie jetzt ganz kahl aussehen, zu Weihnachten werden sie voller gelber Blüten sein. Und sie heißen Barbarazweige, weil sie am 4. Dezember, dem Tag der heiligen Barbara geschnitten werden." Und er hatte sein selbst gemaltes Bild vor die Vase gestellt.

Nach der Schule war er mit Mama auf den Friedhof gegangen und hatte Papa seine Zeichnung gebracht. Und er hat ihm erzählt, dass Mama Barbarazweige geschnitten und in die Vase gestellt hat. Danach hatte Mama gesagt, er solle doch nun endlich seinen Wunschzettel schreiben.

Am liebsten würde er dem Weihnachtsmann ja jetzt schreiben, dass er sich Papa zurück wünscht, aber Mama hat gesagt, dass er Wünsche aufschreiben soll, die der Weihnachtsmann auch erfüllen kann.

 Und so schreibt er:

LIBER WEiNACHTSMAN !

ICH  WÜNSCHE  MIR  EINEN  TORWARDANZUG  UND  EINEN  FUSBALL:  UND  ICH  MÖCHTE  AUCH  EINE  CARRERABAN. UND  BITTE  BRING  MIR  AUCH  EIN  FARAD  SO EINS WIE ICH FON  PAPA  HATTE. UND  GRÜSE  PAPA GANS  LIB FON  MIR.

DEIN  MARTIN

 

Foto: Wikipedia

Dienstag, 29. November 2011

Beispiel: Adventkalender

Von mirabelle48, 10:32


Alle Jahre wieder, Lebkuchen und Zimtsterne schon lange vor der Adventzeit in den Supermärkten, Festbeleuchtung in den Straßen, weihnachtlicher Kitsch in den Schaufenstern, trotz Wirtschaftskrise überfüllte Fußgängerzonen in den Städten.

Und ebenso alle Jahre wieder der Ruf nach „Entkommerzialisierung“, der Entschluss, dass dieses Jahr alles anders wird als in den vergangenen Jahren, wir sind doch alle so vernünftig, wir brauchen das nicht, ist doch nur was für die Kinder, die noch an den Weihnachtsmann oder das Christkind glauben.

Was brauchen wir einen Adventkranz oder einen Adventkalender, eine Kerze tut es doch auch, und eine Schale mit Knabberzeug auf dem Tisch reicht. Ist doch alles nur Geschäftemacherei, muss man doch nicht haben.

Und dabei bin ich schon beim Thema. Man mag mich für erzkonservativ und ewig gestrig halten. Ich sehe das alles etwas anders. Wir beklagen vehement den Verfall von Werten, beklagen, dass „früher“ alles anders (besser?) war und sind auf dem besten Wege, eben diese selbst zu zerstören.

Wir in unserer Generation sind es doch, die Traditionen unserer Familien an die Kinder und Enkelkinder weiter geben können. Beispiel: Der Adventkalender. Klar sehen meine Enkelkinder auch im Supermarkt die mit Schokolade oder Überraschungseier gefüllten großen Pappdinger.  ( Gestern sah ich im Supermarkt direkt neben der Kasse soger einen Adventskalender "für Erwachsene". Statt weihnachtlicher Motive auf dem Bild ein Foto eines nur mit einer Badehosr bekleideten jungen Mannes. Was sich hinter den 24 Türen verbarg, entzieht sich meiner Kenntnis, ich bin auch nicht neugierig. )

.Aber sie finden es viel schöner, den von mir mit ihnen vor 2 Jahren gemeinsam gebastelten jetzt zu überprüfen, aus zu bessern und ihn für dieses Jahr wieder tauglich zu machen. Mit Eifer haben sie damals Toilettenpapierrollen gesammelt, sie dann beklebt, mit viel Freude mit der Schablone den Weihnachtsmann gemalt und ausgeschnitten und mit mit gemeinsam dann die einzelnen Rollen auf eine Schnur gezogen. Wie groß war erst die Überraschung, als sie dann in jeder ehemaligen Klopapierrolle vom 1. Dezember an dann jeden Tag eine kleine Süßigkeit vorfanden. Und auch jetzt haben wir zusammen überprüft, ob der Adventskalender das vergangene Jahr heil überstanden hat. Und genau so freudig habe sie wieder mitgeholfen, ihn wieder "tauglich" zu machen.

Sie sind mit Feuereifer dabei, wenn in der Adventzeit gebacken wird, rollen Teig aus, stechen mit unterschiedlichen Förmchen die Plätzchen aus und sind dabei stolz. Was macht es schon, wenn hinterher die Küche aussieht, als hätten die Vandalen dort gehaust?

Sie machen sich Gedanken über die Geschenke, die sie malen oder basteln und freuen sich das selbst gemalte Bild vom Vorjahr gerahmt immer noch in meiner Diele zu finden.

Mir geht es hier dabei weniger um den christlichen Aspekt (der Weihnachtsmann ist beileibe kein christliches Symbol, ebenso wenig wie bunt geschmückte Christbäume), sondern um die Fixpunkte im Jahr, ebenso wie Geburtstag, Ostern, Karneval, Martinssingen oder eben Weihnachten. Anlässe, Bräuche zu pflegen, Gemeinsamkeiten zu entdecken und somit auch ein Stück Wärme und Geborgenheit zu vermitteln. Auch das ist ein Stück stark machen fürs Leben, Kommerz richtig ein zu ordnen, sich dagegen zu wehren.

Nicht darüber jammern, wie schlecht die Welt ist, beklagen, dass  alles um uns herum seinen Stellenwert verliert,  darüber schimpfen, dass die Jugend oberflächlich und kalt ist, nicht sich sich über Weihnachten lustig machen mit schrillen Weihnachtsmännern und  Weihnachtsfrauen in sexy Kostümchen, sondern selbst etwas tun.  Mit den Kinder gemeinsam.

Zusammen etwas tun, bedeutet auch gleichzeitig, miteinander zu reden, zu erfahren, wie sie denken und ihnen das Gefühl zu geben, dass wir Erwachsenen uns für sie und ihre Sorgen interessieren. 

Und dann zieht vielleicht auch in  uns selbst der ursprüngliche Sinn des Weihnachtsfestes wieder ein, ich gebe die Hoffnung nicht auf.

Bild: eigenes

Mittwoch, 23. November 2011

Als der Mond vom Himmel fiel

Von mirabelle48, 11:37


Klamme Kälte kriecht in seinen Körper. Der alte Mann weiß nicht, wie lange er schon gegangen ist, durch diese Vollmondnacht, bis er am Ufer des  Sees angekommen ist. Müde und erschöpft setzt er sich auf eine Bank und schaut auf das Wasser, in dem sich der Mond spiegelt. Woher er gekommen ist und wohin er wollte, das hat er vergessen.

„Der Mond fällt in den See“, denkt er und plötzlich spürt er auch keine Müdigkeit und Kälte mehr.

„Ich muss ihn auffangen,  ich muss den Mond retten, er darf nicht ertrinken.“

Schritt für Schritt geht er auf ihn zu. Dass seine Füße nass werden, stört ihn nicht, was sind schon nasse Füße, wenn man den Mond auffangen muss, bevor er im See ertrinkt?

Schwerer wird es, anstrengender mit jedem Schritt. Das Wasser reicht ihm jetzt schon bis zu den Knien, doch er kann nicht umkehren. Wohin auch, er hat es vergessen. Er muss weiter, immer weiter, er muss den Mond vor dem Ertrinken retten. Als ihn die Kräfte verlassen, lächelt er und ist glücklich…

 

Als sie ihn am nächsten Morgen fanden, sprachen sie von einem Suizid. Dabei hatte er doch nur den Mond auffangen wollen, bevor er im See ertrank.

 

Foto: Viktor Mildenberger / Pixelio.de

Freitag, 04. November 2011

Verdacht

Von mirabelle48, 16:44

Schnell ist ein Verdacht

öffentlich gemacht.

Wer ihn aufgebracht

noch darüber lacht,

dass es nun wohl kracht,

er genießt die Schlacht.

Doch er habe Acht,

denn oft über Nacht

schneller als gedacht

kriegt er selbst die Tracht.

 

Mittwoch, 02. November 2011

Keine besonderen Vorkommnisse ...

Von mirabelle48, 10:06
 
...so schreibe ich es in den Übergabebericht des Nachtdienstes an den Tagdienst.

Soll heißen: Es war eine ruhige Nacht, kein Fieber, kein Erbrechen, kein Durchfall, kein Sturz mit üblen Folgen, kein Notfall, „ruhig“ eben für eine Nacht in einer Einrichtung für Demenzkranke. Nachts schlafen doch alle, oder doch nicht?.

20.45
Dienstbeginn, Übergabe, vorwurfsvoll: „Viele Grüße vom Frühdienst, Herr X. war morgens total nass, Frau Y. total eingekotet.”
Wut im Bauch, man kann schließlich morgens um 6.00 nicht überall gleichzeitig sein.

21.00
Spätdienst geht in den wohlverdienten Feierabend.
Ich flitze durch die Zimmer, alle da? Liegt keiner auf dem Boden?
Die ersten Stecklaken werden gewechselt, Nachthemden ausgetauscht, weil Frau P. sich die Vorlage ausgezogen und Herr S die Toilette nicht gefunden hat.

21.45
Nachtmedikation verteilen, Getränke reichen, Herrn W. davon überzeugen, dass es nicht in Ordnung ist, bei -3° barfuß in den Garten zu gehen, dabei ein Auge auf Frau K. werfen, die versucht, Frau T. aus dem Sessel zu helfen, obwohl sie selbst kaum sicher auf den Beinen ist.

22.30
Frau K. zeigt erste Ermüdungserscheinungen, man nutzt das aus und bringt sie ins Bett in der Hoffnung, dass sie schlafen wird.
Anschließend 1. Versorgungsrundgang. Wieder ein Bett nass, Herr B. hat die Vorlage in 1000 Teile zerrissen und im Zimmer verteilt, schön gleichmäßig.
Ergebnis: Vorlage trocken, Bett nass.

00.15
Rundgang beendet, Kaffee aufsetzen, Dokumentation beginnen. Plötzlich ein Schrei, dann Stille.
Woher kam der Schrei? Da- schon wieder. Ich erkenne die Stimme von Frau A. und versuche, sie zu beruhigen. Das gelingt nur mühsam, sie glaubt ich bin die verhasste Schwiegertochter und will sie vergiften, als ich versuche, ihr etwas Tee zu reichen. Doch dann lässt sie sich in den Arm nehmen und ihre Anspannung lässt nach.
Als ich das Zimmer verlassen will, drehe ich mich um und erschrecke fast zu Tode:
Herr D. ist auf leisen Sohlen in die geöffnete Tür getreten und steht plötzlich vor mir, weil er meint, dieses hier sei die Toilette. Ich bringe ihn dorthin und danach wieder zu Bett.
Jetzt weiter dokumentieren.

01.45
Noch mal nach allen sehen, lagern, trinken lassen, bei Toilettengängen begleiten…
Das Telefon klingelt, eine Kollegin braucht Hilfe.
Auf dem Rückweg kommt mir Frau K. entgegen, in Hut und Mantel, sie will zur Straßenbahn, um ihre Tochter zu besuchen. Sie hat es sehr eilig, und so renne ich neben ihr her und erkläre ihr, dass sie diese Straßenbahn nicht mehr kriegt, sie soll die nächste nehmen. Gott sei Dank lässt sie sich für die Wartezeit zu einer Tasse Tee in den Wohnbereich einladen. Hut und Mantel bleiben natürlich an. Nachdem sie den Tee ausgetrunken hat, ist sie bereit
wieder ins Bett zu gehen, allerdings nur, wenn sie den Mantel und den Hut anbehalten kann. Sie will ja nur ein kleines Nickerchen machen.
Egal, Hauptsache, sie bleibt hier.

02.30
Lautes Schimpfen aus dem Zimmer von Herrn O.. Frau L. hat den ersten Schlaf aus und ist in das Zimmer von Herrn O. gegangen. Sie möchte sich jetzt mit ihm unterhalten und hat ihn geweckt. Er quittiert das mit einem lautstarken Fluch, so dass ich befürchte, dass er den ganzen Wohnbereich aufweckt. Mit der Aussicht auf ein Stück Schokolade lässt sich Frau L. aus seinem Zimmer locken. Pühh, Glück gehabt, sie kann manchmal sehr hartnäckig sein. Und Herr O. hat sich auch wieder beruhigt.

04.00
Erneuter Rundgang. Welch ein Glück: Nur 4 Laken, 1 Nachthemd und 2 Bettbezüge waren nass. Und die Vorlage von Herrn B. ist diesmal nur in 500 Teile zerrissen, Ergebnis wie gehabt: Vorlage trocken, Bett nass.

05.10
Herr U. hat seinen Schlaf aus und läuft barfuß über den Flur. Also Hausschuhe und Morgenmantel an.
Aus dem nächsten Zimmer kommend, stelle ich fest, er hat sich der Schuhe wieder entledigt.
Rundgang fertig, Kaffee für die Frühaufsteher aufsetzen, Hausschuhe von Herrn U. suchen und wieder anziehen ( Erfolg für ca. 10 Min.), eigene Utensilien wegräumen.
Bis dahin sind weitere Bewohner aufgestanden und wandern ohne Pantoffeln im Nachthemd oder Schlafanzug über den Flur. Ich helfe bei Bademänteln und Hausschuhen und serviere ihnen gemeinsam im Aufenthaltsraum einen Kaffee.
Dokumentation wird erledigt.

06.15
Ich setze mich zu den Bewohnern, damit diese nicht mit der Kaffeetasse in der Hand und ohne Schuhe in den Fluren des Hauses oder in den Garten verschwinden.

06.30
Der Frühdienst kommt und fragt freundlich grinsend: Na, gut geschlafen?
Ja, sage ich, keine besonderen Vorkommnisse, alles ruhig..

Die Nacht ist rum. Es war eine ruhige Nacht:
Kein Fieber, kein Erbrechen, kein Durchfall, keine
Platzwunde, kein Notfall.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Lena backt

Von mirabelle48, 11:36


Lena ist eine selbstbewusste Frau in den Vierzigern, die, wenn sie nicht gerade wegen einer OP an Krücken laufen muss, mit beiden Beinen fest im Leben steht. Oh ja, das ist sie.

Sie meistert fast alles, sie „wuppt“ ihr Leben geradezu.

Eines jedoch kann sie nach eigenen Aussagen nicht: Kochen. Macht aber nichts, sie hat ja virtuelle Freunde, die ihr auf die Sprünge helfen können.

Die sich mittlerweile über keine, aber auch nicht eine einzige Katastrophenmeldung aus Lenas Küche wundern. So wie zum Beispiel vor einigen Wochen, als sie schrieb, sie wolle als Beilage Mais servieren.

Leider „ploppe“ es in ihrer Küche, ob sie wohl was falsch gemacht habe?

Der Verdacht, dass sie die rohen Maiskörner in einer Pfanne mit Fett „angebraten“ hatte, lag nahe und so entdeckte Lena, wie man selbst wunderbar Popcorn herstellen kann.

Und nun traten ihre Freunde auf den Plan. Sie eröffneten in ihrer Gruppe ein eigenes Thema: „Leichte Rezepte für Lena“. Und eifrig wurden dann Anfängerrezepte eingestellt.

Tja, und dann gibt es da ein Kuchenrezept für einen kleinen Kuchen, den man in der Mikrowelle ganz schnell „backen“ kann. Lena ist überzeugt, das „wuppe“ ich und beginnt.

Was steht da im Rezept? 4 El Mehl? Was um Himmels Willen ist denn bloß El ?Erste Liebe? Nein, kann nicht sein, passt doch nicht zum Kuchen.Also fragt sie nach und erfährt staunend, dass damit ein Esslöffel gemeint ist.

Und schlussfolgert nicht zu Unrecht, dass dann Tl wohl ein Teelöffel sein soll. Aber steht da nicht ein gestr. Tl Vanillezucker? Nachdem geklärt ist, dass der Teelöffel gestrichen voll sein soll, wir Lena mutig. Ob man wohl auch Zimt nehmen kann? Kann man Lena, wenn man es mag. Perfekt, Lena mag Zimt.

Doch schon folgt die nächste Hürde. Dort steht: 1 Msp. Backpulver. Hä? Msp? Also weg vom Teig, ran ans Läppi, nachgefragt. „Messerspitze“ erfährt sie.

Wie jetzt, in den Kuchen gehört eine Messerspitze? Was für ein Messer denn und außerdem, sie kann doch die Messerspitzen nicht abbrechen, wie sieht das denn nachher aus? Und ist Metall im Kuchen nicht gefährlich? Lena zweifelt am Verstand ihrer Freunde.

Die erklären ihr dann aber geduldig die Mengenangabe. Weiter geht’s. Nun soll der Teig in eine Tasse. Große Tasse, Lena, ersatzweise kannst du auch eine Müslischale nehmen.

Ja was denn nun, Tasse oder Müslischale? Gut, die Müslischale. Ab in die Mikrowelle.

Pling nach 4 Minuten, fertig, und sieht richtig klasse aus. Lena ist stolz. Probiert und schmeißt das Teil in den Müll. Warum verdammte Kiste, muss heute der Pfeffer auch da stehen, wo sonst immer der Zimt steht? Macht nix, sie hat noch reichlich Zutaten, also das Ganze noch mal von vorn. Diesmal braucht sie nicht mehr nachfragen, sie hat ja die Erläuterungen der Abkürzungen.

Und siehe da, diesmal geht alles glatt. Nur was ist falsch gelaufen? Der Kuchen sieht prima aus, ist nach dem Abkühlen aber hart. Ohne Bohrmaschine wohl kaum zu zerkleinern.

Ist das womöglich ein Rezept, um Pflastersteine herzustellen?

Nein Lena, wahrscheinlich hat deine Mikrowelle eine höhere Wattzahl, dann verkürzt sich die Backzeit entsprechend. Watt?? Gibt’s da auch Wattwürmer??

Auf ein Neues. Und das Ergebnis kann man im Avatar zu diesem Text bewundern. Bravo Lena, geht doch!!!

Montag, 24. Oktober 2011

Ich verliere mich

Von mirabelle48, 21:44


Sie sagen, ich bin verwirrt. Ich habe es deutlich gehört, als ich mit meiner Tochter Miriam beim Arzt war.

Er hat mir so komische Fragen gestellt, Fragen, die meinen Enkelkindern angemessen gewesen wären. Rechenaufgaben, die ich als Erstklässlerin schon lösen konnte. Dreiecke sollte ich malen, Quadrate, ein Uhr zeichnen. Du lieber Himmel, ich konnte doch noch nie zeichnen. Ich habe es gut gemacht, es war alles, wie es sein sollte. Aber sie schauten mich so merkwürdig an, der Dr….oh, ich komme nicht auf den Namen. Und dieser Blick von Miriam, sie schaute so fremd, es machte mir Angst. Sie sagen, die kognitiven Fähigkeiten haben rapide nach gelassen.
Und der Doktor hat gesagt, wenn es schlimmer wird, dann brauche ich eine Rundumbetreuung.

Aber ich bin doch nicht verwirrt. Ich weiß ganz genau, dass Egon, mein Mann und Miriams Vater jeden Tag um 17.00 Uhr von der Arbeit kommt, und deshalb habe ich natürlich gekocht und den Tisch gedeckt. Miriam sagt, er ist vor Jahren schon gestorben, aber das stimmt nicht, dann brauchte ich ja nicht für ihn zu kochen. Miriam sagt, Mama, du hast doch vergessen, den Herd anzustellen, die Kartoffeln sind roh, das Fleisch liegt ungebraten in der Pfanne, Papa kommt nicht. Miriam ist rechthaberisch und will mir einreden, dass ich verrückt bin und unbedingt Hilfe brauche.

Sie kann nicht begreifen, dass ich allein gut klar komme, bis Egon von der Arbeit kommt. Mama, du hast ja dein Kleid über das Nachthemd angezogen, sagt sie und will mich umziehen. Aber das lasse ich nicht zu, immer will sie alles besser wissen. Ich finde das neue Kleid schön.

Und sie will, dass eine Pflegerin zu mir in meine Wohnung kommt. Es ist meine Wohnung, und ich will nicht, dass Fremde mich versorgen. Ich lasse sie nicht herein. Aber Miriam hat ihnen einen Schlüssel gegeben. Plötzlich steht eine fremde Frau vor mir und wollte mich waschen. Na, der habe ich aber deutlich gesagt, was ich davon halte. Aber sie war kräftiger als ich. Ich fror, es war ihr egal, waschen muss sein, hat sie gesagt und mich mit dem Vornamen angesprochen. Nein, ich will nicht, dass sie wieder kommt.

Und gestohlen hat sie auch. Mein Portemonnaie ist weg. Mit meinem ganzen Geld. Miriam sagt, dass ich es im Kühlschrank versteckt habe, aber das habe ich ganz bestimmt nicht.
Ich habe Angst. Das Telefon klingelt so laut, aber ich gehe besser nicht dran. Das ist bestimmt Miriam, sie will wieder wissen, ob ich gegessen und getrunken habe.
Aber ich habe keinen Hunger und keinen Durst. Ich warte, bis Michael kommt. Michael, das ist mein Sohn, er ist ein so niedlicher Junge und er macht mir viel Freude. Ein guter Schüler. Egon und ich sind so stolz auf ihn. Bestimmt wird er mal ein Arzt oder Rechtsanwalt. Miriam sagt, Michael wohnt doch mit seiner Familie schon seit 15 Jahren in Übersee und er wird erst zu Weihnachten wieder kommen.

Weihnachten…

Egon und ich werden Michael zu Weihnachten eine elektrische Eisenbahn schenken und Miriam bekommt das große Puppenhaus, was sie sich schon so lange gewünscht hat. Und Egon, dem habe ich einen wunderschönen Norwegerpullover gestrickt. Ich werde jetzt die Gans in den Ofen schieben.

Warum schimpft denn Miriam nun mit mir? Sie zetert laut und aufgeregt und packt meinen großen Koffer. Was, ich soll die Wolldecke in den Backofen gelegt und ihn auf 200 Grad gestellt haben? Und die ganze Küche soll voller Qualm gewesen sein und ich hätte im Wohnzimmer mir in aller Ruhe das Fotoalbum angeschaut? Und deshalb soll ich jetzt in ein Heim?

Aber das geht doch nicht, wer kocht denn dann für Egon?