Als der Mond vom Himmel fiel
Von mirabelle48, 11:37
Klamme Kälte kriecht in seinen Körper. Der alte Mann weiß nicht, wie lange er schon gegangen ist, durch diese Vollmondnacht, bis er am Ufer des Sees angekommen ist. Müde und erschöpft setzt er sich auf eine Bank und schaut auf das Wasser, in dem sich der Mond spiegelt. Woher er gekommen ist und wohin er wollte, das hat er vergessen.
„Der Mond fällt in den See“, denkt er und plötzlich spürt er auch keine Müdigkeit und Kälte mehr.
„Ich muss ihn auffangen, ich muss den Mond retten, er darf nicht ertrinken.“
Schritt für Schritt geht er auf ihn zu. Dass seine Füße nass werden, stört ihn nicht, was sind schon nasse Füße, wenn man den Mond auffangen muss, bevor er im See ertrinkt?
Schwerer wird es, anstrengender mit jedem Schritt. Das Wasser reicht ihm jetzt schon bis zu den Knien, doch er kann nicht umkehren. Wohin auch, er hat es vergessen. Er muss weiter, immer weiter, er muss den Mond vor dem Ertrinken retten. Als ihn die Kräfte verlassen, lächelt er und ist glücklich…
Als sie ihn am nächsten Morgen fanden, sprachen sie von einem Suizid. Dabei hatte er doch nur den Mond auffangen wollen, bevor er im See ertrank.
Foto: Viktor Mildenberger / Pixelio.de


