Beispiel: Adventkalender
Von mirabelle48, 10:32Alle Jahre wieder, Lebkuchen und Zimtsterne schon lange vor der Adventzeit in den Supermärkten, Festbeleuchtung in den Straßen, weihnachtlicher Kitsch in den Schaufenstern, trotz Wirtschaftskrise überfüllte Fußgängerzonen in den Städten.
Und ebenso alle Jahre wieder der Ruf nach „Entkommerzialisierung“, der Entschluss, dass dieses Jahr alles anders wird als in den vergangenen Jahren, wir sind doch alle so vernünftig, wir brauchen das nicht, ist doch nur was für die Kinder, die noch an den Weihnachtsmann oder das Christkind glauben.
Was brauchen wir einen Adventkranz oder einen Adventkalender, eine Kerze tut es doch auch, und eine Schale mit Knabberzeug auf dem Tisch reicht. Ist doch alles nur Geschäftemacherei, muss man doch nicht haben.
Und dabei bin ich schon beim Thema. Man mag mich für erzkonservativ und ewig gestrig halten. Ich sehe das alles etwas anders. Wir beklagen vehement den Verfall von Werten, beklagen, dass „früher“ alles anders (besser?) war und sind auf dem besten Wege, eben diese selbst zu zerstören.
Wir in unserer Generation sind es doch, die Traditionen unserer Familien an die Kinder und Enkelkinder weiter geben können. Beispiel: Der Adventkalender. Klar sehen meine Enkelkinder auch im Supermarkt die mit Schokolade oder Überraschungseier gefüllten großen Pappdinger. ( Gestern sah ich im Supermarkt direkt neben der Kasse soger einen Adventskalender "für Erwachsene". Statt weihnachtlicher Motive auf dem Bild ein Foto eines nur mit einer Badehosr bekleideten jungen Mannes. Was sich hinter den 24 Türen verbarg, entzieht sich meiner Kenntnis, ich bin auch nicht neugierig. )
.Aber sie finden es viel schöner, den von mir mit ihnen vor 2 Jahren gemeinsam gebastelten jetzt zu überprüfen, aus zu bessern und ihn für dieses Jahr wieder tauglich zu machen. Mit Eifer haben sie damals Toilettenpapierrollen gesammelt, sie dann beklebt, mit viel Freude mit der Schablone den Weihnachtsmann gemalt und ausgeschnitten und mit mit gemeinsam dann die einzelnen Rollen auf eine Schnur gezogen. Wie groß war erst die Überraschung, als sie dann in jeder ehemaligen Klopapierrolle vom 1. Dezember an dann jeden Tag eine kleine Süßigkeit vorfanden. Und auch jetzt haben wir zusammen überprüft, ob der Adventskalender das vergangene Jahr heil überstanden hat. Und genau so freudig habe sie wieder mitgeholfen, ihn wieder "tauglich" zu machen.
Sie sind mit Feuereifer dabei, wenn in der Adventzeit gebacken wird, rollen Teig aus, stechen mit unterschiedlichen Förmchen die Plätzchen aus und sind dabei stolz. Was macht es schon, wenn hinterher die Küche aussieht, als hätten die Vandalen dort gehaust?
Sie machen sich Gedanken über die Geschenke, die sie malen oder basteln und freuen sich das selbst gemalte Bild vom Vorjahr gerahmt immer noch in meiner Diele zu finden.
Mir geht es hier dabei weniger um den christlichen Aspekt (der Weihnachtsmann ist beileibe kein christliches Symbol, ebenso wenig wie bunt geschmückte Christbäume), sondern um die Fixpunkte im Jahr, ebenso wie Geburtstag, Ostern, Karneval, Martinssingen oder eben Weihnachten. Anlässe, Bräuche zu pflegen, Gemeinsamkeiten zu entdecken und somit auch ein Stück Wärme und Geborgenheit zu vermitteln. Auch das ist ein Stück stark machen fürs Leben, Kommerz richtig ein zu ordnen, sich dagegen zu wehren.
Nicht darüber jammern, wie schlecht die Welt ist, beklagen, dass alles um uns herum seinen Stellenwert verliert, darüber schimpfen, dass die Jugend oberflächlich und kalt ist, nicht sich sich über Weihnachten lustig machen mit schrillen Weihnachtsmännern und Weihnachtsfrauen in sexy Kostümchen, sondern selbst etwas tun. Mit den Kinder gemeinsam.
Zusammen etwas tun, bedeutet auch gleichzeitig, miteinander zu reden, zu erfahren, wie sie denken und ihnen das Gefühl zu geben, dass wir Erwachsenen uns für sie und ihre Sorgen interessieren.
Und dann zieht vielleicht auch in uns selbst der ursprüngliche Sinn des Weihnachtsfestes wieder ein, ich gebe die Hoffnung nicht auf.
Bild: eigenes

