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Gedankenreise

Wenn Gedanken auf die Reise gehen, entsteht manches Gereimte und auch Ungereimte.



Montag, 31. Oktober 2011

Das Arschloch

Von mirabelle48, 19:31

Hans und Otto stritten sich

wieder mal ganz fürchterlich.

Eigentlich sind sie ja Freunde,

doch benahmen sich wie Feinde.

 

Rüde das Vokabular,

das bedingt nur druckreif war.

Hans, so gar nicht Mann von Welt

Otto für ein Arschloch hält.

 

Der jedoch ist nicht beleidigt

sondern hat sich so verteidigt:

„So ein Arschloch, das ist richtig

für uns alle doch sehr wichtig.

 

Stell dir vor, wir hätten keines,

nicht einmal ein klitzekleines,

bliebe alles in uns drin.

Wo käm dann die Scheiße hin?“

 

Hans und Otto danach lachten

und schnell ihren Frieden machten.

Beide sahen es nun ein

So ein Arschloch, das muss sein.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Verzwickt

Von mirabelle48, 19:43



Hast es erblickt,

freundlich genickt

und bist entzückt,

das Werk geglückt.

Doch manchen zwickt,

was anders tickt,

nennt es missglückt,

weil sich nicht schickt,

was ihn erschrickt.

Drum ist’s verrückt.

 

Bild: B.S.

Das Recht der Jugend

Von mirabelle48, 14:10


Es ist der Jugend Privileg,

in ihrem Lebenslabyrinth

zu finden ihren eignen Weg,

auch wenn darinnen Mauern sind.

 

Das Recht der Jugend ist, die Zeit

für unendlich zu halten

und voller Unbekümmertheit

ihr Leben zu gestalten.

 

Die Jugend darf und soll sogar

auch gern in Frage stellen,

ob das, was gestern richtig war,

noch gilt in allen Fällen.

 

Und fehlt der Jugend mal die Kraft

in Lebenssturmgewalten

und sie es nicht alleine schafft,

dann helfen gern die Alten.

 

 

Bild: B.S.

Lena backt

Von mirabelle48, 11:36


Lena ist eine selbstbewusste Frau in den Vierzigern, die, wenn sie nicht gerade wegen einer OP an Krücken laufen muss, mit beiden Beinen fest im Leben steht. Oh ja, das ist sie.

Sie meistert fast alles, sie „wuppt“ ihr Leben geradezu.

Eines jedoch kann sie nach eigenen Aussagen nicht: Kochen. Macht aber nichts, sie hat ja virtuelle Freunde, die ihr auf die Sprünge helfen können.

Die sich mittlerweile über keine, aber auch nicht eine einzige Katastrophenmeldung aus Lenas Küche wundern. So wie zum Beispiel vor einigen Wochen, als sie schrieb, sie wolle als Beilage Mais servieren.

Leider „ploppe“ es in ihrer Küche, ob sie wohl was falsch gemacht habe?

Der Verdacht, dass sie die rohen Maiskörner in einer Pfanne mit Fett „angebraten“ hatte, lag nahe und so entdeckte Lena, wie man selbst wunderbar Popcorn herstellen kann.

Und nun traten ihre Freunde auf den Plan. Sie eröffneten in ihrer Gruppe ein eigenes Thema: „Leichte Rezepte für Lena“. Und eifrig wurden dann Anfängerrezepte eingestellt.

Tja, und dann gibt es da ein Kuchenrezept für einen kleinen Kuchen, den man in der Mikrowelle ganz schnell „backen“ kann. Lena ist überzeugt, das „wuppe“ ich und beginnt.

Was steht da im Rezept? 4 El Mehl? Was um Himmels Willen ist denn bloß El ?Erste Liebe? Nein, kann nicht sein, passt doch nicht zum Kuchen.Also fragt sie nach und erfährt staunend, dass damit ein Esslöffel gemeint ist.

Und schlussfolgert nicht zu Unrecht, dass dann Tl wohl ein Teelöffel sein soll. Aber steht da nicht ein gestr. Tl Vanillezucker? Nachdem geklärt ist, dass der Teelöffel gestrichen voll sein soll, wir Lena mutig. Ob man wohl auch Zimt nehmen kann? Kann man Lena, wenn man es mag. Perfekt, Lena mag Zimt.

Doch schon folgt die nächste Hürde. Dort steht: 1 Msp. Backpulver. Hä? Msp? Also weg vom Teig, ran ans Läppi, nachgefragt. „Messerspitze“ erfährt sie.

Wie jetzt, in den Kuchen gehört eine Messerspitze? Was für ein Messer denn und außerdem, sie kann doch die Messerspitzen nicht abbrechen, wie sieht das denn nachher aus? Und ist Metall im Kuchen nicht gefährlich? Lena zweifelt am Verstand ihrer Freunde.

Die erklären ihr dann aber geduldig die Mengenangabe. Weiter geht’s. Nun soll der Teig in eine Tasse. Große Tasse, Lena, ersatzweise kannst du auch eine Müslischale nehmen.

Ja was denn nun, Tasse oder Müslischale? Gut, die Müslischale. Ab in die Mikrowelle.

Pling nach 4 Minuten, fertig, und sieht richtig klasse aus. Lena ist stolz. Probiert und schmeißt das Teil in den Müll. Warum verdammte Kiste, muss heute der Pfeffer auch da stehen, wo sonst immer der Zimt steht? Macht nix, sie hat noch reichlich Zutaten, also das Ganze noch mal von vorn. Diesmal braucht sie nicht mehr nachfragen, sie hat ja die Erläuterungen der Abkürzungen.

Und siehe da, diesmal geht alles glatt. Nur was ist falsch gelaufen? Der Kuchen sieht prima aus, ist nach dem Abkühlen aber hart. Ohne Bohrmaschine wohl kaum zu zerkleinern.

Ist das womöglich ein Rezept, um Pflastersteine herzustellen?

Nein Lena, wahrscheinlich hat deine Mikrowelle eine höhere Wattzahl, dann verkürzt sich die Backzeit entsprechend. Watt?? Gibt’s da auch Wattwürmer??

Auf ein Neues. Und das Ergebnis kann man im Avatar zu diesem Text bewundern. Bravo Lena, geht doch!!!

Samstag, 29. Oktober 2011

Warum ich keine Frau bin

Von mirabelle48, 16:38


Ich bin immer wieder fasziniert von  kindlicher Logik.

Schon für erwachsene Kinder sind die Eltern doch meist geschlechtslose Wesen, die als Mutter und Vater schon noch wahrgenommen werden, aber doch beileibe nicht als Frau und Mann.

Wie viel mehr erst muss es die Enkelkinder verwirren, dass Großmütter und Großväter eben auch Männer und Frauen sind. Meine Enkelkinder sind jetzt 5 und 7 Jahre alt, sie wissen, dass ich ihre Oma bin, sie haben auch begriffen, dass ihr Vater mein Sohn ist, aber sie nehmen uns eben nur in unserer Funktion wahr.

Oder wie soll ich mir sonst folgenden Dialog erklären:

„Oma, Papas müssen immer arbeiten. Warum arbeitest du nicht?“

„Weil ich schon sehr lange in meinem Leben gearbeitet habe, und es jetzt nicht mehr brauche. Ich bekomme jetzt Rente.“

„Wenn Papa alt ist, bekommt er dann auch Rente?“

„Ja, wenn er Glück hat,“ antwortete ich etwas nachdenklich und erwarte eigentlich die Frage: „Oma, was ist Rente?“ Und ich  fange schon an, darüber nach zu denken, wie ich das mit dem Glück haben gemeint habe. Schließlich ist er ja für politische Überlegungen noch etwas zu klein.

Aber nein, weit gefehlt. die Gedanken meines Enkels gehen in eine ganz andere Richtung.

„Oma, Papa arbeitet im Büro. Wenn ich ein Mann bin, möchte ich auch im Büro arbeiten. Mama arbeitet auch, aber nicht im Büro, die ist ja auch eine Frau. Oma, als du noch eine Frau warst, was hast du da gearbeitet?“

Mir bleibt zunächst die Spucke weg. Als ich noch eine FRAU war??? Um Himmels Willen, was bin ich denn wohl jetzt? Das muss ich jetzt aber genau ergründen.

„Sag mal, wieso denkst du, dass ich eine Frau WAR? Ich BIN doch eine Frau“.

Kurzes Nachdenken, bei meinem Enkel, und dann seine Sicht der Dinge:

„Nein, jetzt bist du keine Frau, du bist eine Oma !!!“

„Ja aber eine Oma ist doch auch eine Frau,“ entgegne ich hilflos.

„Nein,“ kommt es nicht gerade sehr charmant zurück. „Omas sind alt.“

Tja, was sagt man dazu? Ich nehme es zur Kenntnis und verkünde  hiermit nachdrücklich allen Großmüttern und Großvätern: Ihr seid alle geschlechtsneutral und alt. Basta.

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Zitronenfalter

Von mirabelle48, 11:14

Ein Falter namens Valentin
verliebte sich, man glaubt es kaum,
in eine schöne Falterin,
die wohnte im Zitronenbaum.

Frau Falterin mit Namen Ruth
besah ihn sich genauer.
Erhört' ihn nicht, fand ihn nicht gut,
da wurd' der Falter sauer.

So blieb der Valentin allein
und sauer bis ins Alter.
Drum heißt er, könnte doch so sein,
seitdem Zitronenfalter.

 

Hände

Von mirabelle48, 01:14


Wie sie noch so  winzig sind,

doch sie werden wachsen, reifen,

deine Hände, liebes Kind.

Wollen ihre Welt begreifen.

 

Werden sie, wenn sie mal groß,

nicht nur nehmen sondern geben?

Legst du sie nur in den Schoß

oder schaffst du was im Leben?

 

Werden sie einst sanft und zart,

streichelnd andre Haut berühren?

Oder strafend, grob und hart

schlagende Beweise führen?

 

Noch legst du voll Zuversicht

sie in meine, die dich schützen.

Später jedoch kann ich’s nicht,

musst sie selber dann benützen.

 

Liebes Kind, reich deine Hände

anderen wenn’s nötig ist.

Du wirst seh’n, dass dann am Ende

Du am meisten glücklich bist.

 

Bild: Jan E.

Montag, 24. Oktober 2011

Ich verliere mich

Von mirabelle48, 21:44


Sie sagen, ich bin verwirrt. Ich habe es deutlich gehört, als ich mit meiner Tochter Miriam beim Arzt war.

Er hat mir so komische Fragen gestellt, Fragen, die meinen Enkelkindern angemessen gewesen wären. Rechenaufgaben, die ich als Erstklässlerin schon lösen konnte. Dreiecke sollte ich malen, Quadrate, ein Uhr zeichnen. Du lieber Himmel, ich konnte doch noch nie zeichnen. Ich habe es gut gemacht, es war alles, wie es sein sollte. Aber sie schauten mich so merkwürdig an, der Dr….oh, ich komme nicht auf den Namen. Und dieser Blick von Miriam, sie schaute so fremd, es machte mir Angst. Sie sagen, die kognitiven Fähigkeiten haben rapide nach gelassen.
Und der Doktor hat gesagt, wenn es schlimmer wird, dann brauche ich eine Rundumbetreuung.

Aber ich bin doch nicht verwirrt. Ich weiß ganz genau, dass Egon, mein Mann und Miriams Vater jeden Tag um 17.00 Uhr von der Arbeit kommt, und deshalb habe ich natürlich gekocht und den Tisch gedeckt. Miriam sagt, er ist vor Jahren schon gestorben, aber das stimmt nicht, dann brauchte ich ja nicht für ihn zu kochen. Miriam sagt, Mama, du hast doch vergessen, den Herd anzustellen, die Kartoffeln sind roh, das Fleisch liegt ungebraten in der Pfanne, Papa kommt nicht. Miriam ist rechthaberisch und will mir einreden, dass ich verrückt bin und unbedingt Hilfe brauche.

Sie kann nicht begreifen, dass ich allein gut klar komme, bis Egon von der Arbeit kommt. Mama, du hast ja dein Kleid über das Nachthemd angezogen, sagt sie und will mich umziehen. Aber das lasse ich nicht zu, immer will sie alles besser wissen. Ich finde das neue Kleid schön.

Und sie will, dass eine Pflegerin zu mir in meine Wohnung kommt. Es ist meine Wohnung, und ich will nicht, dass Fremde mich versorgen. Ich lasse sie nicht herein. Aber Miriam hat ihnen einen Schlüssel gegeben. Plötzlich steht eine fremde Frau vor mir und wollte mich waschen. Na, der habe ich aber deutlich gesagt, was ich davon halte. Aber sie war kräftiger als ich. Ich fror, es war ihr egal, waschen muss sein, hat sie gesagt und mich mit dem Vornamen angesprochen. Nein, ich will nicht, dass sie wieder kommt.

Und gestohlen hat sie auch. Mein Portemonnaie ist weg. Mit meinem ganzen Geld. Miriam sagt, dass ich es im Kühlschrank versteckt habe, aber das habe ich ganz bestimmt nicht.
Ich habe Angst. Das Telefon klingelt so laut, aber ich gehe besser nicht dran. Das ist bestimmt Miriam, sie will wieder wissen, ob ich gegessen und getrunken habe.
Aber ich habe keinen Hunger und keinen Durst. Ich warte, bis Michael kommt. Michael, das ist mein Sohn, er ist ein so niedlicher Junge und er macht mir viel Freude. Ein guter Schüler. Egon und ich sind so stolz auf ihn. Bestimmt wird er mal ein Arzt oder Rechtsanwalt. Miriam sagt, Michael wohnt doch mit seiner Familie schon seit 15 Jahren in Übersee und er wird erst zu Weihnachten wieder kommen.

Weihnachten…

Egon und ich werden Michael zu Weihnachten eine elektrische Eisenbahn schenken und Miriam bekommt das große Puppenhaus, was sie sich schon so lange gewünscht hat. Und Egon, dem habe ich einen wunderschönen Norwegerpullover gestrickt. Ich werde jetzt die Gans in den Ofen schieben.

Warum schimpft denn Miriam nun mit mir? Sie zetert laut und aufgeregt und packt meinen großen Koffer. Was, ich soll die Wolldecke in den Backofen gelegt und ihn auf 200 Grad gestellt haben? Und die ganze Küche soll voller Qualm gewesen sein und ich hätte im Wohnzimmer mir in aller Ruhe das Fotoalbum angeschaut? Und deshalb soll ich jetzt in ein Heim?

Aber das geht doch nicht, wer kocht denn dann für Egon?



Unser Haus

Von mirabelle48, 08:43



Das Haus, das wir gemeinsam uns erbauten,

erwuchs einst aus geträumten Illusionen.

Voll Zuversicht wir in die Zukunft schauten,

wir waren jung und hatten noch Visionen.

 

Für andre war es klein und  unscheinbar,

jedoch für dich und mich ein Traumpalast,

der fortan lange unsre Heimat war,

wir sorgten dafür, dass das Haus uns passt.

 

Vertrauen war das starke Fundament,

verlieh Stabilität des Hauses Wänden.

Was man gemeinhin  kleines Glück oft nennt,

wir hielten es für Jahre in den Händen.

 

Die Liebe war auf unsrem Haus das Dach.

Sie wäre sicher gerne noch geblieben,

wenn wir nicht dummerweise nach und nach,

sie hätten mit Gleichgültigkeit vertrieben.

 

Bild: B.S.

Sonntag, 23. Oktober 2011

Vertrauen

Von mirabelle48, 13:46


Wenn du keinem magst vertrauen

weil du glaubst, die Welt ist schlecht,

Kinderaugen anzuschauen,

rückt dir dieses Bild zurecht.

 

Ihre Blicke sind voll Klarheit,

glauben felsenfest an dich,

sagen ungeschminkt die Wahrheit,

lieben unerschütterlich.

 

Kinderaugen wortlos fragen,

was du sagst, das ist gesetzt.

Deine Antwort darf nur sagen,

was die Seele nicht verletzt.

 

Denn wenn du ein Kind belogen,

kann es nicht mehr auf dich bauen.

Wirst nun auch von ihm betrogen,

es entzieht dir sein Vertrauen.

 

Samstag, 22. Oktober 2011

Du bist Luft für mich

Von mirabelle48, 10:09

Jan und Julian sind Brüder,

lieben sich, doch hin und wieder,

wie es bei Geschwistern Brauch,

streiten sich die beiden auch.

 

Julian ruft ärgerlich:

„Du bist künftig Luft für mich,

ab sofort und ganz und gar

für mich völlig unsichtbar“.

 

Jan entgegnet gut gelaunt

und sein kleiner Bruder staunt:

„Für dich Luft zu sein, das wäre

für mich eine große Ehre.

 

Denn auch du bist Luft für mich,

ganz genau wie ich für dich.

Menschen könnten doch nicht leben,

würde es die Luft nicht geben“.

 

Bild: Cornerstone / pixelio.de

Freitag, 21. Oktober 2011

Ein Nichtgedicht

Von mirabelle48, 10:19


Wollt heut schreiben ein Gedicht,

aber es gelang mir nicht.

Dabei hatte ich heut Nacht

mir so Vieles ausgedacht,

doch es will mir nicht gelingen,

dieses zu Papier zu bringen.

 

Wie ich’s wende oder drehe,

alles, was ich vor mir sehe,

bleibt ein leerer Monitor.

darum nehme ich mir vor,

lass es heute lieber bleiben,

werd’ erst morgen eines schreiben.

 

Heute übe ich Verzicht

quäl die Welt mit Unsinn nicht.

Krieg davon auch keine Falten,

heut die Finger still zu halten.

Ist das hier jetzt ein Gedicht?

Sorry, doch das wollt ich nicht.

 

Bildquelle: eigene CD 37.000 Cliparts

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Ein Mensch und der Pass

Von mirabelle48, 11:02

sehr frei nach Eugen Roth


Ein Mensch in unserer Nation

braucht eine Legitimation,

denn ohne Personalausweis

da fehlt der schlüssige Beweis,

dass er tatsächlich existiert.

Nur wenn man amtlich auch geführt,

ist Mensch sein auch Realität,

weil ohne Ausweis gar nichts geht.

 

Jüngst hat der Mensch nun festgestellt

dem Pass die Gültigkeit schon fehlt,

denn seine amtliche Dekade,

ist längst schon überschritten, schade.

So denkt der Mensch in seinem Sinn,

will ich der bleiben, der ich bin,

muss ich auf’s Amt, fällt es auch schwer,

es muss ein neuer Ausweis her.

 

Zuvor jedoch, und das ist wichtig,

braucht er ein Foto, aber richtig.

Hat sich der Mensch bisher gedacht,

ein Bild ist schön, wenn er drauf lacht,

dann hat’s man ihm nun abgewöhnt,

das Lachen ist dabei verpönt,

denn keinesfalls, da ist man eigen,

darf Mensch dabei die Zähne zeigen,

 

auch nicht die Schokoladenseite,

das Halbprofil gilt nicht mehr heute,

er hat zu schauen gradeaus,

drum wird das Foto auch ein Graus.

Bei diesem Gruselkonterfei

fragt sich der Mensch, ob er das sei?

Ob wirklich er solch Ungeheuer,

bezahlt dafür dann auch noch teuer.

  

Geht mit dem Bild zum Passamt nun.

Doch haben die dort viel zu tun.

Als er dann endlich an der Reih,

da gibt er ab sein Konterfei,

beantwortet so manche Fragen,

erfährt, dass so nach zwanzig Tagen,

der neue Ausweis liegt bereit.

Doch zahlen, das muss er schon heut.

 

So hat der Mensch nun mal soeben,

fast fünfzig Euro ausgegeben.

Doch hat er nun zehn Jahre Ruh.

Er ist real, gehört dazu.


Bild: Aus dem Prospekt des BMI

Dienstag, 18. Oktober 2011

Herr Meier und die Feier

Von mirabelle48, 16:53

Neulich kam Herr Anton Meier

spät nach Haus von einer Feier.

Weil er dort auch kräftig tankte,

er beim Heimweg mächtig wankte.

Doch schlussendlich kommt der Mann

doch in seiner Wohnung an,

und entledigt, Zug um Zug,

sich der Kleidung, die er trug.

Und am Ende völlig nackt

hat er sich ins Bett gepackt,

 

Doch nach angemess’ner Zeit

ist die viele Flüssigkeit

die er vorher hat getrunken

durch Herrn Meiers Leib gesunken,

und sie will heraus mit Macht,

darum ist er aufgewacht.

Trunken noch von Schlaf und Bier

schwankt er zur bewussten Tür.

Hinter ihm mit lautem Krach

fällt sie zu. Nun ist er wach

und hat schmerzlich festgestellt,

hat die falsche Tür gewählt.

 

Zitternd steht er nun im Flur,

ohne alles, ganz Natur,

und zu allem Überfluss

er noch immer dringend muss.

Teuer ist nun guter Rat,

wenn man keinen Nachbarn hat,

sondern wenn der Nachbar weiblich.

Meier schämt sich unbeschreiblich,

drückt trotzdem den Klingelknopf,

sie macht auf dem armen Tropf,

und nach eiliger Erklärung

kommt er endlich zur Entleerung.


Später bietet sie dem Mann

einen Bademantel an,

den einst trug der Ehegatte

und sie aufgehoben hatte.

Für den letzten Rest der Nacht,

haben sie dann sehr gelacht,

bis im ersten Morgengrau

kam Herrn Meiers Zugehfrau.

Künftig ging er häufig hin

zu der netten Nachbarin,

und sie öfter auch zu ihm

bald schon wurden sie intim.

 

Fazit: Manchmal ist’s ein Glück

wenn passiert ein Missgeschick.

 

Montag, 17. Oktober 2011

An Abenden wie diesem

Von mirabelle48, 22:32

...lausche ich voller Dankbarkeit deinen tiefen, gleichmäßigen Atemzügen, die in meinen Ohren wie Musik klingen.

Geschafft. Dein Lieblingsmärchen zur Zeit, Peter Pan, ist vorgelesen, du liebst es immer noch, wenn ich dir vorlese, obwohl du mittlerweile selbst gut lesen kannst.

Alle Fragen, die du jedes Mal wieder stellst, um den Schlaf noch ein wenig hinauszuzögern, sind gefragt, alle Antworten von mir gegeben.  

Du hast dich mit einem wohligen Seufzer auf die rechte Seite gedreht  und bist eingeschlafen. Fest umklammerst du deinen kleinen Pinguin, der dich Zeit deines Lebens bereits begleitet.

Undenkbar ohne dieses kleine Stückchen gefüllten Frotteestoff zu schlafen. Ein Fremder wäre kaum in der Lage, dieses seltsame Etwas als Pinguin zu identifizieren, so oft, wie er bereits gewaschen wurde. So oft wie du ihn mir bereits in die Hand drücktest mit den Worten: „Pingu hat Aua, Oma wieder gesund machen.“ Fast keine Naht, die ich nicht nach nähen musste, weil du mit deiner großen und groben Liebe und Zärtlichkeit ihn ständig irgendwo verletztest. Und auch jetzt drückst du ihn wieder rau aber ganz lieb an dich, als hättest du Angst, dass ihn dir jemand wegnimmt.

Aufmerksam lausche ich an Abenden wie diesem deinen gleichmäßigen Atemzügen, dankbar nicht mehr immer in Hab-Acht-Stellung deinen Schlaf bewachen zu müssen, wie in jenem  Sommer  vor  acht Jahren.

Wieder, zum wievielten Mal eigentlich, quälte dich eine spastische Bronchitis, dein Atem rasselte, das Fieber stieg bedrohlich an. Deine Mama und ich waren mit dir nachmittags noch beim Arzt gewesen, Medikamente waren besorgt und du hattest sie bekommen, alles sollte gut werden, sagte der Arzt.

 Deine Mama war mit deinem Bruder hoch schwanger, in einigen Wochen sollte er geboren werden. Sie brauchte ihren Schlaf. Also übernahm ich es,  deinen Schlaf zu bewachen. Ich hatte dich im Arm, dich und deinen Pinguin, fast sitzend hielt ich dich, um dir das Atmen zu erleichtern.

 Ein oberflächlicher Schlaf, mit Atemgeräuschen die an rasselnde Ketten erinnerten, und dann plötzlich Stille. Bedrohlich, Angst einjagend, Panik auslösend. Eine Ewigkeit scheinend. 112 wählte ich, kaum in der Lage, Adresse und Grund des Notrufs vernünftig zu vermitteln.

 Beobachtend, horchend, da, wieder ein kurzes Rasselgeräusch, dann wieder Stille.

 Wie lange? Ich weiß es nicht, nur dass das fiebrige Rot deiner Haut sich in ein mir Angst einflößendes  Blau verwandelte, ich gleichzeitig das Signal des Krankenwagens hörte und dich erleichtert dem Notarzt in den Arm legte der dich sofort mit Sauerstoff versorgte und dir Cortison spritzte.

 Dann erst weckte ich deine Mama und fuhr mit dir ins Krankenhaus. Und natürlich kam Pingu  mit.

 Geschafft. Du hast es geschafft. Und die Ursache der häufigen Bronchitiden mit diesen bedrohlichen  asthmatischen Anfällen fand dann ein Allergologe heraus: Es waren unsere Katzen, die wir dann ganz schnell in liebe Hände abgaben.

 Und ja mein kleiner Großer,  jetzt bald Zehnjähriger, der immer noch nicht ohne seinen Pingu schlafen kann, deshalb sitze ich so oft und gern an Abenden wie diesem an deinem Bett und lausche  voller Dankbarkeit deinen tiefen, gleichmäßigen Atemzügen, die in meinen Ohren wie die schönste Musik klingen.

Gemein

Von mirabelle48, 13:26



Gleichgesinnte als Gemeinschaft

haben meist sehr viel gemein.

Mit  Gemeinheit man es schnell schafft,

allgemein gemein zu sein.

 


 

Sonntag, 16. Oktober 2011

Mein Freund

Von mirabelle48, 09:49



Sie sagen mir: "Er taugt doch nicht.

Du darfst ihm nicht vertrauen."

Sie warnen: "Glaub nicht, was er spricht,

du kannst nicht auf ihn bauen."

 

"Krank ist er", sagen sie,"ein Narr,

ein übler Psychoclown.

Weil er schon immer anders war,

drum darfst du ihm nicht traun."

 

Doch ihr  Geschwätz es stört mich nicht.

Ich lernte ihn gut kennen.

Stolz sag ich’s ihnen ins Gesicht:

"Ich darf ihn Freund nun nennen.

 

Ich mag ihn, anders, wie er ist

und schätze seine Klarheit.

Ihr hasst ihn doch nur, weil ihr wisst,

er sagte euch die Wahrheit."

 

Samstag, 15. Oktober 2011

Die Lebenskiste

Von mirabelle48, 18:24

Mühsam  ist dein Weg ins Leben,

schmerzvoll oft der Weg heraus.

Einwärts wird dir Licht gegeben,

doch am End macht Hein es aus.

 

Vom Beginn bis hin zum Ende

geht’s nicht immer linear,

oft bedarf es einer Wende,

weil dein Pfad ein Irrweg war.

 

Und in deine Lebenskiste

packt dir stetig dein Geschick

alles, was auf seiner Liste,

Sorge, Trauer, Liebe, Glück.

 

Oftmals kannst du es kaum tragen

deiner Kiste Schwergewicht.

Und dann stellst du tausend Fragen.

Antwort gibt das Schicksal nicht.

 

Wenn am Ende du Bilanz ziehst

staunst du über deine Kraft,

und du merkst, wenn du zurück siehst,

dass du doch ganz viel geschafft.

 

Eines Tages bleibst du liegen,

deine Kiste, sie ist voll.

Haben möge überwiegen

deine Seite mit dem Soll.

Du bist etwas ganz Besonderes

Von mirabelle48, 17:54

Es war 1 Woche vor deinem errechneten Geburtstermin. Warum es so war, weiß ich nicht mehr, aber ich entschloss mich, Überstunden abzubauen und war dadurch schon um 15.00 Uhr zu Hause.

Deine Mutter traf ich weinend dort an. Eine werdende Mutter sollte nicht weinen, sie sollte sich freuen und glücklich sein. Als sie mir sagte, dass sie starke Schmerzen hatte, die aber keine Wehen waren, rief ich deinen Vater an und sagte ihm ich würde deine Mama jetzt sofort ins Krankenhaus fahren. Er wollte dann sofort dorthin kommen.

Deine Mama erzählte mir auf der Fahrt unter Tränen, dass du heute erschreckend ruhig in ihrem Bauch warst. Ja, mein Lieber, ansonsten hast du immer sehr heftig getreten und geboxt, wir schlossen daraus, dass du entweder mal ein richtig guter Fußballspieler oder ein berühmter Boxer werden würdest. Diese Ruhe war bestimmt kein gutes Zeichen.
Leider war sie es wirklich nicht. Das CTG verzeichnete nur ganz schwache Herztöne von dir.

Eile war geboten, sie komplimentierten mich aus dem Kreisssaal und bereiteten alles für einen Notkaiserschnitt vor. Dein Papa schaffte es gerade rechtzeitig, um deine Mama in den OP zu begleiten. Und ich stand auf dem Flur davor, machte mir große Sorgen um euch beide und dachte an deinen „großen Bruder“, der mit seinen 18 Monaten doch auch noch ein Winzling war und jetzt von der Nachbarin betreut wurde.

Kleiner Mann, wir alle haben dich die ganze lange Zeit freudig erwartet. Dein Papa war stolz, dass er einen zweiten  Sohn bekommen sollte, deine Mama war voller Zärtlichkeit für dich und dein Brüderchen strich täglich neugierig über den sich immer stärker wölbenden Bauch deiner Mama und sagte strahlend „Baby“.

Tja, und ich, deine Oma freute sich mit ihnen, machte mir jedoch auch Sorgen, nicht zuletzt um die finanzielle Zukunft der kleinen, nun größer werdenden Familie. So sind sie, die Großmütter, mein Kleiner, sie denken oft etwas realistischer, weil sie selbst schon so einige Erfahrungen in ihrem Leben gesammelt haben.

Dann hörte ich die Sirene eines Krankenwagens und einige Augenblicke später eilten Männer mit einem Inkubationsbett an mir vorbei in den OP-Flur und mir war klar, dein Start in diese Welt war kein normaler.

Und wieder hieß es warten, wie mir schien endlos lang. Doch dann kam eine der Schwestern aus dem OP und ich durfte zu deinen Eltern. Deine Mutter lag schon in wieder in ihrem Bett im Vorraum und sie schlief. Dein Vater nahm mich leichenblass mit Tränen in den Augen in die Arme und sagte: „Ach, Mama, drück die Daumen, dass es gut ausgeht“, und er zitterte dabei.


Einen ganz kurzen Blick konnte ich auf dich werfen, bevor sie dich in die Intensivstation der Kinderklinik brachten, ein winziges Etwas, das ich vor lauter Schläuchen kaum ausmachen konnte, aber mein zweiter Enkel.

Dann endlich hatten die Ärzte Zeit, mit uns zu sprechen. Vielleicht hast du im Bauch deiner Mama viel zu wild herumgeturnt, jedenfalls hattest du dir die Nabelschnur mehrmals um den Hals gewickelt und als die Ärzte dich aus dem Bauch deiner Mama holten, schlug dein Herz nicht mehr. Aber sie reanimierten dich. Und du hast wohl kräftig mit gekämpft, sie schafften es, dich ins Leben zurück zu holen. Doch niemand wusste genau, wie lange du schon klinisch tot warst, sicher nur kurz, aber alle machten sich jetzt große Sorgen um dich.
Nur deine Mama noch nicht, die schlief noch.

Doch du zeigtest es uns allen. Nach 2 Tagen bereits brauchtest du nicht mehr beatmet zu werden, weitere 5 Tage später konntest du die Intensivstation verlassen und als du auch gelernt hattest, selbst zu trinken, da durftest du nach Hause.
Und mit jedem Monat, den du älter wurdest, zeigtest du uns, was für ein Dickkopf du bist.

Ein kräftiger Junge, der immer bis an die Grenzen geht. Dem kein Baum zu hoch, kein Graben zu breit ist. Der uns jeden Tag erneut zu verstehen gibt, dass er stark ist, eben eine richtige Kämpfernatur, manchmal auch voller Jähzorn, wenn etwas nicht auf Anhieb so klappt, wie er es sich vorstellt. Meist jedoch fröhlich und liebenswert und lernbegierig.

Und während ich auf den Kuchen, den ich für deinen morgigen Geburtstag gebacken habe, eine "8" male, kommt mir wieder in den Sinn: Ja, kleiner Mann, du bist etwas ganz Besonderes.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Nur so

Von mirabelle48, 21:30

Jutta, meine beste Freundin, kannte fast kein anderes Thema, seit sie in der neuen Firma arbeitete. Ob wir über Musik, Theater oder Mode sprachen, ob wir über Männer oder unsere Nachbarn tratschten, stets begannen ihre Statements mit: „Erich hat auch gesagt“, oder „Erich findet das auch gut“, oder „Erich würde das nie tun“.

Meine Güte, ich konnte es kaum noch hören. Erich konnte alles, wusste alles, war charmant, dennoch nie aufdringlich, hatte einen tollen Humor, niemals jedoch würde er einen zotigen Witz reißen, niemals die Kolleginnen anbaggern, wie die anderen männlichen Kollegen in ihrer Abteilung, nein, Erich war einfach unfehlbar.

Mit der Zeit wusste ich, wo du wohntest, welches Auto du fuhrst, wo du deinen Urlaub verbrachtest, was deine Lieblingsgerichte in der Kantine waren, dass du in deiner Freizeit dich ehrenamtlich im Fußballverein unseres Vorortes engagiertest, alle 4 Wochen zum Kegeln gingst und, dass du gegen Juttas Annährungsversuche offensichtlich immun warst. Und irgendwie, nur so, hatte ich nach einiger Zeit den Wunsch, dieses Prachtexemplar von Mann mal persönlich kennen zu lernen.

Nur so

gingen Jutta und ich dann eines Abends in die Kneipe, in der du deinen Kegelabend hattest. Nur so setztest du dich danach mit einem Kegelbruder zu uns an den Tisch. Nur so unterhielten wir uns prächtig und nur so kam es mir vor, als seiest du ein alter Bekannter von mir.

Nur so

trafen wir uns von da an häufiger, schließlich war ich noch nicht geschieden. Und etwas anderes als Freundschaft wollten wir damals auch nicht. Nur so, mehr nicht.

Nur so

warst du für mich da, als ich geschieden wurde, nur so hast du mir über die schwerste Zeit meines Lebens geholfen, als mein Sohn zunächst bei seinem Vater blieb.

Nur so

irgendwann, wurde Liebe daraus. Fast 30 lange Jahre lang, mit allem, was dazu gehört. Mit wunderbaren Glücksmomenten, mit heftigen Stürmen, die manchmal Orkane wurden, manchmal aber auch nur im Wasserglas tobten. Bis dann irgendwann gar kein Wind mehr aufkam und das Meer fast ohne Wellenbewegung blieb. Wir spürten, dass es vorbei war und wir trennten uns, nur so.

Und gerade heute denke ich an dich, nur so.