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Gedankenreise

Wenn Gedanken auf die Reise gehen, entsteht manches Gereimte und auch Ungereimte.



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Montag, 17. Oktober 2011

An Abenden wie diesem

Von mirabelle48, 22:32

...lausche ich voller Dankbarkeit deinen tiefen, gleichmäßigen Atemzügen, die in meinen Ohren wie Musik klingen.

Geschafft. Dein Lieblingsmärchen zur Zeit, Peter Pan, ist vorgelesen, du liebst es immer noch, wenn ich dir vorlese, obwohl du mittlerweile selbst gut lesen kannst.

Alle Fragen, die du jedes Mal wieder stellst, um den Schlaf noch ein wenig hinauszuzögern, sind gefragt, alle Antworten von mir gegeben.  

Du hast dich mit einem wohligen Seufzer auf die rechte Seite gedreht  und bist eingeschlafen. Fest umklammerst du deinen kleinen Pinguin, der dich Zeit deines Lebens bereits begleitet.

Undenkbar ohne dieses kleine Stückchen gefüllten Frotteestoff zu schlafen. Ein Fremder wäre kaum in der Lage, dieses seltsame Etwas als Pinguin zu identifizieren, so oft, wie er bereits gewaschen wurde. So oft wie du ihn mir bereits in die Hand drücktest mit den Worten: „Pingu hat Aua, Oma wieder gesund machen.“ Fast keine Naht, die ich nicht nach nähen musste, weil du mit deiner großen und groben Liebe und Zärtlichkeit ihn ständig irgendwo verletztest. Und auch jetzt drückst du ihn wieder rau aber ganz lieb an dich, als hättest du Angst, dass ihn dir jemand wegnimmt.

Aufmerksam lausche ich an Abenden wie diesem deinen gleichmäßigen Atemzügen, dankbar nicht mehr immer in Hab-Acht-Stellung deinen Schlaf bewachen zu müssen, wie in jenem  Sommer  vor  acht Jahren.

Wieder, zum wievielten Mal eigentlich, quälte dich eine spastische Bronchitis, dein Atem rasselte, das Fieber stieg bedrohlich an. Deine Mama und ich waren mit dir nachmittags noch beim Arzt gewesen, Medikamente waren besorgt und du hattest sie bekommen, alles sollte gut werden, sagte der Arzt.

 Deine Mama war mit deinem Bruder hoch schwanger, in einigen Wochen sollte er geboren werden. Sie brauchte ihren Schlaf. Also übernahm ich es,  deinen Schlaf zu bewachen. Ich hatte dich im Arm, dich und deinen Pinguin, fast sitzend hielt ich dich, um dir das Atmen zu erleichtern.

 Ein oberflächlicher Schlaf, mit Atemgeräuschen die an rasselnde Ketten erinnerten, und dann plötzlich Stille. Bedrohlich, Angst einjagend, Panik auslösend. Eine Ewigkeit scheinend. 112 wählte ich, kaum in der Lage, Adresse und Grund des Notrufs vernünftig zu vermitteln.

 Beobachtend, horchend, da, wieder ein kurzes Rasselgeräusch, dann wieder Stille.

 Wie lange? Ich weiß es nicht, nur dass das fiebrige Rot deiner Haut sich in ein mir Angst einflößendes  Blau verwandelte, ich gleichzeitig das Signal des Krankenwagens hörte und dich erleichtert dem Notarzt in den Arm legte der dich sofort mit Sauerstoff versorgte und dir Cortison spritzte.

 Dann erst weckte ich deine Mama und fuhr mit dir ins Krankenhaus. Und natürlich kam Pingu  mit.

 Geschafft. Du hast es geschafft. Und die Ursache der häufigen Bronchitiden mit diesen bedrohlichen  asthmatischen Anfällen fand dann ein Allergologe heraus: Es waren unsere Katzen, die wir dann ganz schnell in liebe Hände abgaben.

 Und ja mein kleiner Großer,  jetzt bald Zehnjähriger, der immer noch nicht ohne seinen Pingu schlafen kann, deshalb sitze ich so oft und gern an Abenden wie diesem an deinem Bett und lausche  voller Dankbarkeit deinen tiefen, gleichmäßigen Atemzügen, die in meinen Ohren wie die schönste Musik klingen.