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Gedankenreise

Wenn Gedanken auf die Reise gehen, entsteht manches Gereimte und auch Ungereimte.



Freitag, 17. August 2018

Fliegen

Von mirabelle48, 13:10

Wie ein Vogel in die Luft erheben,

unbeschwert bis hin zum Himmel schweben,

mit den Kranichen nach Süden ziehen

allen Ängsten, Sorgen, Streit entfliehen,

 

Wie ein Helium gefüllter Luftballon

flöge ich auch gern einmal davon.

Oder wie im Herbst ein welkes Blatt,

das der Baum vorm Haus verloren hat.

 

Möcht‘ auch mal auf Schäfchenwolken reiten

über Menschen, Länder, Ozeane gleiten.

Nur von Sommerwinden angeschoben

säße ich auf weichen Wolken oben.

 

Neuland hinterm Horizont erkunden,

schwerelos im All die Welt umrunden,

Diese Reisen, oft schon macht' ich sie

auf den Flügeln meiner Fantasie.

Sonntag, 22. Juli 2018

Karl der Große

Von mirabelle48, 20:13

„Guten Morgen, ich bin der Karl, wie Karl der Große“, sagt Herr Mieser als wir uns das erste Mal auf dem Flur seines Wohnbereiches begegnen.

Ich habe gestern meinen Dienst als Pflegedienstleitung im Marienhaus angetreten.
Die kleine Feier zu meinem Dienstantritt fand im Beisein der Bewohner und der Mitarbeiter statt. Schon da war mir Herr Mieser aufgefallen, weil er im Gegensatz zu den meisten anderen Bewohnern sehr interessiert das Geschehen verfolgte und mir bei meiner kleinen Antrittsrede aufmerksam zu hörte.

Herr Mieser lacht. „Nennen Sie mich bitte Karl“ sagt er, „meinen Nachnamen mag ich nämlich überhaupt nicht, das war schon immer so, und jetzt muss ich ihn ja auch nicht mehr hören. Am liebsten würde ich ja noch einmal heiraten und dann den Namen meiner Frau annehmen“, setzt er noch hinzu und lächelt verschmitzt. „ Früher ging so was ja nicht.“

Ohne Zweifel, er ist für seine 84 Jahre ein sehr attraktiver Mann, fast einen Kopf größer als ich, und die vielen kleinen Fältchen um die Augen, zeugen davon, dass er wohl auch immer schon gern gelacht hat. Er lebt schon seit 3 Jahren in diesem Haus, weil er durch einen Schlaganfall linksseitig stark bewegungseingeschränkt ist, und da er keine Angehörigen mehr hat, konnte er nicht mehr allein leben.

Wir setzen uns einen Moment in die Sitzecke des Ganges und ich bitte ihn, mir doch ein wenig mehr von sich zu erzählen. Er spricht wieder sehr flüssig und gut verständlich.
„Leider war das am Anfang nach meinem Schlaganfall nicht so, da kamen immer andere Worte heraus, als ich sagen wollte, und die anderen konnten mich nicht verstehen, aber jetzt klappt es wieder.“
Und er erzählt mir, dass er bereits seit 15 Jahren Witwer ist, zwei Jahre nach dem Tod seiner Frau seinen Sohn durch einen Autounfall verloren hat. Enkel und Geschwister hat er nicht und so lebt er jetzt eben im Marienhaus in der 3. Etage in einem schönen Einzelzimmer.
„Eigentlich fühle ich mich ja auch ganz wohl hier, wenn ich nur etwas mehr Gesellschaft hätte. Viele meiner Mitbewohner sind ja leider nicht mehr klar im Kopf“, und er macht eine eindeutige Geste mit dem rechten Zeigefinger an die Stirn.
Er hat ja recht, viele Bewohner sind körperlich weitaus besser dran als er, aber leider doch doch schon vergesslich oder verwirrt, so dass er wenig Ansprache hat.
„Vielleicht können SIE mir ja einen Gesprächspartner oder noch lieber eine Gesprächspartnerin organisieren“, sagt er mit spitzbübischem Lächeln.
„Na, dann will ich mal sehen, was ich für Sie tun kann Karl,“ sage ich und setze meinen Rundgang fort.

In der ersten Etage treffe ich auf Frau Müller. Sie hat das gleiche Problem in ihrer Wohngruppe. Auch sie ist körperlich stark eingeschränkt. Sie sitzt wegen einer beidseitigen Unterschenkelamputation im Rollstuhl, mit dem sie sich aber zumindest im Haus gut bewegen kann. Aber auch ihr fehlt es an Ansprache und so vergehen die Tage im Heim für sie auch sehr eintönig und sie verbringt viel Zeit vor dem Fernseher. „Aber viel lieber würde ich mich mal wieder unterhalten,“ seufzt sie. Wie auch Herr Mieser hat sie keine Angehörigen und der einzige Besuch, den sie, wenn auch selten, bekommt, ist der einer ehemaligen Nachbarin. Ich überlege nicht lange. Ich mache die beiden Herrschaften, die sich nur flüchtig vom Sehen kennen, miteinander bekannt. Und siehe da, Frau Müller ist immer häufiger in der 3. Etage anzutreffen. Sie und Herr Mieser haben sich immer viel zu erzählen. Und als in der 3. Etage neben Herrn Mieser das Zimmer frei wird, zieht Frau Müller um.

Nach einigen Monaten duzen sie sich und wir sehen sie Hand in Hand am Tisch sitzen.
Bei den Mahlzeiten hilft sie ihm, er liest ihr die Zeitung vor, weil ihre Augen nicht mehr die besten sind, aber das Erfreulichste ist, dass sie sich immer ganz viel zu erzählen haben, die 80jährige Frau Müller im Rollstuhl und der 84jährige Herr Mieser.

Kurz vor seinem 85. Geburtstag wünscht Karl mich zu sprechen und kommt in mein Büro.
Nach kurzem Herumdrucksen fragt er, ob es nicht möglich ist, in seiner Etage ein Doppelzimmer zu bekommen.
„Wissen Sie, wir möchten nämlich heiraten“.
Leider mussten die beiden Verliebten noch fast 3 monate auf das Doppelzimmer warten.
Als dann beide sich eigerichtet hatten, haben sie es getan, sie haben geheiratet und Karl hieß von da an Herr Müller…

Alle Namen, sowohl die der Bewohner als auch des Hauses, entspringen meiner Fantasie, die Geschichte nicht.


Sonntag, 08. Juli 2018

Vorbei

Von mirabelle48, 12:47

Vorbei die Zeit der unbeschwerten Kindertage,
denn das, was schwer war, trug ich gern für dich,
auch wenn ich dich nicht mehr auf meinen Armen trage,
zu groß und auch zu schwer bist du für mich.

Vorbei die ersten Schritte auf dem Weg ins Leben,
vertrauensvoll gemacht an meiner Hand.
Ich konnte dir nicht viel, nur Liebe geben,
doch sie war es, die uns ganz fest verband.

Vorbei die Schulzeit, die dich oft betrübte,
im Rückblick jedoch eine schöne scheint,
wenn ich mit dir für manche Arbeit übte,
lästig für dich, doch ich hab's gut gemeint.

Vorbei die Zeit unendlich vieler Fragen,
die du mir stets voll Neugierde gestellt.
Kannst nun allein das Abenteuer wagen,
entdeckst für dich dir deine eig'ne Welt.

Vorbei - doch eines bleibt so wie in Kindertagen:
Wenn du mich brauchst bin ich für dich bereit...
Dann darfst du gern auch zukünftig mich fragen,
denn meine Liebe bleibt dir allezeit.

Für Jan

Mittwoch, 04. Juli 2018

Sehnsucht

Von mirabelle48, 18:06

Vorbei ist nun der laute Tag.

Es folgt die Stille, die ich mag.

Auf leisen Sohlen und ganz sacht

Umfängt mich jetzt die dunkle Nacht.

 

Kummer und Streit beiseite räumen,

und in der Stille kann ich träumen

von Sternen, die ich niemals sah,

unendlich fern, doch greifbar nah;

 

von Menschen, die nach Frieden streben,

die nicht im Egoismus kleben,

die teilen können, was sie haben,

statt sich nur selbst am Quell zu laben.

 

Von Kindern, die noch Liebe fühlen,

statt dass sie mit Gewehren spielen.

Von Eltern, die nicht fliehen müssen,

damit nicht andre  sie erschießen;

 

von Alten, denen bleibt die Würde,

die nicht betrachtet nur als Bürde;

von Frevlern, denen man vergibt,

weil man die Frevler dennoch liebt.

 

Und durch des bleichen Mondes Licht

da seh ich plötzlich ein Gesicht,

und jählings will es mir erscheinen,

es bleibt nicht nur bei diesem einen.

 

Viel Sehnsuchtsvolle sicherlich,

die Träume haben, so wie ich.

Und doch, die Nacht vergeht so schnell.

Schon wird es draußen wieder hell

Vorbei, die Stille, die ich mag,

erneut beginnt ein lauter Tag.

Samstag, 16. Mai 2015

Hör nicht auf ihn

Von mirabelle48, 19:43

Er will dich betören

ihn doch zu erhören,

er will dich belehren,

lautstark  dich bekehren

Treue ihm zu schwören,

deine Schritte lenken,

mit ihm Fahnen schwenken,

mit schon all den Vielen

"Fremde raus" zu brüllen.

Folgst du seinen Reizen,

wird er dich verheizen.


Du fragst, wer das ist?

Ein Propagandist.

Sonntag, 05. April 2015

Heute Tröglitz und morgen?

Von mirabelle48, 18:28



Häuser - zu Trümmern zerbombt,

Tote - verblutet im Kugelhagel,

Augen - tränenblind ob dieser Bilder,

Ohren - taub vom Angstschrei der Kinder,

Münder -  stumm vor Entsetzen,

Überlebende - traumatisiert geflohen,

Hoffende - auf ein Leben ohne Krieg.

Fremde – unerwünscht.


Osterfeuer - von Fremdenhassern entzündet.

Freitag, 20. März 2015

Denk ich an Deutschland in der Nacht

Von mirabelle48, 09:14

Um es mal mit Heinrich Heine zu sagen: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht“.

Allerdings anders als Heine verzehre ich mich nicht nach meinem Mütterlein, sondern ich sehe mit Erschrecken, wie sehr in diesem meinem Land, in dem ich ausgesprochen gern lebe, immer mehr extremistisches Gedankengut die Oberhand gewinnt, das in schier unerträglichen verbalen Schlammschlachten im Internet unters Volk gebracht wird. Leider  täglich in einer Weise, die mir fast Angst macht. Da werden seriöse Informationsquellen als "Lügenpresse" bezeichnet, aber frisch und fröhlich auf Seiten verlinkt, die an Manipulation nichts zu wünschen übrig lassen.

 

Da sind zum Einen die unbelehrbaren ewig Gestrigen, die sich nicht scheuen, mit rechts außen stehenden braunen, Fahnen schwenkenden und fremdenfeindlichen Parolen brüllenden  Nazis ins gleiche Horn zu tuten. Ängstlich darauf bedacht sind, dass ihre Deutschtümelei nur ja nicht gestört wird von Flüchtlingen und Asylbewerbern aus anderen Kulturkreisen. Vielleicht hat der Eine oder Andere nicht bedacht, dass auch seine Vorfahren mal in unser Land kamen, um hier zu arbeiten und ein menschenwürdiges Leben zu führen.

 

Ich lebe schon seit über 40 Jahren in NRW, es gibt eine Menge Namen von deutschen Familien hier, die darauf schließen lassen, dass die Vorfahren dieser Mitmenschen vor mehreren Generationen hierher eingewandert sind, weil sie aus politischen oder auch aus wirtschaftlichen Gründen in ihrer Heimat keine Perspektive sahen und um die Jahrhundertwende des 19./20. Jahrhunderts ihre Heimat verlassen und z.B. im Bergbau ihr Geld verdient haben. Ich empfehle allen Deutschtümlern, mal bewusst in ihren Stammbaum zu schauen.

 

Und dann gibt es da auf der anderen Seite die linken Chaoten, „Antifaschisten“, die ebenso darauf aus sind, das bestehende System zu verändern, die nicht verstanden haben, dass nicht alles, was über den großen Teich zu uns kommt, Teufelswerk ist, dass im Gegenteil nur in dieser freiheitlich-demokratischen Grundordnung es möglich ist, straffrei überhaupt ihre Parolen zu posten. Wer die Gefahr nicht erkennt, die von einem diktatorischen System, das Völkerrecht durch Annexion außer Kraft setzt, Opposition nicht duldet, im Gegenteil, den Feind ausschließlich auf der anderen Seite des Atlantiks sieht, der ist genau so gefährlich nach meinem Empfinden wie die andere Seite.

 

Ich bin nicht blind, ich sehe durchaus, dass in unserem Land eine Menge verbesserungswürdig ist. Aber es wird mit Sicherheit nicht besser, wenn diese zur Zeit herrschende Stimmungsmache beider Seiten weiter so exzessiv betrieben wird. Wir haben das Recht - und wie ich meine auch die Pflicht -, an der Wahlurne mit unserer Stimme für die Demokratie zu entscheiden, uns aktiv an politischen Prozessen zu beteiligen und unsere Zukunft zu gestalten, tun wir es! Geben wir Obacht, dass weder die rechten Knobelbecher noch die linken Chaoten und Steinewerfer je das Sagen in unserem Land bekommen. Es wäre sein Ende.

Dienstag, 27. Januar 2015

Mit Pappnas und Narrenkapp

Von mirabelle48, 19:45

Ein Blick auf den Kalender macht mir klar,

die Zeit ist kurz bis Mitte Februar.

Bis Aschermittwoch ist es nicht mehr weit.

Drum nutze ich den Rest der Narrenzeit

und setze wie die  letzten Jahre auch

die Narrenkappe auf, weil es so Brauch.

Und mit der roten Pappnas im Gesicht

schrieb  ich für euch das folgende Gedicht.

Erzähle euch von Nebensächlichkeiten,

versuche, euch zum Schmunzeln zu verleiten,

denn nicht nur Katastrophen hat das Leben,

es sollte uns auch Spaß und Lachen geben.

* 

Im Februar war Winterolympiade.

Nur wenig Gold für uns, das war sehr schade.

Doch haben wir uns trotzdem sehr gelobt,

denn schließlich haben wir auch nicht gedopt.

Wie dumm, dass das nicht stimmte voll und ganz:

Im Blut von Evi S. gab’s ne Substanz,,

die da so ganz und gar nicht hingehörte,

weshalb man über sie sich sehr empörte. 

*

Beim ESC im Mai in Kopenhagen,

hat Österreich den Sieg davon getragen.

Gewann dort nun ein Mann, war’s eine Frau?

Ich weiß es immer noch nicht ganz genau.

Doch eigentlich ist das auch ganz egal,

denn diese Stimme war phänomenal. 

*

Im Juli gab‘s nur eins, was wirklich zählt

regierte doch der Fußball da die Welt.

Und  Jogis Mannschaft hatte nur ein Ziel:

Als Weltmeister zurück kehrn aus Brasil.

Und als das nach viel Mühe auch gelungen,

da haben wir „Ein Hoch auf uns“ gesungen

und waren noch nach Tagen „Atemlos“.

Die Freude war wahrhaftig riesengroß. 

*

Auch habe ich im Sommer sehr  gelacht,

wie mancher  Promi sich zum Depp gemacht.

Da schütten die sich über ihre Zwiebel

mit Eis und Wasser voll gefüllte Kübel.

Doch mancher ließ es auch dabei bewenden,

ganz  ohne diesen Quatsch sein Geld zu spenden,

die wollten eines nur, der Forschung helfen

und brauchten sich dafür nicht blöd zu „selfen“.

*

Für viele sind ja Selfies mächtig „in“.

Kaum aufgenommen schon bei Twitter drin,

egal, wo sie auch gehen oder stehen

die ganze Welt kriegt ungefragt zu sehen,

live und in Farbe und noch möglichst schrill,

was sie womöglich gar nicht sehen will.

* 

Einst hatte man gedacht, der Markus Lanz,

er wäre doch der Richtige, der kann’s.

Jedoch die Show der meist abstrusen Wetten,

die konnte auch ein Markus Lanz nicht retten.

Und demzufolge wurd zu guter Letzt

die Sendung  im Dezember abgesetzt.

Doch seine Fans, die bleiben trotzdem heiter:

In seiner Talkshow quasselt er noch weiter.

* 

Und überhaupt wird überall getalkt

fast fühle ich mich schon davon gestalkt.

Ob  Plasberg, Illner, Maischberger  und Will

Hauptsache talken, sei es auch oft Müll.

Am Sonntagabend dann noch Günther Jauch,

denn neben seinem Quiz da talkt der auch.

Und von der einen Talkshow hin zur andern

sieht man dieselben  Diskutanten  wandern.

Mein Vorschlag: Macht  doch eine aus den vielen,

nach Herzenslust darf dort dann jeder spielen.

 

* 

Und dann kommt mir noch grade in den Sinn,

was  ist denn mit dem Airport in Berlin?

Wie lange muss man denn noch darauf warten,

dass dort mal endlich können  Flieger starten?

Ich glaube fast, dass dieses Großprojekt

wie viele andre elendig verreckt.

Herr Mehdorn war wohl nicht der große Macher,

dass man ihn holte, war für mich ein Lacher.

Nun will er weg, doch kann er noch nicht gehn,

denn nirgends ist ein Nachfolger zu sehn. 

* 

Es stand im Regenbogenblätterwald,

dass Englands George wird großer Bruder bald

und dass es seiner Mama, Princess Kate

wie schon unlängst mal wieder übel geht.

Für Royalisten sicher von Interesse,

die Nachricht aus der Regenbogenpresse

Schon wieder Nachwuchs für den Britenthron,

mich langweilt diese Information.

*

Da gehen auf die Straße Patrioten,

geführt von rechten  Nazis und  Chaoten.

„Wir sind das Volk“, mit Afd und NPD vereint?

Nein, nicht mit mir, ich bin da nicht gemeint.

Wacht endlich auf, trennt euch von den Schwachmaten,

dann reden auch mit euch die Demokraten.

Nur schwarz zu malen, das ist ungesund,

und braun gefällt mir nicht, ich mag es bunt.

 

*

 

Doch nun genug der Nebensächlichkeiten,

ich wollte doch nur etwas Spaß bereiten.

Und bis zum nächsten Jahr bin ich als Jeck

Mit Narrenkapp und Pappnas wieder weg 

 

 

Freitag, 02. Januar 2015

Rattenfänger

Von mirabelle48, 11:09
                          Rattenfänger


Wie in längst vergangner Zeit,

die ich überwunden fand,

ziehen wieder mal auch heut

Rattenfänger durch das  Land.

 

Redlich kommen sie dir vor.

Ihrer Pfeife Melodie,

schmeichelnd geht sie dir ins Ohr

und schon singst du mit wie sie.

 

Schwenkst begeistert ihre Fahnen

folgst mit festem Schritt und Tritt,

ziehst mit ihnen deine Bahnen,

grölst ihre Parolen mit.

 

Stolz zeigst du die Transparente

„Hier ist nicht für Fremdes Platz“

Taub bist du für Argumente.

Deine Angst bewirkt die Hatz.

 

Es ist recht, zu protestieren,

wenn kein Rattenfänger führt;

denn sonst kann es schnell passieren,

dass daraus ein Gasmann wird.



Copyright: Sibylle Engel

Dienstag, 09. Dezember 2014

Noch lang nicht am Ende

Von mirabelle48, 11:08

www.youtube.com/watch?v=tlydkt2CyDw


Es ist ein kalter, trüber Dezembernachmitttag. Schnee liegt in der Luft. In der vorweihnachtlich hell erleuchteten Einkaufsstraße meiner Stadt herrscht reges Treiben. Weihnachtlich mehr oder weniger kitschig dekorierte Schaufenster der Geschäfte und Warenhäuser locken Kunden an, offenbar mit  gutem Erfolg, denke ich mir, denn fast alle tragen prall gefüllte Tüten oder Pakete mit dem Aufdruck der unterschiedlichen Läden mit sich, einige auch Pakete, die schon in Weihnachtspapier verpackt sind. Und alle scheinen es sehr eilig zu haben, in ihre warmen Wohnungen zu kommen. Es ist wahrlich sehr ungemütlich.

 

Auch ich habe es eilig, ich hatte einen Arzttermin und wenn ich forsch weiter gehe, dann kann ich den Bus noch erreichen, der mich in den Stadtteil bringen soll, in dem ich wohne. Ich möchte ihn unbedingt noch erwischen, denn die Aussicht, eine halbe Stunde bei diesem Usselwetter auf den nächsten warten zu müssen, ist mir ein Graus.

Durch die Geräusche der Fußgängerzone - Rock-Christmas-Gedudel aus unterschiedlichen Geschäften,  einen Straßenmusikanten, der seine Geige mit Jingle Bells quält, schräg gegenüber El Condor pasa einer Panflöten-Truppe in bunten Pochos,  laute Handytelefonierer, quengelnde Kinder, energisches Schimpfen genervter Eltern und einem vom Wind aus der parallel verlaufenden Hauptverkehrsstraße herüber gewehten Tatütata eines Krankenwagens -  höre ich plötzlich jemanden meinen Namen unsicher fragend rufen.

Ich stutze, die Stimme kommt mir bekannt vor, aber ich kann mich nicht besinnen, wo ich sie schon einmal gehört habe. Und dann sehe ich ihn am Rande der Fußgängerzone, neben dem Eingang des größten Kaufhauses unserer Stadt: Einen Mann, schätzungsweise in meinem Alter, kauernd auf einer karierten Decke sitzend, bekleidet mit einer Jacke, die für diese Temperaturen viel zu dünn erscheint und schon wesentlich bessere Tage gesehen hat, wirr das graue Haupthaar, verfilzt der Bart, der es fast unmöglich macht, sein Gesicht zu erkennen. Vor ihm auf der Decke liegt ein verbeulter alter Hut, in dem sich einige Münzen befinden. Alles in Allem ein Bild des Jammers.

Faltig die Hand, die er mir nun entgegen streckt und als ich in seine Augen schaue, die mich verschmitzt anlächeln, da dämmert es mir:

Das muss Chris sein, der mit mir gemeinsam damals in den Siebzigern des vorigen Jahrhunderts seine Ausbildung machte zum Krankenpfleger. Ein Klassenclown par excellence, der uns  und unsere Dozenten ein ums andere Mal zum Lachen brachte, ständig irgendwelche Streiche ausheckte, wobei er Letztere oft an den Rand des Wahnsinns trieb, bei den Patienten jedoch wohl gerade deshalb besonders beliebt war. Nach unserem Examen wechselte er der Liebe wegen das Bundesland und wir verloren uns aus den Augen.

Vergessen ist mein Bus, den ich doch unbedingt noch erwischen wollte, ich spüre auch die Kälte nicht mehr. „Chris?“ frage ich ebenso vorsichtig, wie er meinen Namen nannte.

„Ja, da staunst du“, antwortet er. „Ich habe Zeit, wollen wir in der Cafeteria des Kaufhauses einen heißen Tee trinken und etwas essen? Dann können wir auch ausgiebig quatschen“, schlage ich vor.

„Sehr gerne“, sagt er, packt seine wenigen Habseligkeiten zusammen und folgt mir ins Kaufhaus.

Und dann erzählt er: Von seiner zerbrochenen Beziehung, dass der Unterhalt für seine Exfrau und die 3 Kinder ihm wenig nur zum Leben ließ, die Krankheit, die ihn aus der Bahn warf, seine Flucht vor seinen Problemen in den Alkohol, dem er aber seit einigen Jahren schon abgeschworen hat, von seinem Verlust der Wohnung, weil er Miete und Strom nicht mehr bezahlte und von seinem Leben auf der Straße.  Arbeiten konnte er nicht mehr. Und so tingelte er durch die Republik und  lebte von dem, was die Menschen ihm in seinen Hut warfen und sammelte Pfandflaschen, seine Kinder hatten sich von ihrem obdachlosen Vater abgewendet. Aber seine Augen blitzen schelmisch wie früher, als er sagt: „Ich bin zufrieden, ich bin frei, mir geht es gut, im Sommer schlafe ich im Freien, im Winter verbringe ich die Nächte in einer Einrichtung für nicht sesshafte Obdachlose. Aber jetzt erzähl mir mal, was du die ganzen Jahre so getrieben hast“.

Und auch ich erzähle und als das Kaufhaus schließt, merke ich erst, dass ich mich nun wirklich sputen muss, um den nächsten Bus zu kriegen, denn jetzt fährt er nur noch stündlich.

Wir trennen uns und gehen in entgegengesetzten Richtungen in den Abend.

Als ich einige Tage später wieder dort vorbeigehe, ist sein Platz leer und auf meine Nachfrage im Heim, erfahre ich, dass er wohl weiter gezogen ist.

Mach‘s gut Chris, es war schön, dich getroffen zu haben.

Sonntag, 30. November 2014

Satire darf alles

Von mirabelle48, 13:41

...sagt Kurt Tucholsky.

Wirklich alles?

Darf sie bewusst Menschen verletzen, sie vorführen wie einen Tanzbären im Zirkus und dem sich auf die Schenkel klopfenden gröhlendem Publikumslöwen zum Fraß vorwerfen?

Ist das wirklich Satire oder nicht doch eher Menschen verachtende Gaudi zu Ungunsten einger Schwacher, über die die vermeintlich Starken glauben, sich erheben zu müssen?

Satire darf, ja sie soll, aufzeigen, überzeichnen und auf (hoffentlich) humorvolle Weise Missstände deutlich machen, die Obrigkeiten und ihre Dummheit oder ihr Fehlverhalten enttarnen, auch wenn einem manchmal das Lachen im Halse stecken bleibt.

Aber darf man in einem Internetforum Mituser ehrverletzend bloßstellen zur allgemeinen Volksbelustigung? Beispielsweise, jemand, den ich nicht mag, weil er wirklich oft dummdreist daher kommt, schreibt fehlerhaft,  ist es dann Satire, wenn ich, weil ich es doch ach so lustig finde, ihn in meinen Postings permanent kopiere, ihn reize, bis er ausrastet, wild um sich schlägt, ihm dann das vorwerfe- ist das Satire?

Wenn ich mich darüber lustig mache, dass jemand das Wort Satire falsch schreibt, nämlich mit "ie", es dann zum Gegenstand eines "satirischen" Textes mache, statt ihm (in diesem Fall ihr) ins Postfach zu schreiben, dass sie sich geirrt hat, ist das wirklich Satire?

Wenn ich in allen Bereichen eines Forums permanent auf die Suche nach ehemaligen Mitgliedern gehe, und kaum dass ich sie finde, diesem und der Gemeinschaft das in einem ganzen Abschnitt eines Artikels um die Ohren haue, klar ist dieser mal mal geflogen - ich schäme mich heute ein wenig- damals daran beteiligt gewesen zu sein, ist das Satire, ihn bloß zu stellen?

Ist es Satire, das ganze dann als Persiflage auf sich selbst zu verkaufen? Ist es das wirklich?

Ich meine nein, das hat Tucholsky ganz sicher nicht gemeint, als er schrieb: Satire darf alles. Ich nenne es ganz übles und boshaftes Vorführen und Bloßstellen von Mitmenschen. Ich mag die in solchen Artikeln am Nasenring vorgeführten User auch nicht wirklich, sie sind wahrlich keine Sympathen,aber was da veranstaltet wird seit Tagen und Wochen zur allgemeinen Volksbelustigung, quer durch alle Bereiche dieder Plattform finde ich einfach übelst hinterfotzig, ein anderes Wort fällt mir jetzt nicht ein.

Ich gebe zu, es gab mal eine Zeit, da hab ich mich an solchen bösen Spielchen auch beteiligt und fand das sogar lustig. Wie gesagt, ich schäme mich heute dafür und nenne es heute, wie ich es empfinde: Hetze und Säue durchs Dorf treiben. Und mit Menschen, die das tun oder sich darüber ausschütten wollen vor Lachen, mit denen will ich nichts (mehr) zu tun haben, ich weiß, dass ich die Meute nicht ändern kann, erst recht nicht die  Rädelsführer, aber ich verachte sie. Ich überlege ernsthaft, das Portal   zu verlassen.

Zumindest aber werde ich mich bis auf Weiteres  dort mal zurück ziehen.

1. Advent

Von mirabelle48, 12:21



Vorweihnachtlich das Heim geschmückt,

Adventskalender süß bestückt,

Lichter dekoriertes Grün,

hängte ich ans Fenster hin,

 

auch aus Holz die Weihnachtsstadt,

die man noch vom Vorjahr hat

und die allen so gefällt,

habe ich schon aufgestellt.

 

Heimelig zieht durch die Luft

Zimt- dazu Bratapfelduft,

auf dem Tannenkranz da brennt

das erste Licht. Es ist Advent.

Freitag, 28. November 2014

Herbstliches

Von mirabelle48, 09:28

 

Wenn sich vorm Haus der Baum im Sturme biegt,

sein Laub als bunter Teppich auf dem Boden liegt,

wobei ein einz‘ges allerletztes Blatt

erfolgreich bisher standgehalten hat,

um dennoch morgen schon mit goldnem Glänzen

die Farbenpracht des Teppichs zu ergänzen;

 

wenn Eckern, Eicheln unter Schuhen knacken,

Kastanien treffen schmerzend mich im Nacken,

wenn Morgennebel träge aus den Wiesen steigt,

bevor sich siegreich später doch die Sonne zeigt;

 

wenn alle Nüsse, die es wo entdeckt,

das Eichhörnchen als Vorrat schnell versteckt,

der Igel mit instinktlichem Gespür

sich für den langen Schlaf baut sein Quartier;

 

wenn Menschen wieder drehen an der Uhr,

wenn gähnend müde und behäbig  die Natur,

dann mach auch ich mich herbstlich schon bereit

für eine lange dunkle Winterzeit 

und wünsche mir, demütig und zufrieden:

Es seien mir viel Herbste noch beschieden.

Mittwoch, 24. September 2014

Du bist nicht wie sie

Von mirabelle48, 13:22

 

Du bist nicht wie sie,

fremd im eigenen Land,

sie verstehen dich nicht,

sie grenzen dich aus,

verfolgen und bedrohen dich,

verwehren dir Bildung und Arbeit,

vertreiben dich aus deinem Haus,

nehmen dir die Heimat.

 

 

Du bist nicht wie sie,

nimmst alles, was du tragen kannst

und gehst.

Beschwerlich ist die Reise

in eine  ungewisse Zukunft,

einerseits voller Trauer,

andererseits  voller Hoffnung

erreichst du dein Ziel.

 

 

Du bist nicht wie sie,

sie verstehen dich nicht,

pferchen dich ein,

grenzen dich aus,

nennen dich Schmarotzer,

verwehren dir Bildung und Arbeit,

und rufen: Raus mit dir.

Und manchmal

stecken sie dein Lager in Brand.

 

 

Du bist nicht wie sie –

Willst du es wirklich werden?

Montag, 14. Juli 2014

"Sternenzauber"

Von mirabelle48, 11:08



Weißt du wie viel Sterne stehen?

sang die Mutter mir als Kind,

heimlich lief ich, nach zu sehen

ob’s wohl mehr als hundert sind.

 

Doch erkannte ich beizeiten,

dass man sie nicht zählen kann,

in unendlich großen Weiten,

zieht die Erde ihre Bahn.

 

Unerreichbar in der Ferne

leuchten uns in dunkler Nacht

millionenfach die Sterne

glänzen dort in ihrer Pracht.

 

Wenn ein Stern zur  Erde fällt,

wird der Himmel wohl nicht ärmer,

doch in unsrer Fußballwelt

wird es in den Herzen wärmer.

 

Die Sieger tragen selbstbewusst

nun  deren vier auf ihrer Brust