Denk ich an Deutschland in der Nacht
Von mirabelle48, 09:14Um es mal mit Heinrich Heine zu sagen: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht“.
Allerdings anders als Heine verzehre ich mich nicht nach meinem Mütterlein, sondern ich sehe mit Erschrecken, wie sehr in diesem meinem Land, in dem ich ausgesprochen gern lebe, immer mehr extremistisches Gedankengut die Oberhand gewinnt, das in schier unerträglichen verbalen Schlammschlachten im Internet unters Volk gebracht wird. Leider täglich in einer Weise, die mir fast Angst macht. Da werden seriöse Informationsquellen als "Lügenpresse" bezeichnet, aber frisch und fröhlich auf Seiten verlinkt, die an Manipulation nichts zu wünschen übrig lassen.
Da sind zum Einen die unbelehrbaren ewig Gestrigen, die sich nicht scheuen, mit rechts außen stehenden braunen, Fahnen schwenkenden und fremdenfeindlichen Parolen brüllenden Nazis ins gleiche Horn zu tuten. Ängstlich darauf bedacht sind, dass ihre Deutschtümelei nur ja nicht gestört wird von Flüchtlingen und Asylbewerbern aus anderen Kulturkreisen. Vielleicht hat der Eine oder Andere nicht bedacht, dass auch seine Vorfahren mal in unser Land kamen, um hier zu arbeiten und ein menschenwürdiges Leben zu führen.
Ich lebe schon seit über 40 Jahren in NRW, es gibt eine Menge Namen von deutschen Familien hier, die darauf schließen lassen, dass die Vorfahren dieser Mitmenschen vor mehreren Generationen hierher eingewandert sind, weil sie aus politischen oder auch aus wirtschaftlichen Gründen in ihrer Heimat keine Perspektive sahen und um die Jahrhundertwende des 19./20. Jahrhunderts ihre Heimat verlassen und z.B. im Bergbau ihr Geld verdient haben. Ich empfehle allen Deutschtümlern, mal bewusst in ihren Stammbaum zu schauen.
Und dann gibt es da auf der anderen Seite die linken Chaoten, „Antifaschisten“, die ebenso darauf aus sind, das bestehende System zu verändern, die nicht verstanden haben, dass nicht alles, was über den großen Teich zu uns kommt, Teufelswerk ist, dass im Gegenteil nur in dieser freiheitlich-demokratischen Grundordnung es möglich ist, straffrei überhaupt ihre Parolen zu posten. Wer die Gefahr nicht erkennt, die von einem diktatorischen System, das Völkerrecht durch Annexion außer Kraft setzt, Opposition nicht duldet, im Gegenteil, den Feind ausschließlich auf der anderen Seite des Atlantiks sieht, der ist genau so gefährlich nach meinem Empfinden wie die andere Seite.
Ich bin nicht blind, ich sehe durchaus, dass in unserem Land eine Menge verbesserungswürdig ist. Aber es wird mit Sicherheit nicht besser, wenn diese zur Zeit herrschende Stimmungsmache beider Seiten weiter so exzessiv betrieben wird. Wir haben das Recht - und wie ich meine auch die Pflicht -, an der Wahlurne mit unserer Stimme für die Demokratie zu entscheiden, uns aktiv an politischen Prozessen zu beteiligen und unsere Zukunft zu gestalten, tun wir es! Geben wir Obacht, dass weder die rechten Knobelbecher noch die linken Chaoten und Steinewerfer je das Sagen in unserem Land bekommen. Es wäre sein Ende.


