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Gedankenreise

Wenn Gedanken auf die Reise gehen, entsteht manches Gereimte und auch Ungereimte.



Dienstag, 18. Oktober 2011

Herr Meier und die Feier

Von mirabelle48, 16:53

Neulich kam Herr Anton Meier

spät nach Haus von einer Feier.

Weil er dort auch kräftig tankte,

er beim Heimweg mächtig wankte.

Doch schlussendlich kommt der Mann

doch in seiner Wohnung an,

und entledigt, Zug um Zug,

sich der Kleidung, die er trug.

Und am Ende völlig nackt

hat er sich ins Bett gepackt,

 

Doch nach angemess’ner Zeit

ist die viele Flüssigkeit

die er vorher hat getrunken

durch Herrn Meiers Leib gesunken,

und sie will heraus mit Macht,

darum ist er aufgewacht.

Trunken noch von Schlaf und Bier

schwankt er zur bewussten Tür.

Hinter ihm mit lautem Krach

fällt sie zu. Nun ist er wach

und hat schmerzlich festgestellt,

hat die falsche Tür gewählt.

 

Zitternd steht er nun im Flur,

ohne alles, ganz Natur,

und zu allem Überfluss

er noch immer dringend muss.

Teuer ist nun guter Rat,

wenn man keinen Nachbarn hat,

sondern wenn der Nachbar weiblich.

Meier schämt sich unbeschreiblich,

drückt trotzdem den Klingelknopf,

sie macht auf dem armen Tropf,

und nach eiliger Erklärung

kommt er endlich zur Entleerung.


Später bietet sie dem Mann

einen Bademantel an,

den einst trug der Ehegatte

und sie aufgehoben hatte.

Für den letzten Rest der Nacht,

haben sie dann sehr gelacht,

bis im ersten Morgengrau

kam Herrn Meiers Zugehfrau.

Künftig ging er häufig hin

zu der netten Nachbarin,

und sie öfter auch zu ihm

bald schon wurden sie intim.

 

Fazit: Manchmal ist’s ein Glück

wenn passiert ein Missgeschick.

 

Montag, 17. Oktober 2011

An Abenden wie diesem

Von mirabelle48, 22:32

...lausche ich voller Dankbarkeit deinen tiefen, gleichmäßigen Atemzügen, die in meinen Ohren wie Musik klingen.

Geschafft. Dein Lieblingsmärchen zur Zeit, Peter Pan, ist vorgelesen, du liebst es immer noch, wenn ich dir vorlese, obwohl du mittlerweile selbst gut lesen kannst.

Alle Fragen, die du jedes Mal wieder stellst, um den Schlaf noch ein wenig hinauszuzögern, sind gefragt, alle Antworten von mir gegeben.  

Du hast dich mit einem wohligen Seufzer auf die rechte Seite gedreht  und bist eingeschlafen. Fest umklammerst du deinen kleinen Pinguin, der dich Zeit deines Lebens bereits begleitet.

Undenkbar ohne dieses kleine Stückchen gefüllten Frotteestoff zu schlafen. Ein Fremder wäre kaum in der Lage, dieses seltsame Etwas als Pinguin zu identifizieren, so oft, wie er bereits gewaschen wurde. So oft wie du ihn mir bereits in die Hand drücktest mit den Worten: „Pingu hat Aua, Oma wieder gesund machen.“ Fast keine Naht, die ich nicht nach nähen musste, weil du mit deiner großen und groben Liebe und Zärtlichkeit ihn ständig irgendwo verletztest. Und auch jetzt drückst du ihn wieder rau aber ganz lieb an dich, als hättest du Angst, dass ihn dir jemand wegnimmt.

Aufmerksam lausche ich an Abenden wie diesem deinen gleichmäßigen Atemzügen, dankbar nicht mehr immer in Hab-Acht-Stellung deinen Schlaf bewachen zu müssen, wie in jenem  Sommer  vor  acht Jahren.

Wieder, zum wievielten Mal eigentlich, quälte dich eine spastische Bronchitis, dein Atem rasselte, das Fieber stieg bedrohlich an. Deine Mama und ich waren mit dir nachmittags noch beim Arzt gewesen, Medikamente waren besorgt und du hattest sie bekommen, alles sollte gut werden, sagte der Arzt.

 Deine Mama war mit deinem Bruder hoch schwanger, in einigen Wochen sollte er geboren werden. Sie brauchte ihren Schlaf. Also übernahm ich es,  deinen Schlaf zu bewachen. Ich hatte dich im Arm, dich und deinen Pinguin, fast sitzend hielt ich dich, um dir das Atmen zu erleichtern.

 Ein oberflächlicher Schlaf, mit Atemgeräuschen die an rasselnde Ketten erinnerten, und dann plötzlich Stille. Bedrohlich, Angst einjagend, Panik auslösend. Eine Ewigkeit scheinend. 112 wählte ich, kaum in der Lage, Adresse und Grund des Notrufs vernünftig zu vermitteln.

 Beobachtend, horchend, da, wieder ein kurzes Rasselgeräusch, dann wieder Stille.

 Wie lange? Ich weiß es nicht, nur dass das fiebrige Rot deiner Haut sich in ein mir Angst einflößendes  Blau verwandelte, ich gleichzeitig das Signal des Krankenwagens hörte und dich erleichtert dem Notarzt in den Arm legte der dich sofort mit Sauerstoff versorgte und dir Cortison spritzte.

 Dann erst weckte ich deine Mama und fuhr mit dir ins Krankenhaus. Und natürlich kam Pingu  mit.

 Geschafft. Du hast es geschafft. Und die Ursache der häufigen Bronchitiden mit diesen bedrohlichen  asthmatischen Anfällen fand dann ein Allergologe heraus: Es waren unsere Katzen, die wir dann ganz schnell in liebe Hände abgaben.

 Und ja mein kleiner Großer,  jetzt bald Zehnjähriger, der immer noch nicht ohne seinen Pingu schlafen kann, deshalb sitze ich so oft und gern an Abenden wie diesem an deinem Bett und lausche  voller Dankbarkeit deinen tiefen, gleichmäßigen Atemzügen, die in meinen Ohren wie die schönste Musik klingen.

Gemein

Von mirabelle48, 13:26



Gleichgesinnte als Gemeinschaft

haben meist sehr viel gemein.

Mit  Gemeinheit man es schnell schafft,

allgemein gemein zu sein.

 


 

Sonntag, 16. Oktober 2011

Mein Freund

Von mirabelle48, 09:49



Sie sagen mir: "Er taugt doch nicht.

Du darfst ihm nicht vertrauen."

Sie warnen: "Glaub nicht, was er spricht,

du kannst nicht auf ihn bauen."

 

"Krank ist er", sagen sie,"ein Narr,

ein übler Psychoclown.

Weil er schon immer anders war,

drum darfst du ihm nicht traun."

 

Doch ihr  Geschwätz es stört mich nicht.

Ich lernte ihn gut kennen.

Stolz sag ich’s ihnen ins Gesicht:

"Ich darf ihn Freund nun nennen.

 

Ich mag ihn, anders, wie er ist

und schätze seine Klarheit.

Ihr hasst ihn doch nur, weil ihr wisst,

er sagte euch die Wahrheit."

 

Samstag, 15. Oktober 2011

Die Lebenskiste

Von mirabelle48, 18:24

Mühsam  ist dein Weg ins Leben,

schmerzvoll oft der Weg heraus.

Einwärts wird dir Licht gegeben,

doch am End macht Hein es aus.

 

Vom Beginn bis hin zum Ende

geht’s nicht immer linear,

oft bedarf es einer Wende,

weil dein Pfad ein Irrweg war.

 

Und in deine Lebenskiste

packt dir stetig dein Geschick

alles, was auf seiner Liste,

Sorge, Trauer, Liebe, Glück.

 

Oftmals kannst du es kaum tragen

deiner Kiste Schwergewicht.

Und dann stellst du tausend Fragen.

Antwort gibt das Schicksal nicht.

 

Wenn am Ende du Bilanz ziehst

staunst du über deine Kraft,

und du merkst, wenn du zurück siehst,

dass du doch ganz viel geschafft.

 

Eines Tages bleibst du liegen,

deine Kiste, sie ist voll.

Haben möge überwiegen

deine Seite mit dem Soll.

Du bist etwas ganz Besonderes

Von mirabelle48, 17:54

Es war 1 Woche vor deinem errechneten Geburtstermin. Warum es so war, weiß ich nicht mehr, aber ich entschloss mich, Überstunden abzubauen und war dadurch schon um 15.00 Uhr zu Hause.

Deine Mutter traf ich weinend dort an. Eine werdende Mutter sollte nicht weinen, sie sollte sich freuen und glücklich sein. Als sie mir sagte, dass sie starke Schmerzen hatte, die aber keine Wehen waren, rief ich deinen Vater an und sagte ihm ich würde deine Mama jetzt sofort ins Krankenhaus fahren. Er wollte dann sofort dorthin kommen.

Deine Mama erzählte mir auf der Fahrt unter Tränen, dass du heute erschreckend ruhig in ihrem Bauch warst. Ja, mein Lieber, ansonsten hast du immer sehr heftig getreten und geboxt, wir schlossen daraus, dass du entweder mal ein richtig guter Fußballspieler oder ein berühmter Boxer werden würdest. Diese Ruhe war bestimmt kein gutes Zeichen.
Leider war sie es wirklich nicht. Das CTG verzeichnete nur ganz schwache Herztöne von dir.

Eile war geboten, sie komplimentierten mich aus dem Kreisssaal und bereiteten alles für einen Notkaiserschnitt vor. Dein Papa schaffte es gerade rechtzeitig, um deine Mama in den OP zu begleiten. Und ich stand auf dem Flur davor, machte mir große Sorgen um euch beide und dachte an deinen „großen Bruder“, der mit seinen 18 Monaten doch auch noch ein Winzling war und jetzt von der Nachbarin betreut wurde.

Kleiner Mann, wir alle haben dich die ganze lange Zeit freudig erwartet. Dein Papa war stolz, dass er einen zweiten  Sohn bekommen sollte, deine Mama war voller Zärtlichkeit für dich und dein Brüderchen strich täglich neugierig über den sich immer stärker wölbenden Bauch deiner Mama und sagte strahlend „Baby“.

Tja, und ich, deine Oma freute sich mit ihnen, machte mir jedoch auch Sorgen, nicht zuletzt um die finanzielle Zukunft der kleinen, nun größer werdenden Familie. So sind sie, die Großmütter, mein Kleiner, sie denken oft etwas realistischer, weil sie selbst schon so einige Erfahrungen in ihrem Leben gesammelt haben.

Dann hörte ich die Sirene eines Krankenwagens und einige Augenblicke später eilten Männer mit einem Inkubationsbett an mir vorbei in den OP-Flur und mir war klar, dein Start in diese Welt war kein normaler.

Und wieder hieß es warten, wie mir schien endlos lang. Doch dann kam eine der Schwestern aus dem OP und ich durfte zu deinen Eltern. Deine Mutter lag schon in wieder in ihrem Bett im Vorraum und sie schlief. Dein Vater nahm mich leichenblass mit Tränen in den Augen in die Arme und sagte: „Ach, Mama, drück die Daumen, dass es gut ausgeht“, und er zitterte dabei.


Einen ganz kurzen Blick konnte ich auf dich werfen, bevor sie dich in die Intensivstation der Kinderklinik brachten, ein winziges Etwas, das ich vor lauter Schläuchen kaum ausmachen konnte, aber mein zweiter Enkel.

Dann endlich hatten die Ärzte Zeit, mit uns zu sprechen. Vielleicht hast du im Bauch deiner Mama viel zu wild herumgeturnt, jedenfalls hattest du dir die Nabelschnur mehrmals um den Hals gewickelt und als die Ärzte dich aus dem Bauch deiner Mama holten, schlug dein Herz nicht mehr. Aber sie reanimierten dich. Und du hast wohl kräftig mit gekämpft, sie schafften es, dich ins Leben zurück zu holen. Doch niemand wusste genau, wie lange du schon klinisch tot warst, sicher nur kurz, aber alle machten sich jetzt große Sorgen um dich.
Nur deine Mama noch nicht, die schlief noch.

Doch du zeigtest es uns allen. Nach 2 Tagen bereits brauchtest du nicht mehr beatmet zu werden, weitere 5 Tage später konntest du die Intensivstation verlassen und als du auch gelernt hattest, selbst zu trinken, da durftest du nach Hause.
Und mit jedem Monat, den du älter wurdest, zeigtest du uns, was für ein Dickkopf du bist.

Ein kräftiger Junge, der immer bis an die Grenzen geht. Dem kein Baum zu hoch, kein Graben zu breit ist. Der uns jeden Tag erneut zu verstehen gibt, dass er stark ist, eben eine richtige Kämpfernatur, manchmal auch voller Jähzorn, wenn etwas nicht auf Anhieb so klappt, wie er es sich vorstellt. Meist jedoch fröhlich und liebenswert und lernbegierig.

Und während ich auf den Kuchen, den ich für deinen morgigen Geburtstag gebacken habe, eine "8" male, kommt mir wieder in den Sinn: Ja, kleiner Mann, du bist etwas ganz Besonderes.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Nur so

Von mirabelle48, 21:30

Jutta, meine beste Freundin, kannte fast kein anderes Thema, seit sie in der neuen Firma arbeitete. Ob wir über Musik, Theater oder Mode sprachen, ob wir über Männer oder unsere Nachbarn tratschten, stets begannen ihre Statements mit: „Erich hat auch gesagt“, oder „Erich findet das auch gut“, oder „Erich würde das nie tun“.

Meine Güte, ich konnte es kaum noch hören. Erich konnte alles, wusste alles, war charmant, dennoch nie aufdringlich, hatte einen tollen Humor, niemals jedoch würde er einen zotigen Witz reißen, niemals die Kolleginnen anbaggern, wie die anderen männlichen Kollegen in ihrer Abteilung, nein, Erich war einfach unfehlbar.

Mit der Zeit wusste ich, wo du wohntest, welches Auto du fuhrst, wo du deinen Urlaub verbrachtest, was deine Lieblingsgerichte in der Kantine waren, dass du in deiner Freizeit dich ehrenamtlich im Fußballverein unseres Vorortes engagiertest, alle 4 Wochen zum Kegeln gingst und, dass du gegen Juttas Annährungsversuche offensichtlich immun warst. Und irgendwie, nur so, hatte ich nach einiger Zeit den Wunsch, dieses Prachtexemplar von Mann mal persönlich kennen zu lernen.

Nur so

gingen Jutta und ich dann eines Abends in die Kneipe, in der du deinen Kegelabend hattest. Nur so setztest du dich danach mit einem Kegelbruder zu uns an den Tisch. Nur so unterhielten wir uns prächtig und nur so kam es mir vor, als seiest du ein alter Bekannter von mir.

Nur so

trafen wir uns von da an häufiger, schließlich war ich noch nicht geschieden. Und etwas anderes als Freundschaft wollten wir damals auch nicht. Nur so, mehr nicht.

Nur so

warst du für mich da, als ich geschieden wurde, nur so hast du mir über die schwerste Zeit meines Lebens geholfen, als mein Sohn zunächst bei seinem Vater blieb.

Nur so

irgendwann, wurde Liebe daraus. Fast 30 lange Jahre lang, mit allem, was dazu gehört. Mit wunderbaren Glücksmomenten, mit heftigen Stürmen, die manchmal Orkane wurden, manchmal aber auch nur im Wasserglas tobten. Bis dann irgendwann gar kein Wind mehr aufkam und das Meer fast ohne Wellenbewegung blieb. Wir spürten, dass es vorbei war und wir trennten uns, nur so.

Und gerade heute denke ich an dich, nur so.