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Gedankenreise

Wenn Gedanken auf die Reise gehen, entsteht manches Gereimte und auch Ungereimte.



Donnerstag, 24. Mai 2012

Schusselliese

Von mirabelle48, 10:07


Die Liese ist gar schusselig
und manchmal auch sehr dusselig.

Schon als Liese noch ein Lieschen war, neigte sie zur Vergesslichkeit. Sei es, dass sie am Morgen ausgestattet mit Schultasche und Sportbeutel in die Straßenbahn stieg, um zur Schule zu fahren und erst in der Schule merkte, dass die Schultasche ohne sie mit der Linie 2 zum Depot fahren würde, sei es, dass sie wie verrückt die Englischvokabeln paukte, dann aber feststellte, dass am nächsten Tag nicht die Englischarbeit, sondern der Mathetest angesagt war, der selbstredend in die Hose ging, denn den hatte sie doch glatt vergessen.

Später, als aus dem Lieschen  eine Liese geworden war, die Schulzeit längst hinter ihr lag, konnte es schon mal passieren, dass sie erst auf dem Weg zum Bus bemerkte, dass heute ihr freier Tag war. Sie hatte am Abend vorher vergessen, den Wecker abzustellen und hatte das morgendliche Routineprogramm abgespult.

Ein anderes Mal  vergaß sie, die Pantoffeln gegen ihre Straßenschuhe auszutauschen und wunderte sich über die erstaunten Blicke der Menschen an der Bushaltestelle.

Und was so eine richtige Schusselliese ist, die vergisst natürlich auch schon mal  das Monatsticket in der Jacke, die sie gestern trug. Sie hatte aber Glück, die dadurch bedingten unbewussten Schwarzfahrten blieben unentdeckt und peinliche Situationen mit Kontrolleuren wurden ihr erspart.

Liese war und ist eben eine liebenswerte Chaotin. So wundert es auch nicht, dass sie kürzlich ihren Kühlschrank öffnete und dort ihren Schlüsselbund fand. Offenbar hatte sie nach dem gestrigen Einkauf vergessen, ihn an das Schlüsselbrett zu hängen und beim Einräumen der Lebensmittel mit in den Kühlschrank gepackt.

Ich gebe zu, Schusselliese ist mir sehr sympathisch, ist sie mir doch sehr ähnlich, oder bin ich es gar selbst?

Samstag, 12. Mai 2012

Muttertag

Von mirabelle48, 08:29



Ein kleiner Strauß Vergissmeinnicht,

zwei Zeilen Muttertagsgedicht:

„Du bist für mich die Allerbeste,

drum gratulier ich dir zum Feste“.

 

Und während Mütterlein und Kind

mit Knuddeln noch beschäftigt sind,

wirkt in der Küche, nebenan,

schon liebevoll der Ehemann.

 

Fast fertig ist der Tisch gedeckt,

die Eier sind schon abgeschreckt,

es blubbert die Kaffeemaschine,

zufrieden ist des Mannes Miene.

 

So geht er frohgemut nach drüben,

zu holen seine beiden Lieben.

Mit Muttertageszärtlichkeit

benötigt das geraume Zeit.

 

Und plötzlich zieht statt Kaffeeduft,

ein völlig andrer durch die Luft.

Hat doch der Hausherr unterdessen,

im Herd die Brötchen ganz vergessen.

 

Doch fällt das Frühstück nun nicht aus,

es ist ja auch noch Brot im Haus.

Manch Muttertag, der schräg begann

noch ein "besondrer" werden kann.

Freitag, 11. Mai 2012

Radgedanken

Von mirabelle48, 11:23

Die ersten Räder, die einen Menschen von A nach B bringen, sind die Räder seines Kinderwagens. Zugegeben, niemand fragt ihn, ob er überhaupt von A nach B will. Und er braucht auch nichts dazu zu tun, das erledigen die Erwachsenen für ihn. Er wird gefahren.

Kaum diesem Gefährt entwachsen lernt er laufen und hat Sehnsucht, sich schneller fort zu bewegen.  Ein Dreirad ist der größte Wunsch. Und mit der Hilfe der Erwachsenen  lernt er schnell, eigenständig und selbst bestimmt von hier  nach dort  zu kommen. Voller Stolz  gepaart mit Wehmut beobachten die Eltern, die immer besser werdende  Koordination ihres Kindes, wohl schon ahnend, dass diese Räder der Anfang vom Ende der Abhängigkeit sind.

Doch bald entsteht beim Kind der Wunsch auf  das erste zweirädrige Gefährt  Ein Roller muss es sein, die Eltern sind es zufrieden,  Roller fahren trainiert das Gleichgewicht. Und ein Roller ist auch viel schneller, die Unabhängigkeit wächst.

Nach gar nicht langer Zeit besinnt sich der kleine Mensch wieder auf die Pedalen. Ein Fahrrad muss her. Eins? Nein jeweils der Größe angepasst natürlich mehrere. Und damit ist das Kind endgültig schneller als die Erwachsenen, es sei denn, die haben auch einen Drahtesel und fahren mit.

Die Liebe zu Zweirädern bleibt, jedoch sollte es jetzt motorisiert sein und so folgt dem ersten Moped ein Motorroller. Und jetzt entscheiden die Erwachsenen nicht mehr, wohin das Kind fährt. Es hat sich endgültig abgenabelt.

Spätestens wenn der Mensch 18 ist, erwacht der Wunsch nach einem vierrädrigen fahrbaren Untersatz. Sobald der Führerschein gemacht ist, soll ein Auto her. Ob gebraucht oder neu, entscheiden die finanziellen Möglichkeiten. Doch wohl niemand vergisst im Leben den ersten Wagen und denkt wehmütig an ihn zurück. War er nicht der Schritt ins Erwachsenenalter und die Unabhängigkeit?

Bei nicht wenigen bleibt die Liebe zum motorisierten Zweirad erhalten und darum wird ein Motorrad angeschafft. Easy Rider, Freiheit und Abenteuer, Träume von der Route 66, die sich einige auch erfüllen.

Und eines Tages endet der letzte Weg wieder auf vier Rädern. Doch die sieht der Mensch  nicht mehr. Wie zu Beginn seines Lebens wird er gefahren und wieder wird er nicht gefragt, ob er das wollte.

Was bleibt, sind vielleicht Erinnerungen und Fotos mit den Rädern seines Lebens.

 

Montag, 07. Mai 2012

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Von mirabelle48, 13:37

Ein Mensch, sechs Tage vor der Wahl

durchlebt manche Gewissensqual.

Der Mensch, in diesem Falle Frau,

bedenkt mal alles ganz genau.

 

Die Roten wählt sie besser nicht,

rot steht ihr gar nicht zu Gesicht.

Womöglich also gelb und blau,

weil diese Farben stehn der Frau?

 

Nein, lieber nicht, denkt sie methodisch,

gelb-blau ist längst schon nicht mehr modisch.

Und grün ist auch nicht so der Hit,

da wählt sie ja das Rot gleich mit.

 

Obwohl sie schwarz sonst gar nicht mag,

macht sie ihr Kreuz am Muttertag

zur Ehr der „Muddi“ in Berlin,

dann dennoch bei den Schwarzen hin.

 

Ihr glaubt nicht, dass die Frau so wählt?

Zu Recht, hier wurde Stuss erzählt.

Obwohl… so manches Wahlergebnis

ist schon ein „farbiges“ Erlebnis