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Gedankenreise

Wenn Gedanken auf die Reise gehen, entsteht manches Gereimte und auch Ungereimte.



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Freitag, 11. Mai 2012

Radgedanken

Von mirabelle48, 11:23

Die ersten Räder, die einen Menschen von A nach B bringen, sind die Räder seines Kinderwagens. Zugegeben, niemand fragt ihn, ob er überhaupt von A nach B will. Und er braucht auch nichts dazu zu tun, das erledigen die Erwachsenen für ihn. Er wird gefahren.

Kaum diesem Gefährt entwachsen lernt er laufen und hat Sehnsucht, sich schneller fort zu bewegen.  Ein Dreirad ist der größte Wunsch. Und mit der Hilfe der Erwachsenen  lernt er schnell, eigenständig und selbst bestimmt von hier  nach dort  zu kommen. Voller Stolz  gepaart mit Wehmut beobachten die Eltern, die immer besser werdende  Koordination ihres Kindes, wohl schon ahnend, dass diese Räder der Anfang vom Ende der Abhängigkeit sind.

Doch bald entsteht beim Kind der Wunsch auf  das erste zweirädrige Gefährt  Ein Roller muss es sein, die Eltern sind es zufrieden,  Roller fahren trainiert das Gleichgewicht. Und ein Roller ist auch viel schneller, die Unabhängigkeit wächst.

Nach gar nicht langer Zeit besinnt sich der kleine Mensch wieder auf die Pedalen. Ein Fahrrad muss her. Eins? Nein jeweils der Größe angepasst natürlich mehrere. Und damit ist das Kind endgültig schneller als die Erwachsenen, es sei denn, die haben auch einen Drahtesel und fahren mit.

Die Liebe zu Zweirädern bleibt, jedoch sollte es jetzt motorisiert sein und so folgt dem ersten Moped ein Motorroller. Und jetzt entscheiden die Erwachsenen nicht mehr, wohin das Kind fährt. Es hat sich endgültig abgenabelt.

Spätestens wenn der Mensch 18 ist, erwacht der Wunsch nach einem vierrädrigen fahrbaren Untersatz. Sobald der Führerschein gemacht ist, soll ein Auto her. Ob gebraucht oder neu, entscheiden die finanziellen Möglichkeiten. Doch wohl niemand vergisst im Leben den ersten Wagen und denkt wehmütig an ihn zurück. War er nicht der Schritt ins Erwachsenenalter und die Unabhängigkeit?

Bei nicht wenigen bleibt die Liebe zum motorisierten Zweirad erhalten und darum wird ein Motorrad angeschafft. Easy Rider, Freiheit und Abenteuer, Träume von der Route 66, die sich einige auch erfüllen.

Und eines Tages endet der letzte Weg wieder auf vier Rädern. Doch die sieht der Mensch  nicht mehr. Wie zu Beginn seines Lebens wird er gefahren und wieder wird er nicht gefragt, ob er das wollte.

Was bleibt, sind vielleicht Erinnerungen und Fotos mit den Rädern seines Lebens.