
In unserer Familie ist es, seit ich denken kann Brauch, dass der Weihnachtsmann die Geschenke bringt. So vermittelte ich es auch meinem Sohn und er wiederum seinen Kindern.
„Der Weihnachtsmann ist gestorben,“ verkündetenn meine beiden Enkel vor zwei Jahren einige Wochen vor Weihnachten als sie aus der Schule und aus dem Kindergarten kamen.
Na so was, ich war erstaunt, davon hatte ich weder in der Tageszeitung, noch im Fernsehen etwas gelesen, gehört oder gesehen.
Ich entschied mich, mal ernsthaft nachzufragen, wie sie darauf gekommen sind.
Dass Kinder irgendwann behaupten, dass es keinen Weihnachtsmann gibt, darauf war ich vorbereitet, aber dass der Weihnachtsmann sterblich ist, das war mir neu.
„Wann ist das denn passiert?“ fragte ich also.
„Das weiß ich auch nicht so genau, muss aber schon ne Weile her sein, jedenfalls ist er gestorben!“ erklärte mir der Größere der beiden, der im Januar 8 wurde. „Ja, er war sehr alt und krank“, bekräftigt der Kleinere, der 6 Jahre alt war.
„Ach das tut mir aber wirklich sehr leid“, antwortete ich ganz ernsthaft. „Nicht nur um den armen Weihnachtsmann, auch um die Kinder, die nun gar keine Weihnachtsgeschenke bekommen.“
Darauf der Kleine: „Oma, können die Rentiere denn mit dem Schlitten nicht auch ohne Weihnachtsmann die Geschenke bringen?“
Mühsam unterdrückte ich ein Schmunzeln und ehe ich antworten konnte übernahm das der größere Bruder: „ Du bist dumm,“ sagte er im Brustton der Überzeugung, „die Geschenke besorgen doch die Eltern und die geben sie dann beim Christkind ab, und am Heiligen Abend bringt das Christkind dann die Sachen.“
Darauf der Kleine: „Kann das Christkind denn, obwohl es ein Baby ist, schon Schlitten fahren? Und Oma, können wir den Weihnachtsmann mal auf dem Friedhof besuchen?“
Gott sei Dank nahm mir auch hier der Große die Antwort ab, indem er verkündete:“Komm, Julian, wir schreiben jetzt unsere Wunschzettel.“
Merkwürdigerweise wurden die aber an den Weihnachtsmann adressiert
Als ich verwundert fragte, warum dort steht: Lieber Weihnachtsmann, grinste der Große verschmitzt: „Oma, man weiß ja nie, vielleicht hat der Weihnachtsmann ja Kinder?“
Ich dankte insgeheim dem Großen, immerhin hatte er mit dieser Antwort dem Kleinen die Illusion noch gelassen und schmunzelnd nahm ich die kleinen und großen Wünsche meiner beiden Racker zur Kenntnis. Der eine oder andere wurde auch erfüllt.
In diesem Jahr haben sie auch wieder Wunschzettel geschrieben, adressiert vom Großen, der nun bald 10 Jahre alt ist, ebenfalls wieder an den Weihnachtsmann.
Ich fragte nach, warum nicht ans Christkind, denn der Weihnachtsmann sei doch vor 2 Jahren schon gestorben. Antwort: "Weihnachtsmann hat es nie gegeben, und das Christkind wurde doch vor über 2000Jahren geboren, Oma, glaubst du ernsthaft, dass das noch lebt? Aber ich weiß doch, dass ihr euch freut, wenn wir noch an den Weihnachtsmann glauben".
Beim Wunschzettel des nunmehr Achtjährigen fiel mir auf, dass er ohne Anrede geschrieben war, dort stand nur: Mein Wunschzettel. Seine Antwort auf eine diesbezügliche Frage von mir war ein gequältes Grinsen und die Aussage: "Oma, soll ich ausgerechnet zu Weihnachten flunkern? Ich glaube doch nicht mehr an den Weihnachtsmann."
Tja, nun ist es also soweit, sie werden langsam groß.
Bild: eigenes