Minimalismus - oder: Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht?
Von mirabelle48, 12:35

Wenn ich an meine Schulzeit denke, dann wird mir bewusst, dass ich immer versucht habe, mit dem geringstmöglichen Aufwand das bestmögliche Ergebnis zu erreichen.
Das hat meist auch geklappt und so habe ich mich mit relativ wenig Anstrengung durch die Schuljahre laviert, mit manchmal mehr und manchmal weniger Erfolg. Immerhin hat es aber dann doch gereicht, einen halbwegs vernünftigen Abschluss zu bekommen.
Meine Enkel müssen dieses Gen auch in sich tragen, besonders der Ältere. Er könnte ein ausgezeichneter Schüler sein, wenn, ja wenn er denn nur nicht so unlustig oder besser gesagt, so faul wäre, was die Hausaufgaben angeht. Da gilt die Maxime: Kein Federstrich mehr als unbedingt nötig.
Vor einigen Tagen hatte er Mathe auf, alles Wiederholungen, die er aus dem Eff Eff beherrscht. Es ging um die Symbole für "größer als" und "kleiner als". Vielleicht erinnert sich der geneigte Leser, das sind diese blöden Winkel, die entweder nachrechts oder nach links offen sind : >, <.
(Ich hatte und habe übrigens immer das Problem, mir zu merken, welches Zeichen wofür steht)
Im Mathebuch stand z.B. 387... 430 oder 677... 320 oder 300... 300.
Der junge Mann nimmt sein Hausaufgabenheft und legt los. Schreibt fein säuberlich Hausaufgabe und Datum.
Nach einigen Sekunden klappt er sein Heft zu und sagt strahlend:"Oma, ich bin fertig".
Ich kann‘s nicht glauben und sehe mir die Sache an.
Da hat der Bengel doch Folgendes gemacht:
Aufgabe 1
a) <
b) <
c) >
d)=
e) >
f) <
Am liebsten hätte ich ja schallend gelacht, aber ich versuchte ihn ernsthaft davon überzeugen, dass er natürlich die kompletten Zahlen dazu abschreiben muss.
Darauf er: "Wieso, die stehen doch im Mathebuch?"
Nach einer ziemlich langwierigen Diskussion über „völlig unnützes Zeug ohne jede Logik“, schließlich sei Mathematik doch nichts anderes als Logik hat er dann aber gnädiger Weise die Aufgabe doch noch einmal vollständig erledigt. Nicht ohne zu maulen und vor sich hin zu murmeln:“Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht“.
Erwähnte ich schon, dass ich meinen schlitzohrigen Minimalisten, der mich so oft an mich selbst erinnert, sehr liebe?
Bild: Gerd Altmann / Pixelio.de


