Nur ein Gesicht
Von mirabelle48, 13:45

Eine kleine Bildbetrachtung von jemandem, der nichts von Malerei versteht. Der Kunst nur nach "gefällt mir" oder "gefällt mir nicht" beurteilen kann
„Ich malte doch nur ein Gesicht“, sagtest du, als ich dir erzählte, dass dies eines deiner Bilder ist, das mich auf seltsame Art berührte, als ich es das erste Mal sah.
Ich sehe Farben, die dieses Gesicht umgeben. Helle und dunkle, fröhliche und melancholische, vielfältig wie das Leben, das uns umgibt.
Ich sehe Formen, auf den ersten Blick willkürlich, verwirrend und doch in ein geordnetes Chaos gebracht. Ist nicht auch das Leben oft willkürlich, verwirrend, chaotisch? Und dennoch in Ordnung und Regeln eingebettet?
Inmitten des Spieles mit kräftigen und satten Farben ein Gesicht, nur ein Gesicht, anonym, fremd und doch mir auf eine seltsame Weise vertraut. Es scheint mir, als habe der Mensch dahinter Stück für Stück Kanten und Ecken abgetragen, um eine Lücke zu schaffen, seinen Platz zu finden, freie Sicht zu haben und wahrgenommen zu werden.
Ein blasses, aber keineswegs farbloses Gesicht, nicht ebenmäßig aber schön, maskenhaft und dennoch ausdrucksstark, melancholisch aber nicht verzweifelt, willensstark und dennoch verletzlich, fragend aber auch wissend, abstrakt und doch real und präsent. Die Schatten der Farben und Formen, durch die es sich gekämpft hat, sind sichtbar aber sie entstellen es nicht.
„Nur ein Gesicht“, sagtest du, "ein Gesicht mit Ecken und Kanten".
Doch je öfter ich dieses Bild betrachte, umso mehr finde ich mich darin wieder. Du hast nur ein Gesicht gemalt, und ohne es zu wissen, meines.
Bild: B.S.


