Klein aber mein
Von mirabelle48, 20:59
Alles begann damit, dass Liese vor einigen Monaten erfuhr, dass sie eine kleine Erbschaft gemacht hatte. Liese freute sich sehr, es war zwar nicht viel, was sie bekommen würde, aber sie sah nun doch eine Möglichkeit, sich endlich wieder einen kleinen Gebrauchtwagen kaufen zu können und vielleicht wäre auch noch ein neuer Flachbildfernseher drin.
Liese ist zwar, wie ich schon mal beschrieb, manchmal etwas schusselig, aber eine gewisse Cleverness ist ihr nun wahrlich nicht abzusprechen. Sie geht also frisch ans Werk und durchforstet im Internet die Angebote an gebrauchten Kleinwagen in ihrer Stadt. Schnell hat sie einige infrage kommende fahrbare Untersätze auf ihrer Merkliste. Da Liese sich mit Technik nicht besonders gut auskennt, bittet sie einen guten Freund, seines Zeichens ein ausgewiesener Kenner, mit ihr zusammen die Autos zu begutachten.
Direkt das erste Auto auf ihrer Liste ist fast unschlagbar, der Preis kann etwas heruntergehandelt werden, der Motor schnurrt, TÜV ist erst in 18 Monaten fällig, kleine Blessuren an der Karosserie sind nach Aussagen des Freundes völlig unerheblich. Liese ist begeistert und ehe sie sich versieht, wechselt ein feuerroter Fiat Panda seine Besitzerin.
Leider hält die Freunde nicht lange an, nach nur 3 Wochen bleibt die Kiste auf dem Weg nach Hause mit defekter Zylinderkopfdichtung liegen. Die Kosten für eine Reparatur stehen nun so gar nicht in Relation zum Kaufpreis und Alter des Autos. Liese macht ein langes Gesicht und ist sehr enttäuscht.
Aber nachdem sie nun mal wild entschlossen ist, wieder ein Auto zu haben, überlegt sie, einen neuen Versuch zu wagen. Dabei kommt sie zu dem Schluss, dass sie in der Vergangenheit ihre Autos immer ohne männliche Begleitung gekauft hat und damit sehr gut gefahren ist, wenn sie auf ihren Bauch gehört hat. Und sie beschließt, sich wieder an einen Gebrauchtwagenhändler in ihrer Nähe zu wenden und nicht mit Privatpersonen um den Preis zu feilschen, sondern lieber ein wenig mehr zu investieren und sich eine Garantie geben zu lassen.
Und so kommt es, dass Liese nun Besitzerin eines wunderschönen blaumetallic lackierten Renault Clio ist, der genau noch in ihren finanziellen Rahmen passte.
Als sie ihn dem Freund vorführt, sagt der doch glatt: „Dieser Wagen ist um Klassen besser, als der, den du vor 3 Wochen gekauft hast“. Liese fragt sich nun, warum sie eigentlich beim ersten Kauf den Kerl überhaupt mitgenommen hat.
Der eigentlich auch geplante neue Flachbildfernseher muss nun allerdings noch etwas warten, aber wer braucht schon so ein Teil? Solange der alte Fernseher noch nicht seinen Geist aufgibt, ist alles in Ordnung.


