Als meine Enkel noch nicht in die Schule gingen, hielten sie es für das Größte, Busfahrer zu werden. Das taten sie auch deutlich im morgens vollbesetzten Omnibus kund, wenn ich sie in den Kindergarten brachte. Auch die Meinung des Fahrers, dass das nun so gar kein Traumberuf sei, ließen sie nicht gelten. Sie wollten Busfahrer werden, basta.
Mich haben als Kind immer die Schaffner und Schaffnerinnen, die es damals in den Straßenbahnen noch gab, schwer beeindruckt. Dafür gab es mehrere Gründe: Sie trugen Uniformen, die mir gefielen, sie knipsten mit ihrer Lochzange die Fahrkarten und nicht zuletzt durften sie immer an der Leine ziehen, worauf dann für den Fahrer das Signal ertönte, dass er weiterfahren konnte. Also speziell das fand ich einfach super und somit war mein Berufsziel ganz klar: Ich wollte Schaffnerin werden.
Aber ich erkannte damals schon, wenn man etwas können will, dann muss man üben. Leider hatten wir keine Straßenbahn in unserer Familie, wo ich für meinen Traumberuf hätte üben können., wer hat schon sowas?
Da galt es, kreativ zu sein, denn schon damals galt für mich: Geht nicht, gibt es nicht.
Also wurde dann unsere Badewanne zur Straßenbahn umfunktioniert und die darüber gespannte Wäscheleine wurde zur Signalleine, wie ich sie aus der Straßenbahn kannte. Dass ich weder eine Uniform noch eine Lochzange hatte, war nicht so wichtig, Hauptsache, ich konnte Signal geben.
Und ob nun Wäsche auf der Leine hing oder nicht, empfand ich als unerheblich, die Leine leider nicht, denn es passierte, dass durch mein heftiges Ziehen sowohl die Leine mit der darauf befindlichen Wäsche sowie der Haken, an dem sie in der Wand befestigt war, in die Badewanne fiel.
Die fleißige Schaffnerin setzte sich unsanft und äußerst schmerzhaft auf den Hosenboden und brüllte.
Zu allem Überfluss hatte meine Mutter für mein vorberufliches Training nun so gar kein Verständnis, im Gegenteil, die hoffnungsvolle Nachwuchsschaffnerin bekam auf den ohnehin schon schmerzenden Popo noch kräftig einen drauf.
Was Wunder, dass die BoGeStra (Bochum-Gelsenkirchener-Straßenbahnen AG) auf meine spätere Mitarbeit verzichten musste und meine so hoffnungsvoll geplante Karriere bereits bevor sie begann, jäh und schmählich endete.
Meine Berufswünsche änderten sich mit der Zeit noch einige Male, die meiner Enkel übrigens auch. Sie sind z. Zt. dabei, sich auf ihre spätere Tätigkeit als Profifußballer vorzubereiten.
Und sie haben das Glück, dass sowohl ihre Eltern als auch ihre Oma dafür volles Verständnis haben.