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Gedankenreise

Wenn Gedanken auf die Reise gehen, entsteht manches Gereimte und auch Ungereimte.



Sonntag, 26. Februar 2012

Frühlingsgefühle

Von mirabelle48, 15:49

Wenn der Schnee ist weg geschmolzen.

Kinder wieder draußen bolzen.

Primel, Krokus und Narzissen

Trau´n sich langsam aus den Wiesen,

dann erwachen, sagen viele

Auch in uns Frühlingsgefühle.

 

In dem Mann erwacht Begehren,

möchte eine Maid  betören.

Jung und schön, mit glatter Haut

Das ist´s, was er gerne schaut.

Balzend wie ein Auerhahn

Macht er sich an eine ran,

die, an Jahren kommt es hin,

könnte sein die Enkelin.

 

Geht verwegen auf sie zu,

schnell ist er vom Sie beim Du.

Mogelt rasch, trotz Altersspeck

Eben mal 10 Jahre weg,

Kriegt sie rum. Doch welch Malheur,

schafft, was er gewollt   nicht mehr

und muss schließlich dann erkennen,

wollen darf man, aber können?

 

Doch auch Frau beginnt zu träumen

Wenn das Grün wächst auf den Bäumen.

Möchte länger nicht allein sein

Denkt sich auch so manches Weiblein

Spürt mit erster Frühlingssonne

In sich sprießen die Hormone.

 

Kritisch schaut sie auf die Waage,

nun entsteht die Kleiderfrage.

Creme und Farbe ins Gesicht

Lob zu ihr der Spiegel spricht.

Wenn dann die Frisur noch sitzt

Wagemut im Auge blitzt

Geht  beschwingt sie in das Städtchen

Fühlt sich wie ein junges Mädchen

 

Sieht ihn,  findet ihn sehr nett

Lächelt ihn dann an kokett

Und so kommt was kommen muss,

bald schon folgt der erste Kuss.

Frau schwebt nun auf Wolke sieben.

Wo ist ihr Verstand geblieben?

Sieht sich schon an seiner Seite,

immerdar und nicht nur heute.

Macht sich leider doch nicht klar,

dass es nur der Frühling war,

 

Träumte schon von lebenslänglich,

doch der Frühling ist vergänglich.

Und die  Moral von der Geschicht:

Oft hält der Rest des Jahres nicht,

was dir  der Frühling vorgegaukelt.

Schon viele hat er schwer verschaukelt.



Mittwoch, 22. Februar 2012

Heut war mir...

Von mirabelle48, 12:24

Heut war mir, als hätt’  ich den Frühling gerochen,

ein winziges Teil vom  berauschenden  Duft

ist mir in die schnuppernde Nase gekrochen,

ja wahrlich, der Frühling liegt heut in der Luft.

 

Heut war mir, als hätt’ ich den Frühling erblickt.

Es tanzt über vorsichtig knospendes Grün

voll Übermut, Freude und sichtlich vergnügt

ein goldener Sonnenstrahl fröhlich dahin.

 

Heut war mir, als könnte ich den Frühling hören,

manch Vögelein zwitscherte mir eine Weise.

Ergriffen ließ ich vom Gesang mich betören.

Ich lauschte den Klängen und wurde ganz leise.

 

Heut war mir, als hätt’ ich den Frühling gefühlt.

Ein Blick zum Kalender jedoch macht mir klar:

Der Winter hat nur mit ihm fangen gespielt

und siegte. Es ist doch erst Februar.

 

 


Sonntag, 19. Februar 2012

Eene meene miste...

Von mirabelle48, 13:58


Eene meene meck,

Herr Wulff, der ist jetzt weg.

Drum sucht man auf die Schnelle

was Neues für die Stelle.

 

Eene meene muh,

was sagt das Volk dazu?

Das bleibe lieber stumm,

ist doch eh viel zu dumm.

 

Eene meene mick,

das nennt man Politik,

wenn sie sich nun beraten

zu einem Kandidaten.

 

Eene meene miste

wer soll nun auf die Piste?

Ich schlage vor für’s Publikum

Horst Schlämmer und die Uschi Blum.

 


Bild: Sibylle E.

Donnerstag, 16. Februar 2012

Weiberfastnachtsgedanken

Von mirabelle48, 18:37


Gereimte Büttenreden haben im Karneval Tradition.

Also hab ich es auch mal probiert und punktuell etwas auf’s Korn genommen.

Allen Jecken ein fröhliches Helau und Alaaf und wunderschöne "Tolle Tage",  allen Nichtjecken eine gute Fluchtmöglichkeit 

 

 

Wer gerne nimmt, der muss auch geben,

so ist das nun einmal im Leben.

Doch einer, der das wohl nicht kennt,

ist heute Bundespräsident.

Er nahm Kredite oder Reisen,

sehr gerne an zu „Freundschafts“preisen,

und selbstverständlich gab er nie,

mal irgendwas zurück an sie.

„Das Ganze war doch stets legal“,

sagt er das ein ums andre Mal.

Doch ein Geschmäckle  bleibt  dabei,

behaupte ich mal frank und frei.

 

Als uns ward beschert der Euro,

ahnten wir schon, das wird teuro.

Dachten wir einst in Millionen

sind es heute schon Billionen.

Dass ein Ende ist in Sicht,

glaubt doch selbst der Dümmste nicht.

Auf Staatspleiten spekulieren

kann doch nur ins Chaos führen,

und so kommen dann ins Wanken

durch die Gier auch große Banken.

Wenn ich mir das so beseh,

kommt mir folgende Idee:

Jagt sie fort, die Bänkernullen,

statt das Volk stets einzulullen.

 

Sind einst die beiden Veronesen

das größte Liebespaar gewesen,

so sind es seit vergangnem Jahr

Herr Sarkosy und Angela.

Doch bei den beiden hat der Mann

nur selten noch die Hosen an.

Was Angie sagt, das wird gemacht,

auch wenn so mancher drüber lacht.

Doch eines wüsst ich gern genauer,

wird nicht Herr Sauer langsam sauer?

 

Kollektiv weint die Nation,

Gottschalk machte sich davon,

ZDF und Wetten dass…?

machten ihm wohl nicht mehr Spaß.

Thomas, lass dir von mir sagen,

konnt’ dich auch kaum noch ertragen,

nur durch manche gute Wetten,

war die Sendung noch zu retten.

Wem du immer noch erträglich

schaut nun ARD fast täglich,

doch ich glaub, das Quotenrennen

wirst du nicht gewinnen können.

 

Was Gottschalk kann, das kann ich auch,

das sagte sich auch Günter Jauch.

Statt Stern-TV bei RTL

Talkt er an Anne Willes Stell.

Nicht immer hat mich intressiert,

was dort an Meinung vorgeführt,

doch manchmal möcht ich schon erleben,

was so die Gäste von sich geben.

Und eines hoffe ich schon sehr,

es bleibe „Wer wird Millionär“.

 

Und im Mai der Song-Contest

war ein Riesenmedienfest.

Weil im Vorjahr Lena siegte,

sie erneut den Auftrag kriegte.

Dieses Mal es nicht gelang,

viel zu schwach war der Gesang.

Der Pokal ging nach Baku

Meine Meinung ist dazu:

Gott sei Dank hat’s nicht geklappt

hätten sonst noch mal berappt

mit schwerverdientem Steuergeld

diese „größte Schow der Welt“.

 

Wenn mal ein Prinz ein Mädchen freit,

und das zur besten Sendezeit,

dann sind auf den TV-Kanälen

die Rührungstränen nicht zu zählen.

Das „Ja“ spricht sich zwar in Sekunden,

doch übertragen wird für Stunden

bis endlich folgt zum guten Schluss

der heiß ersehnte Hochzeitskuss.

Auch wenn er nur kurz hingehaucht,

das ist Romantik, die man braucht.

 


Montag, 13. Februar 2012

Welch ein Scheißtag

Von mirabelle48, 13:11

Es war einfach überfällig. Eigentlich hätte dieses Ereignis schon vor 2 Jahren wieder mal sein sollen, aber es ist eben so, dass ich auch zu den kleinen Feiglingen gehöre, was ich nicht weiß, das beunruhigt mich nicht sonderlich.

Es war wirklich überfällig.

Natürlich weiß ich, dass man bei einer chronischen entzündlichen Veränderung der Darmschleimhaut alle 12  Monate eine Spiegelung machen sollte. Schon berufsbedingt weiß ich das. Ich weiß aber auch aus Erfahrung, wie unangenehm die Vorbereitung auf so ein Ereignis ist.

Ich zögerte also den  längst fälligen Zeitpunkt immer weiter hinaus, aber nun war es unumstößlich, der Termin stand fest und das Unglück nahm seinen Lauf.

Der Tag vor der Untersuchung beginnt mit dem Gedanken daran, dass dieses Frühstück nun die letzte feste Nahrung ist, die man bis zur Befriedigung des neugierig in das Verdauungsorgan schauenden Halbgottes in weiß zu sich nehmen darf.

Gegen Mittag nur noch ein Süppchen, wie soll ein erwachsener Mensch davon nur satt werden?

Merkwürdig, ich bin doch eigentlich sehr vernünftig, warum schleiche ich eigentlich ständig um den Kühlschrank herum, wie eine Katze um den heißen Brei?

Hab ich im Tiefkühlfach nicht noch die erst kürzlich besorgten Schnitzel? Daraus könnte ich mir ein leckeres Jägerschnitzel machen, Pommes frites zum Aufbacken sind auch noch da, herrje ich werde bis morgen Mittag bestimmt verhungert sein. Niemand wird es wirklich bemerken, wenn mein ausgemergelter lebloser Körper vor dem Kühlschrank meiner Küche liegt. Keiner wird sich wundern, wenn ich nicht ans Telefon gehe, habe ich doch allen Verwandten und Freunden mitgeteilt, dass ich mich auf meine Untersuchung vorbereite und mir dann bestimmt nicht der Sinn auf Telefonate ist.

Also trinke ich todesmutig mit Verachtung den Abführtrunk. Es ist ein anderer las der, den ich sonst bekam. Schmeckt auch nicht ganz so eklig, klar auch die Pharmazie hat sich in den letzten Jahren wohl weiter entwickelt.

Herrlich, war ja gar nicht so schlimm. Ich schütte weisungsgemäß literweise Wasser und Tee in mich hinein, renne alle naslang aufs Klo, ok, die Nieren sind offensichtlich in Ordnung.

Aber wann wirkt denn endlich das Zeugs, das mein Verdauungsorgan reinigen soll? Die Wirkung ist nicht wirklich ein durchschlagender Erfolg.

Es wird Zeit, schlafen zu gehen, schließlich muss ich morgen früh um 5.00 Uhr die nächste Ladung trinken. Leider hatte das Zeugs bis jetzt nur eine stark eingeschränkte Wirkung.

Dann werd ich wohl heute Nacht ständig rennen müssen?

Nichts da, ich schlafe bis 4.30 Uhr wie ein Murmeltier, dann werde ich, vermutlich durch das laute Knurren meines Magens wach. Also rühre ich den nächsten Drink an und trinke. Wenigstens lässt das Hungergefühl für einen kurzen Augenblick nach. Ich schütte also wieder 2 l  Wasser in mich hinein und kann tatsächlich endlich einiges loswerden, allerdings noch weit entfernt von der geforderten Farbe.

Um 9.40 ist mein Termin. „Welche Farbe hat ihr Stuhl?“ fragt die freundliche junge Arzthelferin und sie meint bestimmt nicht meine Küchenstühle, dann hätte ich „blau“ antworten müssen. Also nenne ich ihr die andere Farbe, die mit „B“ anfängt, nämlich braun.

„Hm,“ sagt sie, „dann muss ich mal Herrn Doktor U. fragen, was wir da machen können“.

Die werden doch wohl nicht die ganze Aktion jetzt stoppen? Alles für die Katz? Völlig umsonst gehungert?

Ich bekomme einen neuen Drink, diesmal 1 Liter einer äußerst übel schmeckenden Flüssigkeit, die mir fast den Magen umdreht. Dafür bekomme ich zur Belohnung anschließend wieder 2 Liter Wasser. Ein Blick zur Uhr: Es ist mittlerweile 11.30 Uhr, das, was mein Ausscheidungsorgan so hergibt ist immer noch weit entfernt von klar und blassgelb bis weiß. Dafür werden die Frequenzen immer häufiger.

„Wenn Sie noch einen Liter trinken, dann geht’s schneller“, sagt die nette Assistentin des Halbgottes in weiß. Noch mehr trinken? Himmel, Gesäß und Nähgarn, ich hab Hunger, ich komme mir schon langsam vor wie ein gefüllter Swimmingpool. Und ich werde auch gleich wieder flitzen müssen.Der Weg von dieser Kabine, in der ich schlucke wie ein Wüstenwanderer kurz vor dem Verdursten, bis zur Toilette ist weit.

„Hier bitte, nehmen Sie eine große Inkontinenzeinlage, damit Ihnen auf dem Weg zur Toilette kein Malheur passiert,“ sagt sie mitfühlend und will mir beim Anlegen derselben helfen.

Und just in diesem Moment tut alles, was ich bis dahin in mich reinschütten musste, seine plötzliche und von mir nicht zu beeinflussende Wirkung. Um Punkt 12.00 Uhr erfolgt der Super-GAU, die Kabine steht von jetzt auf gleich unter….nein nicht unter Wasser, sondern na ja, man kann es sich ja denken, bräunlich gesprenkelt. Ach ja, ich vergaß, nicht nur die Kabine, auch meine Schuhe, Socken und meine Beine. „Scheiße“, entfährt es mir.

Im Vorraum der Toilette kann ich mich notdürftig  reinigen und ich beschließe, mich keinen Millimeter mehr vom Klo weg zu bewegen, bis das, was oben reinkam, unten klar wieder rauskommt.

Um 13.00 Uhr ist es dann endlich soweit. Die eigentliche Untersuchung kann beginnen. Nach 10 Minuten ist alles vorbei.

Befund bleibt noch abzuwarten, aber gab es da nicht zu meiner aktiven Zeit als Krankenschwester den Spruch: „Wer in der Scheiße wühlt, hat Glück“??

Manchmal glaube ich an solche Sprichwörter. Vor allen Dingen an einem solchen Scheißtag.

 

Foto: Jens Goetzke / Pixelio.de

Freitag, 10. Februar 2012

Hilfsangebote

Von mirabelle48, 11:19

Manche Menschen (vorwiegend die Herren der Schöpfung) behaupten ja, Frauen betrachten sich bei trauter Zweisamkeit im Schlafzimmer angelegentlich die Decken und Wände und stellen dann fest, dass sie dringend eines neuen Anstrichs bedürfen. Ich tu das gelegentlich auch, allerdings wegen des Fehlens eines männlichen Pendants nicht in trauter Zweisamkeit, sondern ohne jedes schlechte Gewissen allein.

Ich stellte also fest: Meine Wohnung braucht dringend neue Farbe. Ideal wäre ja eine professionell durchgeführte Renovierung, doch das Wissen um meinen Kontostand fegt diese Überlegung sofort wieder vom Tisch, ich meine natürlich von der Bettdecke.
Aber wozu hat man unter vielen Entbehrungen dafür gesorgt, dass der kleine Hosenmatz ein kräftiger erwachsener Mann wird, der handwerklich auch eigentlich ganz begabt ist?
Und der zudem immer und für alles seine Hilfe angeboten hat?
Also rufe ich meinen Sohn an und bitte ihn, die Streicharbeiten zu übernehmen.
„Na klar, kein Problem, kannst ja schon mal alles besorgen, sobald ich Zeit habe, streiche ich dir die Wohnung. Könnten wir eigentlich Samstag machen“

Wenn ich mir etwas vornehme, wird nicht lange gefackelt. Ich begebe mich in den Baumarkt, und packe alles, was man so zum Malern braucht in den Wagen. Und natürlich lieber ein bisschen mehr, als zu wenig. Also alles ist bereit.
Am Donnerstag erkundige ich mich vorsichtig, wie es denn so um das Zeitkontingent des Herrn Sohnes bestellt ist, wann er denn am Samstag anfangen will, und ich habe vorsichtshalber schon mal die Schränke ausgeräumt, damit wir dann zügig arbeiten können. Frau überlegt ja, was zu tun ist.

 „ Oh, das tut mir leid, kommendes Wochenende, geht ja gar nicht, ich wollte dich auch gerade anrufen“, und es folgt eine lange Erläuterung, warum nicht, und dass er ja ganz vergessen hatte, dass…
„Aber nächste Woche Freitag könnte ich anfangen, ich habe da nämlich frei.“

Gut, denke ich, ist ja nicht so schlimm, dann werde ich eben eine Woche aus gepackten Kisten leben, es gibt größere Katastrophen auf der Welt. Am Donnerstag kommt der Anruf: „Mum, es geht doch morgen nicht, ich muss jetzt doch arbeiten und wenn wir es nächste Woche machen, dann hätte ich auch noch einen Freund zum Helfen, und dann ginge es viel schneller, bitte sei nicht böse.“
Böse? Nein, ich bin doch nicht böse. Ich bin entzückt. Ich finde es geradezu verlockend eine weitere Woche über Kisten zu stolpern und im Chaos zu leben. Es erheitert mich geradezu.
Und weil ich gerade so gut gelaunt bin, fange ich einfach mal an. Und siehe da, es klappt.

Am Sonntagabend bin ich mit Schlaf- und Wohnzimmer fertig. Auch mit mir, aber ich habe neue Farbe an den Decken und den Wänden und selbst die Schränke sind wieder eingeräumt.

Am Montag Nachmittag ruft mein Sohn an, man ahnt es schon...:-)


Bild: Rainer Sturm / Pixelio.de

Sonntag, 05. Februar 2012

Missverständnis

Von mirabelle48, 17:11


Ein Mensch, der kam zum Doktor hin,
ihn quälte ein Problem.
Er konnt nicht halten den Urin,
das war unangenehm.

Der Doktor weiß auch sofort Rat,
und sagt dem armen Mann,
er habe einen Schlauch parat,
der ihm rasch helfen kann.

Doch weil der Doktor Mundart sprach,
weich jeder Konsonant,
der arme Kranke, weh und ach,
den Arzt ganz falsch verstand.

Und furchtsam er zum Doktor spricht:
„Ein Lehrerpult in meiner Hos’ ?
Nein, ein Katheder will ich nicht,
das ist mir eindeutig zu groß.

Wenn’s keine andre Hilfe gibt
für jetzt und auch für später,
dann hätt ich gerne, wenn’s beliebt
nen  richtigen Katheter.“

Samstag, 04. Februar 2012

Wiedersehen macht Freude

Von mirabelle48, 16:36

Wie lange war es her, dass Friederike ihn das letzte Mal gesehen hatte?

Sie überlegte, zehn Jahre ungefähr musste es jetzt her sein, dass er das letzte Mal vor ihr stand. Keine guten Erinnerungen hatte sie an ihn. Sie war damals ein zehnjähriges Mädchen mit Zöpfen und voller Angst vor seinen bissigen Worten sowie den schmerzhaften Schlägen mit dem Lineal in die Handflächen.


Er der allmächtige Klassenlehrer, Herr S., der Friederike und den anderen Kindern  furchtbare Angst einflößte, auch den Jungs, denn sie bekamen seine Strafen mit dem Rohrstock in den Kniekehlen zu spüren.


Friederike war in der vierten Klasse der Volksschule und seit er von ihren Eltern wusste, dass sie im neuen Schuljahr die Realschule besuchen würde, war sie erst recht „unten durch“.
Gemocht hatte er Kinder, deren Eltern in der Papageiensiedlung wohnten, noch nie. Es war ein Viertel der Stadt, das Mitte der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts erbaut und  vorwiegend von den vielen Flüchtlingen und Aussiedlern bewohnt wurde. Den Namen hatte es bekommen, weil die Häuser in bunten Pastellfarben gestrichen waren.  


Außer Friederike wohnten auch noch Gudrun, Elsbeth und Rudolf dort  und wann immer es ungeklärte Kinderstreiche in der Schule gab, etwas zu Bruch ging oder gar etwas fehlte, dann konnte es nach seiner Meinung nur einer von ihnen sein, denn denen war schließlich alles zu zutrauen.
Und er ließ auch keinen Zweifel daran, dass er es unerträglich fand, wenn Mädchen zu einer weiter führenden Schule wechselten, die sollten gefälligst die Volksschule beenden und später heiraten und Kinder kriegen.
Alles andere war verschwendete Energie, basta.


Und von diesen Kindern aus der Papageiensiedlung hatte nun ausgerechnet Friederike die Aufnahmeprüfung für die Realschule bestanden.
Und das, obwohl sie doch nicht rechnen konnte und es seiner Meinung nach auch niemals lernen würde. Mädchen im Allgemeinen und Friederike im Besonderen  waren eben viel zu blöd. Zugegeben, Mathe war nie ihr  Lieblingsfach gewesen, aber sie fühlte sich überhaupt nicht blöd.
Dann kam der letzte Tag in seiner Klasse, die Zeugnisse wurden ausgegeben. In Mathe hatte sie erwartungsgemäß ein ausreichend bekommen.
Hämisch grinsend mit den Worten: „Es ist dir doch klar, dass die 4 sehr wohlwollend war, eigentlich hättest du eine 5 verdient, aber ich weiß ja, wer so dumm ist wie du, wird reumütig an diese Schule zurückkehren“ gab er Friederike das Zeugnisheft.
Und sie, die sich immer geduckt hatte, nahm all ihren Mut zusammen und wagte trotz der aufsteigenden Tränen zu antworten:
„Nein, an diese Schule niemals, und wenn ich Tag und Nacht lernen muss“.
Verblüfft blieb er stumm, und dieses verblüffte Gesicht, das hatte sie in Erinnerung behalten.


Und jetzt stand er also plötzlich vor ihr, hier im Finanzamt ihrer Stadt, wo sie seit einiger Zeit als Verwaltungsangestellte arbeitete. Und wie der Zufall es wollte, gehörte er zu ihrem Bereich. Sie erkannte ihn sofort.
Viele Steuerpflichtige bezahlten damals noch direkt an der Finanzkasse, so auch er, ihre Vermögenssteuer. Friederike  empfand es als äußerst komisch, dass ausgerechnet sie, die doch so blöd war und nicht rechnen konnte, ihm jetzt den Kassenbeleg ausfüllen musste, mit dem er dann am Kassenschalter zahlen konnte.
Er hatte sie nicht erkannt, sie sagte daher sehr freundlich lächelnd: “Wenn Sie bitte genau prüfen wollen Herr S., kann ja sein, dass ich nicht nur zu blöd zum Rechnen bin, sondern auch  zu dumm, die richtigen Zahlen abzuschreiben.“

Er stutzte, und sein verblüfftes Gesicht, als es ihm dämmerte, war fast identisch mit dem von vor zehn Jahren.

Bild: Gerhard Altmann / pixelio.de

Donnerstag, 02. Februar 2012

Musikalisches

Von mirabelle48, 16:04

„Musik wird oft nicht schön gefunden,
weil sie stets mit Geräusch verbunden.“
 Von Wilhelm Busch stammt dies Zitat,
das mich dazu veranlasst hat,
ganz ohne so wie er zu glänzen,
die Worte etwas zu ergänzen.

Es ist schon ungeheuer laut
wenn jemand auf die Pauke haut.
und leise will ihm nicht gelingen,
die Flötentöne beizubringen.
Es hat sich nämlich schnell gezeigt,
er hat es vollkommen vergeigt.

Versucht sodann mit harten Tönen
vom Bass die Menschen zu zudröhnen.
Auch laute schmetternde Trompeten
sind ob des Lärms meist unerbeten.
Genau so, wie man oftmals staunt,
was mancher so heraus posaunt.

Ob Wilhelm Busch wohl dies im Sinn,
als er einst schrieb den Vers mal hin:
„Musik wird oft nicht schön gefunden,
weil sie stets mit Geräusch verbunden.“