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Gedankenreise

Wenn Gedanken auf die Reise gehen, entsteht manches Gereimte und auch Ungereimte.



Sonntag, 18. November 2012

Über Liebe, Konsequenzen und kleine, aber manchmal ärgerliche Sprachfehler...

Von mirabelle48, 21:12



Da gibt es keinen Zusammenhang? Doch, gibt es :-))                          

Wenn jemand auf dieser Welt konsequent ist, dann ist es Liese, aber so was von. Das war schon so, als sie noch ein Lieschen war.  Als Elsbeth, ihre Banknachbarin, sie nicht bei der vermaledeiten Mathearbeit abschreiben ließ, sprach sie wochenlang kein Wort mehr mit ihr, konsequent eben.

Auch später, als aus Lieschen eine Liese wurde, bewahrte sie sich diese Eigenschaft. Als sie sich das erste Mal verliebte, ihr Angebeteter  sich aber lieber ihrer Freundin zuwandte, statt ihre Liebe zu erwidern, entliebte sie sich auf der Stelle, ganz konsequent.

Heute ist sie Großmutter, natürlich mit allen Konsequenzen.

Dazu gehört selbstverständlich, dass sie ihre Enkelkinder abgöttisch liebt, auch das sehr konsequent, es soll nur ja niemand auf die Idee kommen, ihnen auch nur das kleinste Härchen zu krümmen.

Liese hat aber eine Eigenschaft, die oft sehr ärgerlich ist, sie hat den berühmt-berüchtigten Sprachfehler, der vielen liebenden Großmüttern nachgesagt wird, sie kann so schlecht das Wort mit den vier Buchstaben aussprechen: n-e-i-n.

So wie gestern zum Beispiel.  Liese hatte ihre hausfraulichen Aufgaben für das Wochenende erledigt, der Kühlschrank war aufgefüllt, dadurch die Geldbörse etwas schmaler,  der Staubsauger hatte seine Pflicht getan und stand wieder in der Ecke, das Geschirr wieder auf seinem Platz im Schrank. Liese freute sich auf einen geruhsamen, entspannten Abend, den sie gemütlich in ihrem Lieblingssessel mit ihrem Strickstrumpf verbringen wollte. Dazu ihre Lieblings-CD und einfach nur genießen. Um diese Jahreszeit vertreibt sie sich die langen Abende gern damit.

Sie hatte es sich gerade bequem gemacht, da klingelte das Telefon.Da Lieses Telefon im Display nicht anzeigt, wer da mit ihr sprechen möchte (sie muss sich unbedingt mal ein neues kaufen), entschloss sie sich, das Gespräch anzunehmen, man weiß ja nie, könnte ja was Wichtiges sein. Außerdem ist Liese neugierig, aber das ist ein anderes Thema.

Sie meldet sich also und fröhlich klingt ihr eine sehr vertraute Kinderstimme entgegen: „Oma, dürfen wir heute bei dir schlafen?“  Dazu muss der geneigte Leser wissen, Lieses Enkel gibt es nicht einzeln sondern nur im Doppelpack.

Erwähnte ich schon, dass Liese ein Ausbund an Konsequenz ist aber einen Sprachfehler hat? Es ist eben viel einfacher, das kleine Wort mit nur zwei Buchstaben auszusprechen, als das mit doppelt so viel Zeichen. Sie hört sich also „ja“ sagen.

„Au fein, wir sind dann gleich da, tschö Oma.“

Ade, gemütlicher Abend im Lieblingssessel beim Stricken, nichts da mit Lieblings-CD, stattdessen ist Kniffeln mit zwei Buben angesagt und weil das auf die Dauer langweilig wird, noch eine Partie „Mensch ärgere dich nicht“ hinterher. Und als Abschluss noch eine Runde Mau Mau.

 Als die Zwei dann endlich im Bett sind, greift Liese doch noch zum Strickstrumpf, um wenigstens einige Reihen zu stricken, bevor ihr die Augen zufallen, schließlich ist sie konsequent, oder...?

 

Bild: Sabine Hofschläger / Pixelio.de

Freitag, 16. November 2012

Hebelwirkung

Von mirabelle48, 08:51



Die ganze Welt aus ihren Angeln heben,

verändern ihr oft hässliches Gesicht,

ihr einen anderen Verlauf zu geben,

hielt ich als junger Mensch für meine Pflicht.

 

Mit Feuereifer ging ich auf die Suche

nach einem  Hebel, um ihn anzubringen,

las damals auch in manchem schlauen Buche,

doch wollte es mir nicht so recht gelingen.

 

Was immer ich als Hebel ausprobierte,

die Welt blieb weiterhin auf ihrer Bahn

und das  für mich zu der Erkenntnis führte,

dass ich die Welt so niemals ändern kann.

 

Die Hebelwirkung nur Erfolg verspricht,

wenn ich den wahren Ansatzpunkt erkenne,

weil ohne ihn mir jeder Hebel bricht

und ich mich immer wieder nur verrenne.

 

Heut dreh ich nicht mehr nutzlos meine Runden,

das Ziel heißt nicht: Welt, bitte ändre dich.

Ich habe das Versteck herausgefunden:

Der Hebel und der Ansatzpunkt bin ich.

 


Montag, 05. November 2012

Auf Beutefang

Von mirabelle48, 15:05

Er steht drohend da und er wittert schon Beute

verbreitet bei ihr Angst und Hilflosigkeit,

er wird sie auch kriegen, wenn auch noch nicht heute,

zum Abholen ist es noch lang nicht die Zeit.

 

Auch wenn er geklopft hat und Einlass begehrt

und Vorboten schickte, er bleibt außen vor,

heut wird ihm noch gänzlich der Zutritt verwehrt,

und freiwillig öffnet sie ihm nicht das Tor.

 

Die Beute besinnt sich, fängt an, sich zu regen,

Angst, Hilflosigkeit weichen  Stärke und Mut,

gemeinsam mit Freunden stemmt sie sich dagegen.

Vorerst bleibt er draußen, schäumt er auch vor Wut.

 

Wenn es an der Zeit ist, dann darf er sie holen.

Zwar ist er wahrscheinlich auch dann nicht willkommen,

doch hat er letztendlich noch Jeden gestohlen,

und ohne zu fragen in sein Reich mitgenommen.

 

Für meinen Freund M.B.