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Gedankenreise

Wenn Gedanken auf die Reise gehen, entsteht manches Gereimte und auch Ungereimte.



Montag, 30. Januar 2012

Große Männer, kleine Männer

Von mirabelle48, 18:34

Klaus-Dieter findet sich zu klein,
ihm fehlt ein Dezimeter.
So um einsachtzig möcht er sein,
ganz wie sein Freund, der Peter.

Auch hat der Peter Schlag bei Frau´n,
worauf er neidisch ist.
Klaus-Dieter glaubt, nach Peter schaun
sie, weil er mehr doch misst.

Klaus- Dieter glaub doch so was nicht,
die Frau, die dich begehrt,
niemals von Zentimetern spricht,
sie kennt doch deinen Wert.

Nicht immer ist ein Mann doch klein
nur weil´s ihm fehlt an Länge.
Auch Kleine können Große sein
und ragen aus der Menge.

Wie hoch der Kopf, nicht wichtig sei
kommt mir noch in den Sinn.
Viel wichtiger ist doch dabei
was letztendlich DARIN.


Donnerstag, 26. Januar 2012

Koppnicker - Oma

Von mirabelle48, 11:11

Wenn uns schöne Dinge entzücken,
dann werden wir beifällig nicken.
Auch wenn wer was meint,
was uns richtig scheint,
doch das kann nicht jeden beglücken.

Miss Elli aus Süd-Oklahoma
war eine besondere Oma.
Sie hatte erblickt,
dass jemand genickt
fast fiel sie vor Ärger ins Koma.

„Man sollte das Nicken verbieten“,
rief sie, „denn das sind alles Nieten.
Wer nickt mit dem Kopf
Ist ein böser Tropf.“
Gar furchtbar begann sie zu wüten.

Ihr Zorn ging in Richtung Paloma,
die traf ihren Freund gern in Roma.
Und weil sie gern nickt,
wenn sie ihn erblickt,
nennt Elli sie Koppnicker-Oma.

Doch das kann Paloma nicht schrecken
Schert sich nicht um neidische Zecken.
Soll Elli doch geifern
und sich  bös ereifern,
sie kann sie am Hinterteil lecken.

Mittwoch, 25. Januar 2012

Für Jan

Von mirabelle48, 10:43



Nun ist sie geschafft, deine erste Dekade.
Zehn Kerzen, die zünde ich heut für dich an.
  Ins zweite Jahrzehnt startest du jetzt gerade,
auch wenn ich es fast noch nicht wahrhaben kann.

Voll  Wissensbegier deine strahlenden Augen,
die Ohren stets offen, mit wachem Verstand
bewusst alles um dich herum aufzusaugen,
begierig zu lernen, auf Neues gespannt.

Mein Wunsch für den weiteren Weg durch dein Leben:
Bleib neugierig, wachsam und interessiert.
Und sollte es auch Hindernisse mal geben,
sei mutig, bezwing sie. Wer feig ist, verliert.

Zum zehnten Geburtstag mein Glückwunsch von Herzen.
Genieß deine Teeniezeit ausgiebig, denn
sehr schnell brennen dir schon zehn weitere Kerzen,
dann wird aus dem Teenager plötzlich ein Twen.




Sonntag, 22. Januar 2012

Der "kluge" Mensch

Von mirabelle48, 13:11

Klug sei er, so hört man sagen,
clever und an Bildung reich.
Alles könne man ihn fragen,
und die Antwort käm’ sogleich.

Malerei, Musik und Dichtung,
seine Interpretation
zeigt die einzig wahre Richtung
er versteht ja was davon.

Trägt sein angelesnes Wissen
fahnengleich stets vor sich her.
Alle schließlich merken müssen,
klug wie er sein, das ist schwer.

Nur was er sagt, das ist richtig,
Gegenmeinung bleibe stumm.
Seine Bildung schwergewichtig
zeigt doch, dass die andren dumm.

  Wünsche ihm, dass er erfahre,
Wissen ist nicht Bildung gleich.
Herzensbildung ist die wahre,
sie erst macht den Menschen reich.


Montag, 16. Januar 2012

Fremdkörper

Von mirabelle48, 08:54

Nicht sie waren es, die dir schenkten das Leben,
doch haben sie dir ihren Namen gegeben.
Mit dir das Familienidyll komplettiert.

Doch nie hast du wirklich zu ihnen gehört,
bei Lichte betrachtet, meist eher gestört,
hast selten nur so wie gewünscht funktioniert.

Und weil es so üblich war zu jener Zeit,
da hat man Gehorsam dir halt eingebläut
und oft war dein Rücken blaurot marmoriert.

Auch dass sie dich jahrelang schändlich belogen,
hat dich nicht verändert, hast dich nicht verbogen.
Im Gegenteil, hast dich sehr früh distanziert.

Ganz ohne sie und nur aus eigener Kraft
hast du deinen Weg durch das Leben geschafft,
doch hättest du gern Elternliebe gespürt.

Ein Fremder erzählte dir neulich, sie haben
vor Monaten schon deinen Vater begraben.
Ich frage dich, ob’s dich noch interessiert?
 


Dienstag, 10. Januar 2012

Woher ? Wohin?

Von mirabelle48, 08:48

Kalt ist es. In den letzten Tagen hat es geschneit. Wie ein schwarzes Band schlängelt sich der schmale frei geschaufelte Gehweg durch das Weiß. Ein Band, so schmal, dass kaum zwei Menschen nebeneinander darauf Platz haben.

Der Blick der alten Frau ist auf das Band gerichtet, irgendwann muss es doch zu Ende sein, denkt sie, und dann bin ich zu Hause, in meiner Wohnung, dort ist es warm und gemütlich.

Menschen kommen ihr entgegen, schlängeln sich an ihr vorbei.

Die alte Frau wird müde, wie lange mag sie schon gelaufen sein? Sie weiß es nicht. Sie möchte sich setzen, nur ein wenig verschnaufen, ehe sie ihren Weg fortsetzt.

Sie erreicht einen kleinen Platz. Dort steht eine Bank. Sie setzt sich. Zitternd vor Kälte steckt sie die Hände in die Taschen ihrer Strickjacke.

„Ich hätte doch den warmen Wintermantel anziehen sollen“, denkt sie, „und auch wenn ich mal eben nur vor die Haustür gehen will, sollte ich das nicht in Hausschuhen tun“.

Die Kälte kriecht an ihr empor.

„Es wird Zeit, dass ich nach Hause komme, ich muss weiter“ überlegt sie. „Aber in welche Richtung muss ich nun gehen? Aus welcher Richtung bin ich hierher gekommen?“ Es fällt ihr nicht ein, nur, dass sie weiter muss.

„Kann ich Ihnen helfen?“ spricht sie ein Mann an. Jung ist er, viel jünger als sie. Und eine Uniform trägt er. Obwohl er freundlich lächelt, hat sie Angst. So schüttelt sie abwehrend den Kopf.

„Sie sind ja völlig durchgefroren, kommen Sie, ich bringe Sie erstmal ins Warme.“ Und es gelingt ihm, sie zu überzeugen, ihn zu begleiten. In der Nähe steht ein Auto, aus dem jetzt eine junge Frau aussteigt, die ebenfalls Uniform trägt.

Nett sieht sie aus, denkt die alte Frau, und sie lächelt mir zu. Ich werde einsteigen.

„Wenn Sie uns sagen, wie sie heißen und wo Sie wohnen, bringen wir Sie nach Hause“, sagt die freundliche junge Frau.

Die alte Frau will antworten, doch sie weiß nur ihren Namen.

„Wo ich wohne? Dort, wo ich schon seit über 60 Jahren wohne. Wie die Straße heißt? Das habe ich vergessen…“

 

 

Foto: Geralt/Pixelio.de