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Gedankenreise

Wenn Gedanken auf die Reise gehen, entsteht manches Gereimte und auch Ungereimte.



Sonntag, 19. Februar 2012

Eene meene miste...

Von mirabelle48, 13:58


Eene meene meck,

Herr Wulff, der ist jetzt weg.

Drum sucht man auf die Schnelle

was Neues für die Stelle.

 

Eene meene muh,

was sagt das Volk dazu?

Das bleibe lieber stumm,

ist doch eh viel zu dumm.

 

Eene meene mick,

das nennt man Politik,

wenn sie sich nun beraten

zu einem Kandidaten.

 

Eene meene miste

wer soll nun auf die Piste?

Ich schlage vor für’s Publikum

Horst Schlämmer und die Uschi Blum.

 


Bild: Sibylle E.

Donnerstag, 16. Februar 2012

Weiberfastnachtsgedanken

Von mirabelle48, 18:37


Gereimte Büttenreden haben im Karneval Tradition.

Also hab ich es auch mal probiert und punktuell etwas auf’s Korn genommen.

Allen Jecken ein fröhliches Helau und Alaaf und wunderschöne "Tolle Tage",  allen Nichtjecken eine gute Fluchtmöglichkeit 

 

 

Wer gerne nimmt, der muss auch geben,

so ist das nun einmal im Leben.

Doch einer, der das wohl nicht kennt,

ist heute Bundespräsident.

Er nahm Kredite oder Reisen,

sehr gerne an zu „Freundschafts“preisen,

und selbstverständlich gab er nie,

mal irgendwas zurück an sie.

„Das Ganze war doch stets legal“,

sagt er das ein ums andre Mal.

Doch ein Geschmäckle  bleibt  dabei,

behaupte ich mal frank und frei.

 

Als uns ward beschert der Euro,

ahnten wir schon, das wird teuro.

Dachten wir einst in Millionen

sind es heute schon Billionen.

Dass ein Ende ist in Sicht,

glaubt doch selbst der Dümmste nicht.

Auf Staatspleiten spekulieren

kann doch nur ins Chaos führen,

und so kommen dann ins Wanken

durch die Gier auch große Banken.

Wenn ich mir das so beseh,

kommt mir folgende Idee:

Jagt sie fort, die Bänkernullen,

statt das Volk stets einzulullen.

 

Sind einst die beiden Veronesen

das größte Liebespaar gewesen,

so sind es seit vergangnem Jahr

Herr Sarkosy und Angela.

Doch bei den beiden hat der Mann

nur selten noch die Hosen an.

Was Angie sagt, das wird gemacht,

auch wenn so mancher drüber lacht.

Doch eines wüsst ich gern genauer,

wird nicht Herr Sauer langsam sauer?

 

Kollektiv weint die Nation,

Gottschalk machte sich davon,

ZDF und Wetten dass…?

machten ihm wohl nicht mehr Spaß.

Thomas, lass dir von mir sagen,

konnt’ dich auch kaum noch ertragen,

nur durch manche gute Wetten,

war die Sendung noch zu retten.

Wem du immer noch erträglich

schaut nun ARD fast täglich,

doch ich glaub, das Quotenrennen

wirst du nicht gewinnen können.

 

Was Gottschalk kann, das kann ich auch,

das sagte sich auch Günter Jauch.

Statt Stern-TV bei RTL

Talkt er an Anne Willes Stell.

Nicht immer hat mich intressiert,

was dort an Meinung vorgeführt,

doch manchmal möcht ich schon erleben,

was so die Gäste von sich geben.

Und eines hoffe ich schon sehr,

es bleibe „Wer wird Millionär“.

 

Und im Mai der Song-Contest

war ein Riesenmedienfest.

Weil im Vorjahr Lena siegte,

sie erneut den Auftrag kriegte.

Dieses Mal es nicht gelang,

viel zu schwach war der Gesang.

Der Pokal ging nach Baku

Meine Meinung ist dazu:

Gott sei Dank hat’s nicht geklappt

hätten sonst noch mal berappt

mit schwerverdientem Steuergeld

diese „größte Schow der Welt“.

 

Wenn mal ein Prinz ein Mädchen freit,

und das zur besten Sendezeit,

dann sind auf den TV-Kanälen

die Rührungstränen nicht zu zählen.

Das „Ja“ spricht sich zwar in Sekunden,

doch übertragen wird für Stunden

bis endlich folgt zum guten Schluss

der heiß ersehnte Hochzeitskuss.

Auch wenn er nur kurz hingehaucht,

das ist Romantik, die man braucht.

 


Montag, 13. Februar 2012

Welch ein Scheißtag

Von mirabelle48, 13:11

Es war einfach überfällig. Eigentlich hätte dieses Ereignis schon vor 2 Jahren wieder mal sein sollen, aber es ist eben so, dass ich auch zu den kleinen Feiglingen gehöre, was ich nicht weiß, das beunruhigt mich nicht sonderlich.

Es war wirklich überfällig.

Natürlich weiß ich, dass man bei einer chronischen entzündlichen Veränderung der Darmschleimhaut alle 12  Monate eine Spiegelung machen sollte. Schon berufsbedingt weiß ich das. Ich weiß aber auch aus Erfahrung, wie unangenehm die Vorbereitung auf so ein Ereignis ist.

Ich zögerte also den  längst fälligen Zeitpunkt immer weiter hinaus, aber nun war es unumstößlich, der Termin stand fest und das Unglück nahm seinen Lauf.

Der Tag vor der Untersuchung beginnt mit dem Gedanken daran, dass dieses Frühstück nun die letzte feste Nahrung ist, die man bis zur Befriedigung des neugierig in das Verdauungsorgan schauenden Halbgottes in weiß zu sich nehmen darf.

Gegen Mittag nur noch ein Süppchen, wie soll ein erwachsener Mensch davon nur satt werden?

Merkwürdig, ich bin doch eigentlich sehr vernünftig, warum schleiche ich eigentlich ständig um den Kühlschrank herum, wie eine Katze um den heißen Brei?

Hab ich im Tiefkühlfach nicht noch die erst kürzlich besorgten Schnitzel? Daraus könnte ich mir ein leckeres Jägerschnitzel machen, Pommes frites zum Aufbacken sind auch noch da, herrje ich werde bis morgen Mittag bestimmt verhungert sein. Niemand wird es wirklich bemerken, wenn mein ausgemergelter lebloser Körper vor dem Kühlschrank meiner Küche liegt. Keiner wird sich wundern, wenn ich nicht ans Telefon gehe, habe ich doch allen Verwandten und Freunden mitgeteilt, dass ich mich auf meine Untersuchung vorbereite und mir dann bestimmt nicht der Sinn auf Telefonate ist.

Also trinke ich todesmutig mit Verachtung den Abführtrunk. Es ist ein anderer las der, den ich sonst bekam. Schmeckt auch nicht ganz so eklig, klar auch die Pharmazie hat sich in den letzten Jahren wohl weiter entwickelt.

Herrlich, war ja gar nicht so schlimm. Ich schütte weisungsgemäß literweise Wasser und Tee in mich hinein, renne alle naslang aufs Klo, ok, die Nieren sind offensichtlich in Ordnung.

Aber wann wirkt denn endlich das Zeugs, das mein Verdauungsorgan reinigen soll? Die Wirkung ist nicht wirklich ein durchschlagender Erfolg.

Es wird Zeit, schlafen zu gehen, schließlich muss ich morgen früh um 5.00 Uhr die nächste Ladung trinken. Leider hatte das Zeugs bis jetzt nur eine stark eingeschränkte Wirkung.

Dann werd ich wohl heute Nacht ständig rennen müssen?

Nichts da, ich schlafe bis 4.30 Uhr wie ein Murmeltier, dann werde ich, vermutlich durch das laute Knurren meines Magens wach. Also rühre ich den nächsten Drink an und trinke. Wenigstens lässt das Hungergefühl für einen kurzen Augenblick nach. Ich schütte also wieder 2 l  Wasser in mich hinein und kann tatsächlich endlich einiges loswerden, allerdings noch weit entfernt von der geforderten Farbe.

Um 9.40 ist mein Termin. „Welche Farbe hat ihr Stuhl?“ fragt die freundliche junge Arzthelferin und sie meint bestimmt nicht meine Küchenstühle, dann hätte ich „blau“ antworten müssen. Also nenne ich ihr die andere Farbe, die mit „B“ anfängt, nämlich braun.

„Hm,“ sagt sie, „dann muss ich mal Herrn Doktor U. fragen, was wir da machen können“.

Die werden doch wohl nicht die ganze Aktion jetzt stoppen? Alles für die Katz? Völlig umsonst gehungert?

Ich bekomme einen neuen Drink, diesmal 1 Liter einer äußerst übel schmeckenden Flüssigkeit, die mir fast den Magen umdreht. Dafür bekomme ich zur Belohnung anschließend wieder 2 Liter Wasser. Ein Blick zur Uhr: Es ist mittlerweile 11.30 Uhr, das, was mein Ausscheidungsorgan so hergibt ist immer noch weit entfernt von klar und blassgelb bis weiß. Dafür werden die Frequenzen immer häufiger.

„Wenn Sie noch einen Liter trinken, dann geht’s schneller“, sagt die nette Assistentin des Halbgottes in weiß. Noch mehr trinken? Himmel, Gesäß und Nähgarn, ich hab Hunger, ich komme mir schon langsam vor wie ein gefüllter Swimmingpool. Und ich werde auch gleich wieder flitzen müssen.Der Weg von dieser Kabine, in der ich schlucke wie ein Wüstenwanderer kurz vor dem Verdursten, bis zur Toilette ist weit.

„Hier bitte, nehmen Sie eine große Inkontinenzeinlage, damit Ihnen auf dem Weg zur Toilette kein Malheur passiert,“ sagt sie mitfühlend und will mir beim Anlegen derselben helfen.

Und just in diesem Moment tut alles, was ich bis dahin in mich reinschütten musste, seine plötzliche und von mir nicht zu beeinflussende Wirkung. Um Punkt 12.00 Uhr erfolgt der Super-GAU, die Kabine steht von jetzt auf gleich unter….nein nicht unter Wasser, sondern na ja, man kann es sich ja denken, bräunlich gesprenkelt. Ach ja, ich vergaß, nicht nur die Kabine, auch meine Schuhe, Socken und meine Beine. „Scheiße“, entfährt es mir.

Im Vorraum der Toilette kann ich mich notdürftig  reinigen und ich beschließe, mich keinen Millimeter mehr vom Klo weg zu bewegen, bis das, was oben reinkam, unten klar wieder rauskommt.

Um 13.00 Uhr ist es dann endlich soweit. Die eigentliche Untersuchung kann beginnen. Nach 10 Minuten ist alles vorbei.

Befund bleibt noch abzuwarten, aber gab es da nicht zu meiner aktiven Zeit als Krankenschwester den Spruch: „Wer in der Scheiße wühlt, hat Glück“??

Manchmal glaube ich an solche Sprichwörter. Vor allen Dingen an einem solchen Scheißtag.

 

Foto: Jens Goetzke / Pixelio.de

Freitag, 10. Februar 2012

Hilfsangebote

Von mirabelle48, 11:19

Manche Menschen (vorwiegend die Herren der Schöpfung) behaupten ja, Frauen betrachten sich bei trauter Zweisamkeit im Schlafzimmer angelegentlich die Decken und Wände und stellen dann fest, dass sie dringend eines neuen Anstrichs bedürfen. Ich tu das gelegentlich auch, allerdings wegen des Fehlens eines männlichen Pendants nicht in trauter Zweisamkeit, sondern ohne jedes schlechte Gewissen allein.

Ich stellte also fest: Meine Wohnung braucht dringend neue Farbe. Ideal wäre ja eine professionell durchgeführte Renovierung, doch das Wissen um meinen Kontostand fegt diese Überlegung sofort wieder vom Tisch, ich meine natürlich von der Bettdecke.
Aber wozu hat man unter vielen Entbehrungen dafür gesorgt, dass der kleine Hosenmatz ein kräftiger erwachsener Mann wird, der handwerklich auch eigentlich ganz begabt ist?
Und der zudem immer und für alles seine Hilfe angeboten hat?
Also rufe ich meinen Sohn an und bitte ihn, die Streicharbeiten zu übernehmen.
„Na klar, kein Problem, kannst ja schon mal alles besorgen, sobald ich Zeit habe, streiche ich dir die Wohnung. Könnten wir eigentlich Samstag machen“

Wenn ich mir etwas vornehme, wird nicht lange gefackelt. Ich begebe mich in den Baumarkt, und packe alles, was man so zum Malern braucht in den Wagen. Und natürlich lieber ein bisschen mehr, als zu wenig. Also alles ist bereit.
Am Donnerstag erkundige ich mich vorsichtig, wie es denn so um das Zeitkontingent des Herrn Sohnes bestellt ist, wann er denn am Samstag anfangen will, und ich habe vorsichtshalber schon mal die Schränke ausgeräumt, damit wir dann zügig arbeiten können. Frau überlegt ja, was zu tun ist.

 „ Oh, das tut mir leid, kommendes Wochenende, geht ja gar nicht, ich wollte dich auch gerade anrufen“, und es folgt eine lange Erläuterung, warum nicht, und dass er ja ganz vergessen hatte, dass…
„Aber nächste Woche Freitag könnte ich anfangen, ich habe da nämlich frei.“

Gut, denke ich, ist ja nicht so schlimm, dann werde ich eben eine Woche aus gepackten Kisten leben, es gibt größere Katastrophen auf der Welt. Am Donnerstag kommt der Anruf: „Mum, es geht doch morgen nicht, ich muss jetzt doch arbeiten und wenn wir es nächste Woche machen, dann hätte ich auch noch einen Freund zum Helfen, und dann ginge es viel schneller, bitte sei nicht böse.“
Böse? Nein, ich bin doch nicht böse. Ich bin entzückt. Ich finde es geradezu verlockend eine weitere Woche über Kisten zu stolpern und im Chaos zu leben. Es erheitert mich geradezu.
Und weil ich gerade so gut gelaunt bin, fange ich einfach mal an. Und siehe da, es klappt.

Am Sonntagabend bin ich mit Schlaf- und Wohnzimmer fertig. Auch mit mir, aber ich habe neue Farbe an den Decken und den Wänden und selbst die Schränke sind wieder eingeräumt.

Am Montag Nachmittag ruft mein Sohn an, man ahnt es schon...:-)


Bild: Rainer Sturm / Pixelio.de

Sonntag, 05. Februar 2012

Missverständnis

Von mirabelle48, 17:11


Ein Mensch, der kam zum Doktor hin,
ihn quälte ein Problem.
Er konnt nicht halten den Urin,
das war unangenehm.

Der Doktor weiß auch sofort Rat,
und sagt dem armen Mann,
er habe einen Schlauch parat,
der ihm rasch helfen kann.

Doch weil der Doktor Mundart sprach,
weich jeder Konsonant,
der arme Kranke, weh und ach,
den Arzt ganz falsch verstand.

Und furchtsam er zum Doktor spricht:
„Ein Lehrerpult in meiner Hos’ ?
Nein, ein Katheder will ich nicht,
das ist mir eindeutig zu groß.

Wenn’s keine andre Hilfe gibt
für jetzt und auch für später,
dann hätt ich gerne, wenn’s beliebt
nen  richtigen Katheter.“

Samstag, 04. Februar 2012

Wiedersehen macht Freude

Von mirabelle48, 16:36

Wie lange war es her, dass Friederike ihn das letzte Mal gesehen hatte?

Sie überlegte, zehn Jahre ungefähr musste es jetzt her sein, dass er das letzte Mal vor ihr stand. Keine guten Erinnerungen hatte sie an ihn. Sie war damals ein zehnjähriges Mädchen mit Zöpfen und voller Angst vor seinen bissigen Worten sowie den schmerzhaften Schlägen mit dem Lineal in die Handflächen.


Er der allmächtige Klassenlehrer, Herr S., der Friederike und den anderen Kindern  furchtbare Angst einflößte, auch den Jungs, denn sie bekamen seine Strafen mit dem Rohrstock in den Kniekehlen zu spüren.


Friederike war in der vierten Klasse der Volksschule und seit er von ihren Eltern wusste, dass sie im neuen Schuljahr die Realschule besuchen würde, war sie erst recht „unten durch“.
Gemocht hatte er Kinder, deren Eltern in der Papageiensiedlung wohnten, noch nie. Es war ein Viertel der Stadt, das Mitte der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts erbaut und  vorwiegend von den vielen Flüchtlingen und Aussiedlern bewohnt wurde. Den Namen hatte es bekommen, weil die Häuser in bunten Pastellfarben gestrichen waren.  


Außer Friederike wohnten auch noch Gudrun, Elsbeth und Rudolf dort  und wann immer es ungeklärte Kinderstreiche in der Schule gab, etwas zu Bruch ging oder gar etwas fehlte, dann konnte es nach seiner Meinung nur einer von ihnen sein, denn denen war schließlich alles zu zutrauen.
Und er ließ auch keinen Zweifel daran, dass er es unerträglich fand, wenn Mädchen zu einer weiter führenden Schule wechselten, die sollten gefälligst die Volksschule beenden und später heiraten und Kinder kriegen.
Alles andere war verschwendete Energie, basta.


Und von diesen Kindern aus der Papageiensiedlung hatte nun ausgerechnet Friederike die Aufnahmeprüfung für die Realschule bestanden.
Und das, obwohl sie doch nicht rechnen konnte und es seiner Meinung nach auch niemals lernen würde. Mädchen im Allgemeinen und Friederike im Besonderen  waren eben viel zu blöd. Zugegeben, Mathe war nie ihr  Lieblingsfach gewesen, aber sie fühlte sich überhaupt nicht blöd.
Dann kam der letzte Tag in seiner Klasse, die Zeugnisse wurden ausgegeben. In Mathe hatte sie erwartungsgemäß ein ausreichend bekommen.
Hämisch grinsend mit den Worten: „Es ist dir doch klar, dass die 4 sehr wohlwollend war, eigentlich hättest du eine 5 verdient, aber ich weiß ja, wer so dumm ist wie du, wird reumütig an diese Schule zurückkehren“ gab er Friederike das Zeugnisheft.
Und sie, die sich immer geduckt hatte, nahm all ihren Mut zusammen und wagte trotz der aufsteigenden Tränen zu antworten:
„Nein, an diese Schule niemals, und wenn ich Tag und Nacht lernen muss“.
Verblüfft blieb er stumm, und dieses verblüffte Gesicht, das hatte sie in Erinnerung behalten.


Und jetzt stand er also plötzlich vor ihr, hier im Finanzamt ihrer Stadt, wo sie seit einiger Zeit als Verwaltungsangestellte arbeitete. Und wie der Zufall es wollte, gehörte er zu ihrem Bereich. Sie erkannte ihn sofort.
Viele Steuerpflichtige bezahlten damals noch direkt an der Finanzkasse, so auch er, ihre Vermögenssteuer. Friederike  empfand es als äußerst komisch, dass ausgerechnet sie, die doch so blöd war und nicht rechnen konnte, ihm jetzt den Kassenbeleg ausfüllen musste, mit dem er dann am Kassenschalter zahlen konnte.
Er hatte sie nicht erkannt, sie sagte daher sehr freundlich lächelnd: “Wenn Sie bitte genau prüfen wollen Herr S., kann ja sein, dass ich nicht nur zu blöd zum Rechnen bin, sondern auch  zu dumm, die richtigen Zahlen abzuschreiben.“

Er stutzte, und sein verblüfftes Gesicht, als es ihm dämmerte, war fast identisch mit dem von vor zehn Jahren.

Bild: Gerhard Altmann / pixelio.de

Donnerstag, 02. Februar 2012

Musikalisches

Von mirabelle48, 16:04

„Musik wird oft nicht schön gefunden,
weil sie stets mit Geräusch verbunden.“
 Von Wilhelm Busch stammt dies Zitat,
das mich dazu veranlasst hat,
ganz ohne so wie er zu glänzen,
die Worte etwas zu ergänzen.

Es ist schon ungeheuer laut
wenn jemand auf die Pauke haut.
und leise will ihm nicht gelingen,
die Flötentöne beizubringen.
Es hat sich nämlich schnell gezeigt,
er hat es vollkommen vergeigt.

Versucht sodann mit harten Tönen
vom Bass die Menschen zu zudröhnen.
Auch laute schmetternde Trompeten
sind ob des Lärms meist unerbeten.
Genau so, wie man oftmals staunt,
was mancher so heraus posaunt.

Ob Wilhelm Busch wohl dies im Sinn,
als er einst schrieb den Vers mal hin:
„Musik wird oft nicht schön gefunden,
weil sie stets mit Geräusch verbunden.“


Montag, 30. Januar 2012

Große Männer, kleine Männer

Von mirabelle48, 18:34

Klaus-Dieter findet sich zu klein,
ihm fehlt ein Dezimeter.
So um einsachtzig möcht er sein,
ganz wie sein Freund, der Peter.

Auch hat der Peter Schlag bei Frau´n,
worauf er neidisch ist.
Klaus-Dieter glaubt, nach Peter schaun
sie, weil er mehr doch misst.

Klaus- Dieter glaub doch so was nicht,
die Frau, die dich begehrt,
niemals von Zentimetern spricht,
sie kennt doch deinen Wert.

Nicht immer ist ein Mann doch klein
nur weil´s ihm fehlt an Länge.
Auch Kleine können Große sein
und ragen aus der Menge.

Wie hoch der Kopf, nicht wichtig sei
kommt mir noch in den Sinn.
Viel wichtiger ist doch dabei
was letztendlich DARIN.


Donnerstag, 26. Januar 2012

Koppnicker - Oma

Von mirabelle48, 11:11

Wenn uns schöne Dinge entzücken,
dann werden wir beifällig nicken.
Auch wenn wer was meint,
was uns richtig scheint,
doch das kann nicht jeden beglücken.

Miss Elli aus Süd-Oklahoma
war eine besondere Oma.
Sie hatte erblickt,
dass jemand genickt
fast fiel sie vor Ärger ins Koma.

„Man sollte das Nicken verbieten“,
rief sie, „denn das sind alles Nieten.
Wer nickt mit dem Kopf
Ist ein böser Tropf.“
Gar furchtbar begann sie zu wüten.

Ihr Zorn ging in Richtung Paloma,
die traf ihren Freund gern in Roma.
Und weil sie gern nickt,
wenn sie ihn erblickt,
nennt Elli sie Koppnicker-Oma.

Doch das kann Paloma nicht schrecken
Schert sich nicht um neidische Zecken.
Soll Elli doch geifern
und sich  bös ereifern,
sie kann sie am Hinterteil lecken.

Mittwoch, 25. Januar 2012

Für Jan

Von mirabelle48, 10:43



Nun ist sie geschafft, deine erste Dekade.
Zehn Kerzen, die zünde ich heut für dich an.
  Ins zweite Jahrzehnt startest du jetzt gerade,
auch wenn ich es fast noch nicht wahrhaben kann.

Voll  Wissensbegier deine strahlenden Augen,
die Ohren stets offen, mit wachem Verstand
bewusst alles um dich herum aufzusaugen,
begierig zu lernen, auf Neues gespannt.

Mein Wunsch für den weiteren Weg durch dein Leben:
Bleib neugierig, wachsam und interessiert.
Und sollte es auch Hindernisse mal geben,
sei mutig, bezwing sie. Wer feig ist, verliert.

Zum zehnten Geburtstag mein Glückwunsch von Herzen.
Genieß deine Teeniezeit ausgiebig, denn
sehr schnell brennen dir schon zehn weitere Kerzen,
dann wird aus dem Teenager plötzlich ein Twen.




Sonntag, 22. Januar 2012

Der "kluge" Mensch

Von mirabelle48, 13:11

Klug sei er, so hört man sagen,
clever und an Bildung reich.
Alles könne man ihn fragen,
und die Antwort käm’ sogleich.

Malerei, Musik und Dichtung,
seine Interpretation
zeigt die einzig wahre Richtung
er versteht ja was davon.

Trägt sein angelesnes Wissen
fahnengleich stets vor sich her.
Alle schließlich merken müssen,
klug wie er sein, das ist schwer.

Nur was er sagt, das ist richtig,
Gegenmeinung bleibe stumm.
Seine Bildung schwergewichtig
zeigt doch, dass die andren dumm.

  Wünsche ihm, dass er erfahre,
Wissen ist nicht Bildung gleich.
Herzensbildung ist die wahre,
sie erst macht den Menschen reich.


Montag, 16. Januar 2012

Fremdkörper

Von mirabelle48, 08:54

Nicht sie waren es, die dir schenkten das Leben,
doch haben sie dir ihren Namen gegeben.
Mit dir das Familienidyll komplettiert.

Doch nie hast du wirklich zu ihnen gehört,
bei Lichte betrachtet, meist eher gestört,
hast selten nur so wie gewünscht funktioniert.

Und weil es so üblich war zu jener Zeit,
da hat man Gehorsam dir halt eingebläut
und oft war dein Rücken blaurot marmoriert.

Auch dass sie dich jahrelang schändlich belogen,
hat dich nicht verändert, hast dich nicht verbogen.
Im Gegenteil, hast dich sehr früh distanziert.

Ganz ohne sie und nur aus eigener Kraft
hast du deinen Weg durch das Leben geschafft,
doch hättest du gern Elternliebe gespürt.

Ein Fremder erzählte dir neulich, sie haben
vor Monaten schon deinen Vater begraben.
Ich frage dich, ob’s dich noch interessiert?
 


Dienstag, 10. Januar 2012

Woher ? Wohin?

Von mirabelle48, 08:48

Kalt ist es. In den letzten Tagen hat es geschneit. Wie ein schwarzes Band schlängelt sich der schmale frei geschaufelte Gehweg durch das Weiß. Ein Band, so schmal, dass kaum zwei Menschen nebeneinander darauf Platz haben.

Der Blick der alten Frau ist auf das Band gerichtet, irgendwann muss es doch zu Ende sein, denkt sie, und dann bin ich zu Hause, in meiner Wohnung, dort ist es warm und gemütlich.

Menschen kommen ihr entgegen, schlängeln sich an ihr vorbei.

Die alte Frau wird müde, wie lange mag sie schon gelaufen sein? Sie weiß es nicht. Sie möchte sich setzen, nur ein wenig verschnaufen, ehe sie ihren Weg fortsetzt.

Sie erreicht einen kleinen Platz. Dort steht eine Bank. Sie setzt sich. Zitternd vor Kälte steckt sie die Hände in die Taschen ihrer Strickjacke.

„Ich hätte doch den warmen Wintermantel anziehen sollen“, denkt sie, „und auch wenn ich mal eben nur vor die Haustür gehen will, sollte ich das nicht in Hausschuhen tun“.

Die Kälte kriecht an ihr empor.

„Es wird Zeit, dass ich nach Hause komme, ich muss weiter“ überlegt sie. „Aber in welche Richtung muss ich nun gehen? Aus welcher Richtung bin ich hierher gekommen?“ Es fällt ihr nicht ein, nur, dass sie weiter muss.

„Kann ich Ihnen helfen?“ spricht sie ein Mann an. Jung ist er, viel jünger als sie. Und eine Uniform trägt er. Obwohl er freundlich lächelt, hat sie Angst. So schüttelt sie abwehrend den Kopf.

„Sie sind ja völlig durchgefroren, kommen Sie, ich bringe Sie erstmal ins Warme.“ Und es gelingt ihm, sie zu überzeugen, ihn zu begleiten. In der Nähe steht ein Auto, aus dem jetzt eine junge Frau aussteigt, die ebenfalls Uniform trägt.

Nett sieht sie aus, denkt die alte Frau, und sie lächelt mir zu. Ich werde einsteigen.

„Wenn Sie uns sagen, wie sie heißen und wo Sie wohnen, bringen wir Sie nach Hause“, sagt die freundliche junge Frau.

Die alte Frau will antworten, doch sie weiß nur ihren Namen.

„Wo ich wohne? Dort, wo ich schon seit über 60 Jahren wohne. Wie die Straße heißt? Das habe ich vergessen…“

 

 

Foto: Geralt/Pixelio.de

Dienstag, 27. Dezember 2011

Gehab dich wohl

Von mirabelle48, 17:27

  

Fast  die Uhr schon abgelaufen,

deine Tage sind gezählt.

Keine Zeit mehr zu verschnaufen

bis das letzte Sandkorn fällt

 

Unerbittlich rinnt die Zeit

durch dein Stundenglas des Lebens.

Bist zum Abschied schon bereit,

dich zu halten ist vergebens.

 

Hast die Hand schon an der Klinke,

einen Fuß schon in der Tür.

Siehst grad noch, dass ich dir winke

und dann bist du nicht mehr hier.

 

Altes Jahr, gehab dich wohl.

Hab die Sanduhr umgedreht,

ist nun für das Neue voll,

bis auch das zu Ende geht.

 

 


Freitag, 23. Dezember 2011

Es weihnachtet sehr

Von mirabelle48, 09:21
                                       

Wenn dunkle Tage werden lichter,
erwartungsvoll sind Kindsgesichter,
wenn flackernd heller Kerzenschein,
zieht in die warmen Stuben ein,
dann ist sie wirklich nicht mehr weit,
die gnadenfrohe Weihnachtszeit.

Wenn Kinder eifrig und mit Lachen
aus Stroh die schönsten Sterne machen,
als Helfer an den Kuchenblechen,
die allerbesten Plätzchen stechen,
dann ist sie wirklich nicht mehr weit,
die gnadenfrohe Weihnachtszeit.

Wenn Eisblumen die Fenster zieren,
der kalte Wind zieht durch die Türen,
wenn zugefroren sind die Pfützen,
die Menschen tragen warme Mützen,
dann ist sie wirklich nicht mehr weit,
die gnadenfrohe Weihnachtszeit.

Wenn dann, grad wie von uns bestellt,
der erste Schnee hernieder fällt,
der bunt geschmückte Weihnachtsbaum,
erfüllt mit seinem Duft den Raum,
wenn alle Glocken dann erklingen,
wir  Stille Nacht gemeinsam singen,
dann ist sie da, die Heilige Nacht,
die alle Herzen fröhlich macht.


Allen, die hier lesen wünsche ich ein Frohes Fest.